Vermögensmanager Banken beraten Reiche schlecht

Was macht man mit vier Millionen Euro auf der hohen Kante? Man sucht sich einen hochkarätigen Vermögensmanager, der kompetent und individuell berät. Soweit die Theorie. Bis auf wenige Ausnahmen sieht die Praxis dagegen erschreckend aus. Das hat jetzt ein großer anonymer Markttest im deutschsprachigen Raum ergeben.

Hamburg - Wer rund vier Millionen Euro auf der hohen Kante hat, zählt in Deutschland nicht zu den wirklich reichen Menschen. Er ist lediglich einer von weiteren rund 750.000 Millionären oder Multimillionären. Aber auch die wollen bei ihrer Vermögensanlage vertrauensvoll, kompetent und individuell beraten werden.

Ein frommer Wunsch, den die Vermögensberater vor allem in Deutschland nur selten erfüllen. Das hat ein umfangreicher anonymer Markttest von Privat- und Universalbanken im deutschsprachigen Raum ergeben.

Die im Finanzverlag Fuchsbriefe  erschienene Studie "Tops - Die besten Vermögensmanager für 2005 in Österreich, der Schweiz, Deutschland, Liechtenstein und Luxemburg" ist für viele Private-Banking-Abteilungen nicht gerade schmeichelhaft. Was die sieben Testkunden - allesamt Finanzjournalisten - zwischen Juni und Oktober vergangenen Jahres auf ihrer Suche nach einem guten Vermögensmanager erlebten, lässt aufhorchen.

An insgesamt 97 Orten waren die "Mystery Shopper" im Einsatz und hatten im Vergleich zum vorangegangenen Test nun häufig Zweigniederlassungen aufgesucht. Das mag man kritisieren. Doch sollte ein Kunde davon ausgehen dürfen, dass er bei ein und demselben Institut möglichst an jedem Ort den gleichen Beratungsstandard erwarten kann.

Die besten Vermögensmanager für 2005 im deutschsprachigen Raum (Gesamtwertung)*

Rang Institut L* Beratungs-gespräch Anlage-vorschlag Vertrauens-basis Ge-samt
Maximalpunktzahl 40 40 20 100
1 Berenberg\ Bank D 33 28 18 80
2 Bank\ Gutmann A 38 28 11 77
3 RaiBa\ Kleinwalsertal A 33 26 16 75
4 Bank\ Vontobel\ in\ München A 39 24 11 74
5 Hauck\ \ Aufhäuser D 33 23 15 71
6 Fürst\ Fugger\ Privatbank D 34 20 16 70
7 Bankhaus\ Carl\ Spängler A 32 23 14 69
8 M.M.\ Warburg D 34 17 13 64
9 RaiBa\ Jungholz/Reutte A 30 17 16 63
10 Nassauische\ Sparkasse\ (Naspa) D 24 22 17 62
*Land: Neben Deutschland (D) und Österreich (A) wurden auch Vermögens- manager in Liechtenstein, Luxemburg, und der Schweiz untersucht, letztere schafften aber nicht den Sprung unter die Top 10. Quelle: Fuchsbriefe

Mit von der Partie waren erneut die Experten des renommierten Instituts für Qualitätssicherung und Prüfung von Finanzdienstleistungen  (IQF) aus Hannover und erstmals in dieser Konstellation die Frankfurter Ratingagentur für Vermögensverwalter Firstfive . Alle drei Unternehmen hatten sich im Sommer vergangenen Jahres zu einer "Private Banking Prüfinstanz" zusammengeschlossen. Ihr erklärtes Ziel: die ganzheitliche und professionelle Qualitätsmessung im Vermögensmanagement.

