Anlegerschutz Letzter Aufruf für Worldcom-Aktionäre

Drei Jahre nach Ende des weltweit größten Finanzskandals können getäuschte Anleger wieder hoffen. New Yorks Börsenaufsicht hat eine dicke Entschädigung zugunsten ehemaliger Worldcom-Investoren vereinbart. Den Antrag für die Millionen gibt es im Internet - zum Herunterladen.
Von Karsten Stumm

Gibt es doch noch Rettung für Anleger, die mit Aktien der ehemaligen US-Telefongesellschaft Worldcom Schiffbruch erlitten haben? Wer schnell handelt, hat jetzt vielleicht die Chance, einen Teil seines Verlustes ersetzt zu bekommen.

Nach dem amerikanischen Bankkonzern Citigroup  hat auch Worldcoms Rechtsnachfolger MCI  einen Vergleich mit der New Yorker Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) geschlossen. Danach zahlt die Citigroup 2,65 Milliarden Dollar an Privatinvestoren, die durch die Pleite des US-Telekomkonzerns Worldcom ihr Geld verloren haben. Und MCI will 750 Millionen Dollar an die Betroffenen überweisen.

Anspruch auf das Geld von MCI haben Anleger, die ihre Worldcom-Papiere in der Zeit vom 29. April 1999 bis zum 25. Juni 2002 gekauft haben und ihre Ansprüche bis spätestens zum 19. Juli 2005 geltend machen. Für den milliardenschweren Vergleich der Banken lief die Frist bereits im März aus.

Dieses erste Enstchädigungsangebot ist, so berichtet Bernd Jochem, Rechtsanwalt in der Münchener Kanzlei Rotter, bei den Anlegern auf großes Interesse gestoßen. Auch im Falle MCI haben können nun Anleger weltweit Ansprüche anmelden. "Mit dem Vergleich haben die Sammelkläger in den USA die Ansprüche durchgesetzt, und zwar auch für alle anderen Anleger, die in diesem Zeitraum gekauft haben", erklärt Bernd Jochem, Rechtsanwalt in der Münchener Kanzlei Rotter, gegenüber manager-magazin.de. "Nur die Summe, die jeder einzelne bekommen wird, steht noch nicht fest. Sie wird davon abhängen, wie viele Anleger ihre Ansprüche geltend machen", sagt Jochem.

Antragsformular bald in deutscher Sprache erhältlich

Das hierfür notwendige "proof-of-claim-and-release-Formular" (PDF, 80 KB)  kann von der Internetseite der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (www.dsw-info.de) unter dem Menüpunkt "Anlegerschutz" kostenlos herunter geladen werden. Noch allerdings ist das Antragsformular nur in englischer Sprache verfügbar. Bis spätestens Ende April soll aber auch eine deutsche Version erhältlich sein.

"Wer keinen Internetzugang hat, kann die Unterlagen unter 0211/6697-01 natürlich auch telefonisch anfordern", sagt DSW-Experte Marc Tüngler.

Das Worldcom-Management um seinen ehemaligen Vorstandschef Bernie Ebbers hatte Anleger über Milliardenbeträge getäuscht. So blähten die Manager beispielsweise Worldcoms angebliche Gewinne künstlich um elf Milliarden Dollar auf. Aufgeflogen waren die Falschbuchungen in Rekordhöhe erst im Juni 2002. Die Folgen waren für die Investoren drastisch: Der Worldcom-Aktienkurs fiel ins Bodenlose, und nur wenige Monate später musste das Unternehmen sogar Insolvenz anmelden. Was von dem Ex-Konzern noch zu retten war, firmiert heute unter dem Namen MCI.

Neues Verfahren, zusätzliche Entschädigung

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz schätzt, dass von dem Anlegerskandal auch Hunderte deutsche Investoren betroffen sind, darunter auch Besitzer von Anleihen des Unternehmens Worldcom.

Die Deutsche Bank  und die WestLB haben bereits außergerichtlich eine Einigung mit Klägern geschlossen, die den Bankern mangelnde Sorgfalt bei der Platzierung der späteren Pleite-Bonds vorgeworfen hatten.

Weitere Banken in Worldcom-Vergleich verwickelt

Deutschlands größte Bank machte dafür 325 Millionen Dollar locker, die Düsseldorfer WestLB 75 Millionen Dollar. Der Präsident des Rechnungsprüfungshofes im US-Staat New York, Alan Hevesi, teilte mittlerweile mit, dass neben den beiden deutschen Geldhäusern auch die Caboto Holding Sim einen Vergleich erzielt habe; das Unternehmen gehört der italienischen Banca Intesa. Caboto zahle 37,5 Millionen Dollar.

Betroffene, die ihre Ansprüche bereits gegenüber einer der genannten oder anderen betroffenen Banken geltend gemacht haben, können sich nach Expertenmeinung nun durchaus noch einmal an MCI mit ihren Entschädigungsansprüchen wenden.

"Der jüngste Vergleich der Firma MCI über 750 Millionen Dollar ist eine separates Verfahren, das die SEC angestrengt hat", sagt Anleger-Anwalt Jochem. "Und damit steht den Worldcom-Investoren ein anderer, zusätzlicher Entschädigungstopf zur Verfügung."

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