Geldanlage Japan, es ist wieder Japan

Bankenkrise, Rezession und Deflation - ist das alles überstanden? Eine Umfrage zeigt: Erstmals seit vielen Monaten glauben Fondsmanager wieder an Investmentchancen in Japan. Ausgerechnet während der schwersten anti-japanischen Gewaltwelle in China seit Jahren.
Von Karsten Stumm

Hamburg - Was ist da los in China? Beherrschung. Und Zurückhaltung. Das sind doch die Charakterstärker der Asiaten, hört man immer. Und jetzt?

Tausende Chinesen demolieren Restaurants und Geschäfte ihrer japanischen Nachbarn. In Shanghai feuern Hausfrauen, Studenten und Bauarbeiter Steine auf die Wohnsiedlungen ausländischer Manager, weil auch Japaner in dem Block wohnen. "Meine Frau wagt sich nicht mehr auf die Straße, und schon gar nicht mehr zu ihren Veranstaltungen an der Universität, weil sie sofort bedroht wird", sagt ein Bayer-Angestellter gegenüber manager-magazin.de, der für die Leverkusener Firma in Shanghai arbeitet - und mit einer Japanerin zusammenlebt.

Wenigstens Europas Fondsmanager haben damit kein Problem. Nach einer Umfrage empfiehlt die Mehrzahl der Investmentprofis genau in dieser Zeit, japanische Aktien zu kaufen. Erstmals nach mehr als zwölf Monaten steht Japan offenbar wieder ganz oben auf den Empfehlungslisten vieler Fondsexperten.

Nieder mit Japan: Chinesen protestieren in Shanghai gegen den Wunsch Japans auf einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat - und für mehr Macht des eigenen Landes.

Nieder mit Japan: Chinesen protestieren in Shanghai gegen den Wunsch Japans auf einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat - und für mehr Macht des eigenen Landes.

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Kauft Chinesisches: Aufgebrachte Studenten umzingeln den Eingang eines Elektronikwarengeschäftes in Peking, das japanische Waren verkauft.

Kauft Chinesisches: Aufgebrachte Studenten umzingeln den Eingang eines Elektronikwarengeschäftes in Peking, das japanische Waren verkauft.

Foto: DPA
Boykottiert Japan: Mehrere Zehntausend Chinesen marschieren über die Hauptsstraße in der ostchinesischen Stadt Hangzhou. Sie fordern ihre Landsleute auf, keine japanischen Waren mehr zu kaufen, bis sich das Land für seine Besatzungszeit in China erneut entschuldigt habe.

Boykottiert Japan: Mehrere Zehntausend Chinesen marschieren über die Hauptsstraße in der ostchinesischen Stadt Hangzhou. Sie fordern ihre Landsleute auf, keine japanischen Waren mehr zu kaufen, bis sich das Land für seine Besatzungszeit in China erneut entschuldigt habe.

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Schilder, Flaschen, Steine - anti-japanische Gewaltwelle in China
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Michael Neppert hat eine Erklärung parat. "Japan ist auf mittlere Sicht von etwa drei Jahren ein attraktives Investmentland, und daran ändern auch die Streitigkeiten zwischen Chinesen und Japanern nichts, die Japans Wirtschaft tatsächlich kurzfristig belasten könnten", sagt der Manager des Dit-Pazifikfonds  zu manager-magazin.de.

Neppert glaubt aber, dass sich beide Staaten schnell zusammenraufen werden. "China ist auf Direktinvestitionen aus Japan angewiesen, um technologisch so schnell aufholen zu können, wie es die Chinesen offenbar versuchen. Und Japans Unternehmen brauchen ihre Produktionsorte in China, um dort für den Weltmarkt billig produzieren lassen zu können."

Japan-Index mit Verlusten

Wichtiger als Steinewerfer in Peking bleiben für den Fondsmanager der Dresdner-Bank-Tochter deshalb die mittelfristigen Wirtschaftsaussichten Japans. "Und speziell dafür sehen die wichtigsten Wirtschaftsindikatoren wieder ordentlicher aus als noch vor Monaten."