Die Bewertungsraster des Rankings

Vertrauensbasis, Beratungsgespräch, Anlagevorschlag

Das IQF bewertete insbesondere die vorgelegten Anlagevorschläge, die mit 40 Prozent in die Gesamtwertung eingingen. Weitere 40 Prozent veranschlagten die Experten von Fuchsbriefe und IQF für das Beratungsgespräch, 20 Prozent für die "Vertrauensbasis". Letztere Bewertungskategorie folgt vor allem der Einsicht, dass der Kunde der beratenden Bank tiefe Einblicke in seine Lebensverhältnisse geben muss, wenn sie gute Arbeit leisten soll. Umgekehrt gilt der Wunsch nach Transparenz und Offenheit natürlich genauso. Deshalb flossen darüber hinaus Aspekte wie Produktneutralität und Kosten, das Kunden-Berater-Verhältnis sowie die Solidität des Hauses in dieses Bewertungsraster mit ein.

"Ohne Performance ist alles nichts"

Geht es um den richtigen Vermögensberater, der sich in den Kunden hineindenkt, wirklich individuell berät und ein entsprechend zugeschnittenes Anlagekonzept entwirft, dann ist Performance sicherlich nicht alles. "Doch ohne Performance ist alles nichts", heißt es selbstverständlich in der Studie.

Was aber ist eine gute Wertentwicklung? Banken scheinen hier ihre eigenen und nur schwer vergleichbaren Messgrößen anzulegen - ein Fall für die unabhängigen Controller von "Firstfive". Die Frankfurter Experten verfügen nach eigenen Angaben über eine derzeit in Europa als einzigartig geltende Datenbank realer Depots von mehr als 70 namhaften Banken und Vermögensverwaltungen. Finanzmathematische Maßstäbe sollen den objektiven Leistungsvergleich ermöglichen. In Quartalsberichten zeigt "Firstfive" dann die Stärken und Schwächen des Portfoliomanagements bei Rendite, Risiko und Kosten auf.

Vermögensmanager 2005: Die Top Ten in Deutschland

Rang Institut Beratungs-gespräch Anlage-vorschlag Vertrauens-basis Ge-samt
Maximalpunktzahl 40 40 20 100
1 Berenberg Bank 33 28 18 80
2 Hauck Aufhäuser 33 23 15 71
3 Fürst Fugger Privatbank 34 20 16 70
4 M.M. Warburg 34 17 13 64
5 Nassauische Sparkasse (Naspa) 24 22 17 62
6 LGT Bank 29 15 18 62
7 UBS Wealth Management 30 16 12 59
8 ING BHF-Bank 24 19 14 57
9 Credit Suisse Deutschland 26 16 14 55
10 Bankhaus Bauer 26 14 14 54
Quelle: Fuchsbriefe

Da sich nicht alle getesteten Institute dieser ständigen und kostenpflichtigen Prüfung unterziehen, lief die Performancemessung als Sonderwertung. In dem außerhalb der Gesamtwertung laufenden Kombi-Ranking "Top Vermögensmanagement Plus" flossen die Ergebnisse der Performance-Analyse mit ein. Dieses Ranking findet sich ebenso als Tabelle in diesem Text wieder wie die Länder- und die Spezialwertungen.

Der steinige Weg zum Vermögensberater

Die Story - wie aus dem wahren Leben

Bei der Kontaktaufnahme und in den Beratungsgesprächen mimten die Tester einen unverheirateten Unternehmer, der zunächst 2,7 Millionen Euro und wenige Monate später dann noch einmal rund 1,4 Millionen Euro aus dem Verkauf einer seiner Firmen neu anlegen wolle - steuergünstig versteht sich. Er wolle möglichst lange von seinem Vermögen leben, scheue das Risiko und setze deshalb auf eine ausgewogene Rendite-Risiko-Konstellation. Seine Vorstellung: Trotz einer jährlichen Entnahme von 60.000 Euro solle das Vermögen in zehn Jahren zumindest nicht schrumpfen.

