Samstag, 21. September 2019

Deutsche Börse Machen die Fonds jetzt Kasse?

Seit angelsächsische Hedge-Fonds Vorstandschef Werner Seifert gestürzt haben, wächst die Angst vor einer Zerschlagung der Deutschen Börse. Verschwörungstheorien kursieren. Die Rufe nach schärferen Gesetzen werden lauter. Sie kommen aus einer Ecke, aus der man sie allerdings nicht erwartet hätte.

Hamburg - Wenige Tage nach dem von angelsächsischen Fonds erzwungenen Rücktritt von Vorstandschef Werner Seifert ist die Zunkunft der Deutschen Börse weiter ungewiss. Bislang haben sich die Großaktionäre nicht klar zu ihren Plänen geäußert. Widersprüchliche Aussagen des britischen Hedge-Fonds "The Children's Investment Fund" (TCI) haben die Verunsicherung zusätzlich geschürt. Zerschlagung, Verkauf, Fusion - alles scheint derzeit möglich. Die Angst um den Handelsplatz wächst.

Zukunft ungewiss: Noch ist völlig unklar, was die angelsächsischen Fonds mit der Deutschen Börse vorhaben. Experten befürchten die Zerschlagung des Börsenkonzerns und den Verkauf ihrer Einzelteile
Man kann Werner Seifert und Rolf-E. Breuer sicherlich einiges vorwerfen. Zum Beispiel dass sie einen Hedge-Fonds-Manager wie Christopher Hohn nicht ernst genommen haben. Dass sie die Entschlossenheit des TCI-Chefs und die von ihm ausgehende Gefahr auch dann noch unterschätzten, als längst andere Fondsgesellschaften sich in den Kreis der Opponenten einreihten. Immerhin aber hatte das umstrittene Führungsduo den Marktteilnehmern eine klare strategische Perspektive für das Unternehmen aufgezeigt. Jetzt aber herrscht hier die absolute Leere.

Bislang lassen die neuen Machthaber nicht im Geringsten erkennen, wie sie dieses Vakuum aufzulösen gedenken. Ganz im Gegenteil: In Dienstag veröffentlichten Interviews hat sich TCI-Partner Patrick Degorce zunächst eindeutig für eine Fusion der Deutschen Börse mit dem Konkurrenten Euronext ausgesprochen, um dann noch am selben Tag auch einen erneuten Vorstoß zu einer Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) nicht auszuschließen. Völlig offen ist, welche Option der Hedge-Fonds favorisiert oder ob er insgeheim nicht doch die Zerschlagung des Unternehmens verfolgt.

Euronext schweigt

Euronext selbst äußert sich zu einer möglichen Fusion mit der Deutschen Börse nicht. Aus dem Umfeld der Vierländerbörse verlautet aber, man setze weiter auf ein Zusammengehen mit der LSE. Für diese Option spricht nach Ansicht von Beobachtern unter anderem das sehr ähnliche Geschäftsmodell von Euronext und LSE sowie die Tatsache, dass die Vierländerbörse mit ihrer Terminbörse "Liffe" bereits in London vertreten ist. Zudem dürfte eine Fusion von Deutscher Börse und Euronext größere kartellrechtliche Probleme aufwerfen als eine Fusion mit dem Londoner Handelsplatz. Denn dann vereinigten Frankfurt und Paris nahezu 100 Prozent des europäischen Terminmarktes. Ähnlich beurteile man auch in London die Situation, hieß es am Mittwoch in Presseberichten.

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