Gleichzeitig habe Tokios Börse jetzt einen Teil der kräftigen Kursgewinne aus dem vergangenen Jahr nicht zuletzt durch den Konflikt mit China wieder abgegeben."Jetzt steht der Nikkei-Aktienindex erst einmal wieder etwas niedriger, und selbst die Kurse ausgewählter guter japanischer Firmen sind wieder auf einem Niveau angekommen, bei dem man investieren kann."

Japans wichtigstes Börsenbarometer, der Nikkei-225-Aktienindex , steht nach einem kräftigen Einbruch in den vergangenen Tagen aktuell bei 11.065 Indexpunkten. Anfang April waren es noch fast 900 Punkte mehr.

Grund für den Rücksetzer ist nach Meinung von Harald Staudinger, Fondsmanager der HypoVereinsbank-Tochter Activest, ohnehin nicht nur Japans Konflikt mit China. "Die stark negative Reaktion des japanischen Aktienmarktes ist auch Folge der schwächeren Konjunkturzeichen in Amerika." Für den Großteil der japanischen Handelsströme sei nicht die Nachfrage aus China entscheidend, sondern aus den USA.

Übernahmegefahr zwingt Firmen zu Investitionen

Dennoch ist auch Staudinger von den mittelfristigen Investmentchancen in Japan überzeugt. Vor allem die Großunternehmen des Landes krempelten ihre Bilanzen kräftig um - und zwar viel versprechend. "Bisher haben zu viele japanische Firmen ihre Assets in Form von Cash, Grundstücken und Beteiligungen an anderen Firmen gehalten. Das war nicht immer sehr effizient, ändert sich aber jetzt", sagt der Manager des Activest Globalselect .

Manche japanische Unternehmen seien mit ihrer Art Assets zu halten in Gefahr geraten, von effizienteren ausländischen Konkurrenten geschluckt zu werden. Und seit einer Aktienrechtänderung im vergangenen Jahr könne das schneller passieren als je zuvor. Zur Abwehr investierten manche Japan-Firmen ihre Geldreserven endlich in ihr eigentliches Geschäft. "Davon werden auch die Aktienkurse ausgewählter japanischer Unternehmen profitieren", sagt Staudinger. Immerhin 50 hat er ausgemacht und einen Teil des Geldes seiner Anleger bereits in diese Aktien investiert.

Nur schöne Worte

Für Activest-Manager Staudinger sind die Anlegerchancen im Investmentland Japan deshalb überzeugend, unabhängig von der aktuellen kleinen Asien-Krise. "Die Geldanlage in Japan bietet Investoren die Möglichkeit, in den kommenden zwei bis drei Jahren beispielsweise in Firmen mit effizienten Bilanzstrukturen zu investieren. Zugleich legen sie ihr Geld in einem Land an, das aus seiner Abwärtsspirale der vergangenen Jahre heraus in einen Übergangsprozess eingetreten ist - inmitten einer sehr dynamischen Anlageregion mit hohem Wirtschaftswachstum."

"Alles schöne Worte", kommentiert Markus Zschaber das neue Japan-Thema knapp. Überzeugen können sie den Portfoliomanager der VMZ Vermögensverwaltung in Köln nicht. Der hohe Kurs der Japan-Währung Yen bremse weiterhin den Export der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft, und ob die Japaner tatsächlich in den kommenden Monaten mehr Waren kaufen würden als in den vielen schwachen Monaten zuvor, bleibe fraglich. Und: Noch immer sei die Bankenkrise des Landes nicht überwunden.

"Die Probleme in dem Land sind weiter real, die darf man nicht unterschätzen", sagt Zschaber zu manager-magazin.de. Seine Erklärung für die neue Japan-Vorliebe vieler Fondsstrategen klingt deshalb anders als die der Fondsmanager selbst.

"Fondsgesellschaften müssen ständig neue Anlagevisionen entwickeln, um ihre Fonds verkaufen oder neue Fonds auf den Markt bringen zu können. Die USA sind im Moment als Anlageregion durch, Europa ist eine alte Geschichte, jetzt muss etwas Neues her - voilà, Japan."

Seine Anlagealternative? "Weiterhin Europa, speziell Deutschland. Vieles spricht einfach für den deutschen Aktienmarkt."