Montag, 17. Juni 2019

Immobilien Hohes Risiko beim Mietkauf

Viele Wege führen zur eigenen Immobilie. Mietkauf-Angebote richten sich vor allem an junge Familien ohne Eigenkapital. Verbraucherschützer warnen jedoch vor dieser langfristigen Finanzierung "ohne Bank".

Frankfurt am Main - In den 70er-Jahren war es mal in Mode, jetzt wird es wiederbelebt: das so genannte Mietkauf-Modell ist wieder da - das verlockende Angebot, im Laufe der Jahre vom Mieter ohne Erspartes auf der hohen Kante zum Eigentümer der bewohnten vier Wände aufzusteigen. Angeblich "ohne Bank", "ohne Eigenkapital", "ohne Kreditauskünfte", wie gern blumig geworben wird. Doch Vorsicht, warnt Dirk Weinsheimer von der Verbraucherzentrale Thüringen. Die Immobilienträume könnten im Finanzdesaster enden. Abbezahlt werde manchmal bis ins Rentenalter hinein.

Teures Eigenheim: Ohne Eigenkapital wird es schwer
Wer sich auf Versprechen einlasse nach dem Motto "warum Miete zahlen, wenn Haus oder Wohnung sich für das gleiche Geld finanzieren lassen" lande häufig in der finanziellen Sackgasse, mahnt auch Ulrich Ott, Sprecher der Frankfurter Bank "ING-Diba", zur Zurückhaltung. Ohne das nötige Eigenkapital führe kein Weg ins Eigenheim. Daran änderten auch Rechentricks und Schönfärberei der Objektanbieter nichts.

"Zu verschenken hat niemand was", rät auch Josephine Holzhäuser, Bauexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zur Skepsis. "Eine Immobilienanschaffung ist nicht mit links zu schaffen."

Zielgruppe sind junge Familien mit Kindern

Die Möglichkeit zum Mietkauf wird gern von Maklern, Bauträgern und Genossenschaften angeboten, meist in Ballungsgebieten. Besonders eifrig umworben werden junge Familien mit Kindern, Selbstständige und all die, die von der Bank keinen Kredit bekommen.

Auf dem Markt tauchten die unterschiedlichsten Modellvarianten auf, berichtet Weinsheimer. Der klassische Mietkauf laufe nach folgendem Grobschema ab: Der Käufer zieht schon mal als Mieter in das Haus oder die Eigentumswohnung ein. Gleichzeitig muss er sich vertraglich dazu verpflichten, die angemieteten vier Wände innerhalb einer bestimmten Frist, meist nach zehn Jahren, zu kaufen. Auf den künftigen Kaufpreis wird die Miete dann häufig in Teilen angerechnet.

"Klingt gut, birgt aber unzählige Risiken", betont Holzhäuser. Hauptknackpunkt seien - entgegen aller blumigen Versprechen - Spardisziplin und Haushaltskasse. Denn neben seiner monatlichen Mietzahlung muss der Eigentümer in spe ja noch extra Geld auf die hohe Kante legen, um den späteren Kaufpreis zahlen zu können. "Das ist eine echte Doppelbelastung", warnt Weinsheimer. Da kämen schnell 1500 bis 2000 Euro Belastung im Monat zusammen. Hinzu komme, dass die Miete in der Regel deutlich teurer als die sonst übliche Miete sei. "Wer bisher kein Eigenkapital ansparen konnte, der könnte auch künftig Probleme damit haben."

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