Geschlossene Fonds "Wir machen hier kein Ebay"

Geschlossene Fonds verlieren zunehmend ihre Bedeutung als Steuersparmodelle. In den Vordergrund rückt die Rendite. Damit wächst auch das Interesse der Anleger an funktionierenden Handelsplattformen und Zweitmärkten. manager-magazin.de gibt einen Überblick, welche Möglichkeiten Käufer und Verkäufer haben.
Von Lutz Knappmann

Hamburg - Es herrscht Umbruchstimmung auf dem Beteiligungsmarkt. Das Interesse an geschlossenen Fonds wächst, und die Beweggründe dafür haben sich grundlegend verändert. Vorbei sind die Zeiten, in denen Anleger von Schiffs- oder Immobilienfonds, Medien- oder Windkraftbeteiligungen vor allem auf den Steuervorteil schielten, den sie mit ihrer Investition erzielen konnten. Längst hat der Fiskus die meisten Möglichkeiten zur Abschreibung abgeschafft und Steuerschlupflöcher gestopft. Für die Anleger zählt vor allem die Rendite.

In diesem Punkt unterscheiden sich geschlossene Fonds also kaum noch von anderen Kapitalanlagen. Dennoch haben diese Beteiligungsmodelle eine Sonderstellung. Denn so einfach wie Aktien oder Anleihen lassen sich ihre Anteile längst nicht handeln.

Zwar existieren Verkaufsmöglichkeiten für Fondsanteile ebenso lange wie die Anlageform selbst. Doch die Ansprüche der Kunden haben sich geändert. Der klassische "Notverkauf" nach einer Scheidung, im Erbfall oder bei einem schlichten Liquiditätsengpass, bei dem die Verkäufer häufig große Preisabschläge in Kauf nahmen, spielt mittlerweile eine eher untergeordnete Rolle.

Die zunehmende Renditeorientierung geschlossener Beteiligungsmodelle stellt die Branche vor neue Herausforderungen. Wer seine Anteile an einem Schiffs- oder einem Immobilienfonds vor Ende der Laufzeit veräußern möchte, sucht dafür einen funktionierenden Zweitmarkt mit ausreichender Liquidität und fairen Preisen.

Grundsätzlich bieten sich den Anlegern drei Möglichkeiten: Sie können ihre Anteile direkt an den Fondsinitiator zurückgeben und sich auszahlen lassen. Viele Fondshäuser bieten solche Märkte für ihre eigenen Produkte. Anbieter so genannter Zweitmarktfonds hingegen übernehmen die Anteile verschiedenster Emittenten und bündeln sie in eigenen Fonds. Und seit kurzem tummeln sich auch zwei Regionalbörsen im Geschäft mit geschlossenen Fonds.

Zweitmarkt der Hamburger Börse

Zweitmarkt der Hamburger Börse

Die Börsenplätze Hamburg und Düsseldorf haben in jüngster Zeit unabhängig voneinander zwei Handelsplattformen für Beteiligungsmodelle gestartet. "Der Markt für geschlossene Fonds hatte bislang vor allem zwei Schwierigkeiten", erläutert Thomas Ledermann, Vorstandsmitglied der Börsen AG, dem Betreiber der Börsen Hamburg und Hannover: "Zum einen fehlende Transparenz, zum anderen fehlende Liquidität." Die Anleger, sagt der Börsen-Vorstand, bekämen nur mühsam aktuelle Informationen über Beteiligungen. "Sie können einen Anteil zudem nur schwer laufend bewerten und in vielen Fällen auch nicht kurzfristig verkaufen."

Unter dem Dach ihrer als "Fondsbörse Deutschland" betitelten Plattform handeln die Hamburger daher auch mit Anteilen geschlossener Beteiligungsmodelle. Insgesamt sind dort mittlerweile rund 1900 Fonds gelistet. Nominal machten die Hamburger mit diesem Angebot im vergangenen Jahr rund 23,9 Millionen Euro Umsatz und im ersten Quartal 2005 rund 6,4 Millionen Euro.

Aber sind solche Zahlen bereits Ausweis der bislang an anderen Märkten so drängend vermissten Liquidität? Auch für den Großteil der in Hamburg gelisteten Fonds gibt es keine Garantie, dass Anleger ihre Anteile tatsächlich loswerden. Seit November 2004 betreibt die Börse allerdings zusätzlich ein so genanntes Premiumsegment. Dort können Anleger die Angebote von derzeit sechs Fondshäusern handeln: Hansa Treuhand, HCI und König & Cie. sowie seit diesem Jahr auch Beteiligungen der Initiatoren Realis, HFS und IVG.

