Immobilienfonds Manche sind brauchbar

Sie gelten als solide und berechenbar: Immobilienfonds sind seit Jahren fester Bestandteil in den Depots deutscher Privatanleger. Jetzt aber verlieren die Betonfonds an Renommee – ihre Renditen laufen weit auseinander. Die Ratingagentur Scope wagt einen Blick in die Zukunft.
Von Karsten Stumm

Hamburg - Gute Noten sehen anders aus: Kein einziger Immobilienfonds bekommt eine sehr gute Auszeichnung, sieben aber immerhin ein wackeliges "gut". Der Rest ist teils schwaches Mittelmaß.

Die Berliner Ratingagentur Scope hat Anlegern zum zweiten Mal überhaupt einen Überblick über die aktuelle Lage der 20 wichtigsten Immobilienfonds hierzulande geliefert. Verglichen mit dem Vorjahr ist immerhin ein leichter Aufwärtstrend bemerkbar: Zehn der 20 geprüften Fonds bekamen bessere Noten als zuletzt, sieben dagegen schlechtere.

"Die hohe Zahl der Veränderungen in den Ratings liegt nicht nur an der schwierigen Immobilienmarktlage. Bei einigen Fonds mussten nach Kapitalabflüssen schlicht die Portfolios umgekrempelt werden", sagt Scope-Geschäftsführerin Alexandra Merz zu manager-magazin.de.

Mehr Darten, mehr Analysen

"Auch die Möglichkeit der intensiveren Auswertung von Immobilien- und Portfoliodaten hat Veränderungen zur Folge gehabt", sagt Merz weiter. "85 Prozent der Fondsgesellschaften haben uns ihre kompletten Objektdaten zur Verfügung gestellt. Das war im vergangenen Jahr noch anders."

Spitzenreiter der aktuellen Marktumschau sind insbesondere die neuen Fonds der konzernunabhängigen Investmentgesellschaft Kanam, die ihren Deutschlandsitz in München hat. Gleich zwei ihrer Fonds konnten sich mit vergleichsweise hohen Performanceprognosen für 2005 bei der Ratingagentur Scope unter den besten drei Immobilienfonds des Jahres platzieren.

Die drei Fonds mit der besten Performanceprognose für das Jahr 2005  im Überblick:

  • SEB Immoportfolio Target Return Fund : Renditeprognose 7,0 Prozent, (Investmentausrichtung: aggressiv)


  • Kanam Grundinvestfonds : Renditeprognose 6,25 Prozent, (Investmentausrichtung: aggressiv)


  • Kanam US-Grundinvestfonds : Renditeprognose 6,00 Prozent, (Investmentausrichtung: aggressiv)

Prognose - 7 Prozent Rendite in 2005

Zwar sollten sich Anleger bei der Wahl ihres Immobilienfonds vor allem an dessen Strategie- und Risikoausrichtung orientieren, um ihr Depot sinnvoll zusammenstellen zu können. Dennoch bietet auch die Performance-Vorhersage nach Meinung von Scope-Analystin Merz eine vernünftige Ergänzung bei der Investmententscheidung.

"Anleger werden durch unsere Berechnungen konkret informiert. Und die voraussichtliche Performance der Fonds lässt sich mit Hilfe ihrer Mietvertragsstruktur und anderer Portfolioelemente auch mit hoher Wahrscheinlichkeit schätzen", sagt Merz.

Zu den Verlierern des neuen Immobilienfonds-Vergleichstest gehört die Deka-Bank. Gleich drei Fonds der Sparkassentochter rangieren auf den hinteren Plätzen des Rankings. Speziell bei der erwarteten Performance der Fonds schnitten die Deka-Fonds schlechter ab als viele andere Angebote.

Renditezahlen zuvorgekommen

Scope-Analystin Merz traut beispielsweise dem Deka-Immobilienfonds  im laufenden Jahr nur ein Plus in Höhe von 2,0 Prozent zu, dem Deka-Immobilien Global  ein Renditeergebnis in Höhe von 2,5 Prozent und dem Deka-Immobilien Europa  eine Performance von 3,0 Prozent - nicht einmal die Hälfte dessen, was der Topperformance-Fonds nach Meinung der Immobilienanalystin 2005 erzielen wird.

Die Deka selbst hält zumindest die Scope-Prognose für den Deka-Immobilienfonds für sinnvoll. "Wir streben im Jahr 2004 und 2005 tatsächlich eine Rendite in Höhe von 2 Prozent an", kommentierte Deka-Sprecherin Jutta Holtkötter die Zahlen des Qualitätstests gegenüber manager-magazin.de. Zu den übrigen Renditeprognosen wollte die Deka allerdings nicht Stellung nehmen.

Zumindest einige Deka-Investoren wollten die neuesten Renditeprognosen vor ihrer Anlageentscheidung nicht mehr abwarten. Nach Angaben der Sparkassen-Fondstochter haben Deka-Immobilienfondsinvestoren allein bis Ende Februar 2005 Fondsanteile im Wert von 220 Millionen Euro verkauft.