Welcher Berater tiefer in den Neukunden sich hineinzudenken bereit war, konnte nicht ganz unwichtige Details erfahren. Da sei zum Beispiel ein Kind von seiner "Ex", das versorgt werden müsse. An die Mutter wolle er mehr als den notwendigen Unterhalt nicht zahlen. Neue Partnerschaft, Ehe oder gar Familie? Vielleicht, keine konkrete Planung. Möglich sei alles, auch der Wegzug aus Deutschland. Deshalb interessierten ihn auch Anlagen im Ausland.

Die Tücken von Telefon und Internet

Um zu ihren Probanden überhaupt zu gelangen, hatten die Tester einige Hürden zu überwinden. Oftmals von der Telefonzentrale der Bank in die falsche Abteilung verbunden, sah diese sich "gewöhnlich nicht in der Lage oder willens, zu erkennen", dass es sich um einen Private-Banking-Kunden in der Leitung handelte.

Vermögensmanager 2005: Die Top Ten in Luxemburg, Österreich und der Schweiz

Rang Institut L* Beratungs-gespräch Anlage-vorschlag Vertrauens-basis Ge-samt
Maximalpunktzahl 40 40 20 100
1 Bank Gutmann A 38 28 11 77
2 RaiBa Kleinwalsertal A 33 26 16 75
3 Bank Vontobel A 39 24 11 74
4 Bankhaus Carl Spängler A 32 23 14 69
5 RaiBa Jungholz/Reutte A 30 17 16 63
6 RaiBa Lech/Arlberg A 27 18 15 61
7 Hauck Aufhäuser L 27 20 14 61
8 Pictet Cie CH 29 15 14 57
9 Schoellerbank A 31 13 12 56
10 Raiffeisen Vermögens- verwaltungsbank A 25 16 15 56
L* A = Österreich, CH = Schweiz, L = Luxemburg; Quelle: Fuchsbriefe

"Ähnlich unprofessionell" sei es mitunter beim Erstkontakt über das Internet zugegangen. Zwar ließen sich alle Institute schnell über das Internet finden. Doch die dann gezielte Suche nach der Vermögensverwaltung oder dem Private Banking des Instituts habe sehr schnell die Spreu vom Weizen getrennt. Genügten bei einigen Unternehmen wenige "Klicks", irrten die Tester bei anderen Anbietern mitunter nur über verschlungene Wege endlich zu einem Vermögensberater.

Kiloschwere Fracht für den Briefkasten

Interessant: Während einige Banken überhaupt nicht auf die E-Mail-Anfrage antworteten, hätten 25 Prozent der sich zurückmeldenden Institute den Inhalt der Anfrage ignoriert und stattdessen höflich um eine Postanschrift zum Versand von Informationsmaterial gebeten. Aus Sicht der Banken sei dies vielleicht verständlich, heißt es in der Studie. Die Tester hätten aber nicht um kiloschwere Fracht für ihren Briefkasten gebeten, sondern um eine kurze elektronische Antwort auf ihre Fragen. Erfreulich: Jene, die reagierten, antworteten auf die Anfrage in der Regel innerhalb von zwei Arbeitstagen - und zwar kurz und präzise. Die Einladung zu einem persönlichen Gespräch sei dann auch eine Selbstverständlichkeit gewesen.

Beratungsgespräch - mitunter "ärgerlich"

Das Beratungsgespräch - mitunter einfach "ärgerlich"

Empfangskultur ist nicht alles. Doch wenn der Berater seinen Kunden zu spät und dann womöglich an seiner schmierigen Tischplatte in einem offenen Büro empfängt, erweckt dies nicht gerade Vertrauen. Diese Faktoren bewerteten die Tester ebenso wie die fachliche Kompetenz des Beraters, sein Interesse an dem Kunden, seine Gesprächsführung und nicht zuletzt die Betreuung nach dem Gespräch.