Neben strengeren Informations- und Transparenzanforderungen an die Emittenten, wirbt das Premiumsegment mit einer Liquiditätsgarantie. "Market Maker sorgen dafür, dass Anleger bestimmte Anteile jederzeit zu einem festgelegten Mindestpreis verkaufen können - ohne darauf warten zu müssen, dass der Makler zunächst einen passenden Käufer findet", verspricht Börsen-Vorstand Ledermann.

"Wenn ein Marktteilnehmer Interesse hat, dort Fonds handelbar zu machen, muss er auch mehr dafür tun als üblich. Er ist als Market Maker verpflichtet, in einem bestimmten Rahmen Kaufangebote zu stellen", so Ledermann. "Pro Geschäft gibt der Market Maker eine Ausführungsgarantie im Wert von 50.000 Euro."

Nach erfolgreichem Abschluss eines Anteilsverkaufs zahlen Käufer und Verkäufer je eine Maklercourtage von 2,5 Prozent, mindestens jedoch 250 Euro. Ausführliche Informationen über die an beiden Marktsegmenten gelisteten Fonds können Anleger im Internet  abrufen.

Die Düsseldorfer Gefox-Plattform

Die Düsseldorfer Gefox-Plattform

Im Vergleich zur Hamburger Handelsplattform steckt das Zweitmarktangebot der Düsseldorfer Börse noch in den Kinderschuhen. Doch in seiner Konzeption richtet sich die Düsseldorfer Gefox-Plattform auch an eine andere Zielgruppe. "Einzige Gemeinsamkeit ist letztlich, dass an beiden Plätzen Anteile geschlossener Fonds auf unabhängigen und neutralen Märkten gehandelt werden", sagt Steffen Pörner, Sprecher der Düsseldorfer Börse.

Auf Gefox sind bislang drei Fonds gelistet, allesamt neue Angebote, die sich noch im Vertrieb befinden. Sobald sie geschlossen werden, ist über die Plattform der Handel mit Anteilen möglich. Den Handel mit Altfonds wollen die Düsseldorfer künftig zwar ebenfalls anbieten. Doch noch halten sich die Emittenten zurück.

Denn wie auch die Kaufinteressenten müssen sie sich zunächst vom Börsenbetreiber zertifizieren lassen - und ein umfangreiches Regelwerk befolgen. "Schließlich machen wir hier kein Ebay,", so Pörner, "sondern reden über den Handel mit Gesellschafteranteilen." Für die Anbieter wird dabei eine Listing-Gebühr fällig. Käufer zahlen 3 Prozent Courtage wenn ein Geschäft zu Stande gekommen ist.

Neben klar geregelten Informationspflichten schreibt das Gefox-Regelwerk den notierten Fondsemittenten vor, sich vierteljährlich einer neutralen Bewertung zu unterziehen, an deren Ende auch die Ermittlung eines so genannten "Fair Values" der Fondsanteile steht. So soll Käufern und Verkäufern eine neutrale Richtschnur für die Preisfindung an die Hand gegeben werden. "Wir teilen den Fondshäusern einen Analysten zu", erklärt Pörner. Bislang kooperieren die Düsseldorfer allerdings nur mit einem einzigen Analysehaus, dem Fondsspezialisten Scope.

Weil Gefox zunächst nur neue Fonds anbietet, rechnen die Betreiber mit einer langen Anlaufphase, bis der Handel tatsächlich in Schwung kommt. "Gefox ist ein bewusst langfristig angelegtes Projekt", sagt Pörner. "Ich erwarte nicht, dass das Handelsvolumen sofort stark ansteigt. Denn es wäre erstaunlich, wenn die Anleger schon unmittelbar nach der Zeichnung ihre Anteile wieder abstoßen wollten. Daytrading wird es in dem Bereich niemals geben." Zudem ist Market Making bei Gefox nicht vorgesehen, die Liquidität des Marktes bestimmt sich also nach jenen Kauf- und Verkaufsangeboten, die registrierte Interessenten künftig auch online unter www.gefox.de  einstellen können.

Zweitmarktfonds als Aufkäufer

Zweitmarktfonds als Aufkäufer

Viele Fondsemittenten und Anbieter von Zweitmarktfonds beobachten die vorsichtigen Schritte der Regionalbörsen auf dem Zweitmarkt-Parkett mit Skepsis. "Grundsätzlich begrüße ich die Aktivitäten der Börsen Düsseldorf und Hamburg", sagt beispielsweise Frank Moysich, Geschäftsführer von Salomon & Partner - einem der größten deutschen Anbieter von Zweitmarktfonds für Schiffsbeteiligungen.

"Der Markt geschlossener Fonds hat in den vergangenen Jahrzehnten vor allem durch Intransparenz geglänzt. Das war immer ein Insider-Markt", so Moysich. "Doch ich glaube, dass er das in Teilen auch immer bleiben wird."

