Altersvorsorge Stochern im Nebel

Die Veränderungen sind einschneidend, doch niemand weiß Bescheid. Aktuelle Studien offenbaren: Beim Thema Altersvorsorge zeigen die Deutschen großes Desinteresse und erschreckende Wissenslücken. Damit riskieren sie gewaltige Versorgungslücken.

Berlin - Rürup-Rente? Nie gehört. Nachgelagerte Rentenbesteuerung? Ein Fremdwort. Um das Wissen der Deutschen zum Thema Altersvorsorge ist es einer repräsentativen Postbank-Studie zufolge schlecht bestellt.

So wissen 81 Prozent der Deutschen nicht oder "nur ungefähr", dass die gesetzliche Rente ab 2005 schrittweise steuerpflichtig wird. "Es ist jetzt empirisch gesichert, dass die einschneidenden Veränderungen bei der Altersvorsorge die Menschen nicht erreicht haben", fasst Postbank-Vorstand Wolfgang Klein, die Ergebnisse zusammen.

Das Institut für Demoskopie Allensbach hatte im Auftrag der Bank mehr als 2000 Deutsche befragt - und dabei alarmierende Wissenslücken zu Tage gefördert. Von der so genannten "Rürup-Rente" haben demnach rund 80 Prozent der Befragten bislang noch nie etwas gehört. Auch die Chancen, die die Reform der Altersvorsorge vielen Berufstätigen bietet, sind weithin unbekannt. "Kaum jemand weiß, dass die Beiträge zur privaten Altersvorsorge steuerlich stärker als bisher absetzbar sind", so Klein.

Noch am bekanntesten sei die Tatsache, dass Lebensversicherungen, die ab 2005 neu abgeschlossen werden, bei der späteren Auszahlung nicht mehr steuerfrei bleiben - immerhin 47 Prozent der Befragten gaben an, darüber "ziemlich genau" bescheid zu wissen.

Doch ohnehin sei der Begriff "Altersvorsorge" für mehr als die Hälfte der Befragten negativ besetzt. Und das obwohl den meisten durchaus bewusst sei, dass private Altersvorsorge wichtiger ist denn je zuvor. Den Anteil der gesetzlichen Rente an ihren gesamten Alterseinkünften schätzen heutige Rentner auf 82 Prozent. Demgegenüber erwarten die künftigen Rentner, dass dieser Anteil für sie auf lediglich 57 Prozent sinken wird. "Von diesen künftigen Ruheständlern erwarten 80 Prozent Einkünfte aus privaten Vorsorgeanlagen", so die Studie. Ihren persönlichen Bedarf schätzen die Befragten dabei - nach heutiger Kaufkraft - im Schnitt auf 2050 Euro pro Monat.

Viele nehmen hin, schlechter zu leben

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Information zur Altersvorsorge tut also offenkundig Not. "Wer das neue gesetzliche System nicht oder zu spät begreift und nicht handelt, steuert auf enorme Versorgungslücken im Alter zu", warnt auch Postbank-Vorstand Klein.

Beliebteste Ergänzung zur gesetzlichen Rente sind derzeit private Rentenversicherungen. "42 Prozent aller Deutschen sehen sie heute als ideale Altersvorsorge", sagte Klein. Nach 65 Prozent für die staatliche Rente und 62 Prozent für das Eigenheim stehe diese Vorsorgeform damit jetzt klar an dritter Stelle. Sowohl die Riesterrente wie Sparverträge sind im vergangenen Jahr laut Klein im Vergleich zu 2003 in der Gunst der Bundesbürger leicht gestiegen.

Dagegen sei die Absicht, in Aktien zu investieren, von 13 Prozent auf 11 Prozent gesunken. Der Trend sei "die Suche nach Sicherheit in der Anlage", sagte Klein.

Auch die Deutsche Bank hatte vor wenigen Tagen eine Studie veröffentlich, die das geringe Interesse der Deutschen am Thema Altersvorsorge bemängelt. "Ob die Brisanz der demographischen Veränderung und Folgen für die gesetzliche Rentenversicherung jedem klar ist, darf bezweifelt werden", so die Deutsche Bank.

Trotz Rentenreform und zusätzlicher staatlich geförderter privater Riester-Rente müssten die Menschen in Deutschland im Vergleich zum aktuellen Versorgungsniveau durch die gesetzliche Rente mit einer Lücke rechnen, die schnell zehn Prozent oder mehr erreichen könne. Die Vorsorge vieler Betroffener reiche daher bei weitem nicht aus. "Die Deutschen verhalten sich mit Blick auf ihr Alter so, als nähmen sie in Kauf, künftig schlechter zu leben", so das Fazit der Deutschen Bank.

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