DaimlerChrysler "Das tut weh und kratzt am Image"

Die Probleme der Mercedes-Gruppe haben tiefe Kratzer in der Bilanz von DaimlerChrysler hinterlassen. Analysten zeigten sich von dem Gewinneinbruch nicht überrascht. Sie hatten mitunter Schlimmeres erwartet. Enttäuscht waren sie dagegen von der US-Tochter Chrysler.

Hamburg - Erhebliche Probleme bei dem einstigen Flaggschiff, der Mercedes Car Group, haben in der Quartalsbilanz von DaimlerChrysler  tiefe Spuren hinterlassen. Die Sanierung der Kleinwagenmarke Smart und die Beseitigung von Qualitätsmängeln bei Mercedes kosten den Konzern mindestens 1,5 Milliarden Euro.

Einen Großteil der Kosten hat das Management wie erwartet im ersten Quartal verbucht. Im Gespräch mit manager-magazin.de zeigten sich Analysten am Donnerstag über den Gewinneinbruch daher auch wenig überrascht. Der Betriebsgewinn fiel um rund 60 Prozent auf 628 Millionen Euro. Das Nettoergebnis sank um 30 Prozent auf 288 Millionen Euro.

"Die Zahlen sind sogar leicht besser als erwartet", erklärte Michael Punzet von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Negativ bewertete er dagegen den deutlichen Gewinnrückgang bei der US-Tochter Chrysler. Punzet vermutet, dass neben dem rückläufigen Absatz auch fallende Margen zu der Ergebnisverschlechterung beigetragen haben. Mit einer Spanne zwischen 2,3 und 5 Prozent lägen sie jedenfalls unter dem Vorjahreszeitraum.

Marc-René Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg führte das schlechtere Ergebnis bei Chrysler auf die reduzierten Auslieferungen an die Händler in den USA zurück. Neben Wechselkurseffekten dürften zudem negative Effekte aus der Lagerbestandsbewertung bei Chrysler zu der Ergebnisverschlechterung beigetragen haben, zumal die US-Tochter erklärt hatte, dass man im weiteren Jahresverlauf ein sehr schwieriges Geschäft in den USA erwarte.

"Chrysler hat uns sehr enttäuscht"

Die US-Tochter hatte zur Überraschung der meisten Experten ihren Aufwärtstrend nicht fortsetzen können. Der operative Gewinn ging im ersten Quartal von 303 auf 252 Millionen Euro zurück. Der Umsatz fiel von 12 Milliarden auf 10,7 Milliarden Euro.

"Chrysler hat uns sehr enttäuscht", sagte Stefan Droxner von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Wir hatten uns die Absatzzahlen auch der einzelnen Modelle angeschaut und kamen zu dem Ergebnis, dass der Produkt-Mix nicht schlechter geworden sein dürfte. Das war aber offenbar doch der Fall."

"Keine negativen Überraschungen mehr"

Vorstand sieht "Wendepunkt" bei Mercedes

Den Verlust von 954 Millionen Euro bei der Mercedes Car Group, der langjährigen Stütze des DaimlerChrysler-Konzerns, führten alle Analysten auf die zu erwartenden hohen Rückstellungen für die Sanierung der Kleinwagenmarke Smart als auch die hohen Kosten für die Mercedes-Rückrufaktion zurück. "Der hohe Verlust tut weh und kratzt am Image. Das war aber nicht anders zu erwarten", sagte Tonn.

Der Konzern will die Mercedes-Gruppe, zu der neben Smart ebenso der Luxuswagen Maybach zählt, mit einem harten Sparkurs wieder auf Ertragskurs bringen und bis 2007 drei Milliarden Euro einsparen. Bereits für das laufende Quartal sagte der Vorstand am Donnerstag den "Wendepunkt bei der Profitabilität" voraus und strebt dann im dritten Quartal eine weitere "deutliche Verbesserung" an.

Nutzfahrzeug-Sparte profitiert von Millionenzahlung

Alle Analysten wiesen indes darauf hin, dass der deutliche Gewinnzuwachs bei der Nutzfahrzeug-Sparte zu einem Großteil auf die bereits jetzt verbuchte Kompensationszahlung von Mitsubishi für die Rückrufaktion bei dem Lastkraftwagenhersteller Fuso zurückzuführen sei. Mitsubishi und DaimlerChrysler hatten sich hier auf die Zahlung eines dreistelligen Millionenbetrages geeinigt. "Sonst hätte der Gewinn hier vermutlich bei 352 Millionen Euro gelegen", erklärte Tonn.

"Keine negativen Überraschungen mehr"

Die Landesbank Rheinland-Pfalz wird ihre Mitte April auf "Outperformer" angehobene Einstufung für die Aktie beibehalten, erklärte Punzet. "Das erste Quartal stellt aus unserer Sicht den Tiefpunkt dar. Man hat bei DaimlerChrysler die Probleme erkannt und geht sie aktiv an. Ich erwarte jedenfalls keine negativen Überraschungen mehr", erklärte der Experte. Ähnlich argumentierte Tonn von M.M. Warburg, der seine Kaufempfehlung voraussichtlich erneuern werde.

Skeptischer zeigte sich dagegen Droxner von der LBBW, der die Aktie mit "Halten" einstuft. Zwar glaubt er ebenso wie die anderen beiden Experten, dass DaimlerChrysler seine Jahresprognose eines operativen Gewinns von knapp 5,8 Milliarden Euro (ohne Sanierungskosten für Smart) in etwa erreichen könne. "Wir gehen aber davon aus, dass die Absatzzahlen nicht so schnell steigen werden, wie sich das Management dies wünscht. Und selbst auf dem gegenwärtigen Niveau ist das Papier nicht gerade billig. Wir bevorzugen andere Autoaktien", erklärte Droxner.