Moysich bezweifelt, dass die börslichen Zweitmärkte tatsächlich eine ausreichende Liquidität für einen schwunghaften Handel mit gebrauchten Fondsanteilen zusammen bekommen werden. "Nehmen Sie zum Beispiel einen Schiffsfonds", erläutert Moysich. "Ein Schiff wird im Schnitt von 300 Kommanditisten gehalten. Davon werden über fünf Jahre im Schnitt vielleicht 20 oder 30 ihre Anteile verkaufen wollen. So kommt nie ein nennenswertes Volumen für Angebot und Nachfrage zusammen."

Als Anbieter von Zweitmarktfonds vertritt Moysich deshalb ein anderes Handelsmodell. Salomon & Partner kauft Schiffsbeteiligungen im großen Stil auf und bündelt sie in den eigenen "Maritim-Invest" Fonds, von denen jüngst der fünfte aufgelegt wurde. Damit tritt das Unternehmen selbst als Käufer am Markt auf, der sich beispielsweise auch an der Hamburger Börse mit Fondsanteilen eindeckt. "Salomon ist kein Emissionshaus für Erstmarktbeteiligungen", so Moysich. "Wir kaufen Fondsanteile unterschiedlicher Emissionshäuser auf, übernehmen von Anlegern also auch komplette Portfolios."

Auch Salomon & Partner stellt dem Handel eine ausführliche Analyse der Beteiligungen voran. "Wir bewerten die Schiffsbeteiligungen nach einer Ertragswertmethode, denn ein Schiff ist ein Wirtschaftsgut, das sich abnutzt und bei dem sie nur die zukünftigen Erträge hochrechnen können", so Moysich.

"Am Ende legen wir fest, was der Anteil eines Anlegers derzeit wert ist." Rund 400 so genannte Ein-Schiff-Gesellschaften hat der Zweitmarktbetreiber inzwischen in sein Angebot eingepflegt, bis Mitte des Jahres sollen es 600 werden. Die Übersicht der Angebote finden Interessierte unter www.maritim-invest.de .

Handelsplattformen der Emittenten

Handelsplattformen der Emittenten

Viele Anleger, die Fondsanteile veräußern wollen, wenden sich nach wie vor aber direkt an den Emittenten. Eine Reihe von Fondshäusern betreibt daher eigene Zweitmarkt-Plattformen, an denen die eigenen Produkte gehandelt werden. Anbieter wie die Unternehmenstreuhand Nord, die den Handel mit Schiffsbeteiligungen des Fondsemittenten Norddeutsche Vermögen abwickelt, begreifen ihr Geschäft dabei allerdings vor allem als zusätzlichen Service der Emittenten.

"In der Regel ist es für die Anleger gerade in der heutigen Zeit wirtschaftlich sinnvoller, ihre Beteiligungen zu halten und nicht zu verkaufen", sagt Markus Lehmann, Geschäftsführer der Unternehmenstreuhand Nord. "Dahin geht auch unsere Beratung, selbst wenn dies kontraproduktiv für unsere Plattform ist."

Wer dennoch verkaufen wolle, "bekommt von uns einen Maklervertrag und kann dann seine Beteiligung auf unserer Plattform  in ein Bietverfahren mit einer Laufzeit von üblicherweise ein bis fünf Wochen einstellen lassen", erläutert Lehmann. "Zudem gibt er dort einen Mindestverkaufspreis an, der zuvor in einem Beratungsgespräch mit dem Treuhänder festgelegt wurde."

Auch wenn der Handelsablauf damit dem der Börsen-Zweitmärkte ähnelt, kommt für Häuser wie die Norddeutsche Vermögen ein Listing an der Hamburger oder der Düsseldorfer Börse zurzeit nicht in Frage. "Wir wenden uns nicht an die Börsenplätze, da der Handel von gebrauchten Schiffsbeteiligungen einen Informations- und Beratungsaufwandes erfordert, den die Börsen unseres Erachtens nicht leisten können", so Lehmann. "Beispielsweise muss zwingend berücksichtigt werden, ob ein Anteil frei von Rechten Dritter ist. Der Treuhänder und wir haben zu allen wichtigen Informationen einen wesentlich direkteren Zugriff und können somit deutlich schneller reagieren."

Ähnliche emittenteneigene Zweitmärkte existieren auch für weitere Schiffsfonds, beispielsweise bei Conti  oder Nordcapital , aber auch für Immobilienfonds, zum Beispiel bei der DB Real Estate .

Anlegern von geschlossenen Fonds steht also eine wachsende Bandbreite von Handelsmöglichkeiten zur Verfügung. Doch angesichts der verschiedenen Modelle und ihrer spezifischen Vor- und Nachteile bleiben Schiffs- und Immobilienbeteiligungen wohl auch weiterhin nur für betuchte und vor allem erfahrene Anlegern interessant.

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