Nach Ansicht der Tester, wirkten die zumeist jungen Berater (selten über 50 Jahre) oft unsicher "und beherrschten die Kunst der Gesprächsführung nur ansatzweise". Dazu gehöre allerdings auch ein gewisses Maß an Souveränität, das die meisten Banker offenbar vermissen ließen, heißt es. Die Banken behaupteten zwar immer wieder, sie würden den Berater auf den Kunden abstimmen. In der Praxis jedoch klafften Theorie und Praxis oft auseinander.

Vermögensmanager 2005: Top Ten (Spezialwertungen)

Rang Institut, bewertete Filiale L* Bestes Bera- tungsgespräch Bester An-lagevorschlag
Maximalpunktzahl 40
Bestes Beratungsgespräch
1 Bank Vontobel, München A 39
2 Bank Gutmann, Wien A 38
3 M.M. Warburg, Köln D 35
4 Fürst Fugger Privatbank, München D 34
5 Berenberg Bank, Düsseldorf D 33
6 Hauck Aufhäuser, München D 33
7 Delbrück Bethmann Maffei, Köln D 33
8 LGT Bank, Stuttgart D 33
9 RaiBa Kleinwalsertal, Riezlern A 33
10 M.M. Warburg, Hamburg D 33
Maximalpunktzahl 30
Bester Anlagevorschlag1
1 Credit Suisse, Berlin D 24
2 Berenberg Bank, Düsseldorf D 21
3 HSBC Trinkaus Burk., Düsseldorf D 20
4 Bank Gutmann, Wien A 19
5 M.M. Warburg, Köln D 19
6 Bankhaus Neelmeyer, Bremen D 19
7 Merck Finck, Hamburg D 18
8 RaiBa Kleinwalsertal, Riezlern A 18
L* = Land, A = Österreich, D = Deutschland, 1 = nur Anlagevorschlag (30 Punkte) ohne Evaluation (10 Punkte); Quelle: Fuchsbriefe

Die besonders krassen Fälle

In besonders krassen Fällen hatten die Berater nach Ansicht der Testkunden auch gar kein Interesse, sich mit ihrem Gegenüber zu unterhalten, oder sie waren schlichtweg überfordert. Diese Erfahrung machten die "Mystery Shopper" etwa in der Wiener und der Züricher Filiale einer deutschen Großbank. Das sei einfach "ärgerlich" urteilen sie. Und wenn man schon einen überforderten Anfänger auf den Kunden loslasse, sollte man ihm doch besser einen erfahrenen Kollegen zur Seite stellen.

Doch auch in einer deutschen Filiale der gleichen Bank sah es nicht viel besser aus: "Ein Trauerspiel, wie ein so großes renommiertes Haus potenzielle Kunden verschenkt. [...] Das Einmaleins der Kundenbetreuung beherrscht man jedenfalls nicht, zumindest nicht überall."

Anlagevorschlag - Torten und lose Blätter

Fachchinesisch hilft dem Kunden nicht

Defizite in der Kontaktaufnahme oder bei dem Beratungsgespräch könnte der Kunde einem Institut noch nachsehen. Spätestens beim Anlagevorschlag aber sollte es mit der Nachsichtigkeit vorbei sein. Gilt es doch, die Bedürfnisse und Ziele des Kunden, seine Risikoeinstellung und nicht zuletzt seine Lebenssituation in einen konkret nachvollziehbaren Vorschlag einzuarbeiten.

Hehre Ziele - doch manchen Beratern gelang es nicht einmal, fehlerfreie Dokumente abzuliefern. Oder den Testkunden fielen Loseblattsammlungen entgegen. Das Fazit der Studie fällt folglich bescheiden aus: "Das Gros der Vorschläge ist auf einem Niveau abgefasst, das vielleicht die Bankenaufsicht zufrieden stellt, aber nicht den Leser auf Augenhöhe erreicht."

Vermögensmanager 2005: Die Top Ten in Österreich

Rang Institut Beratungs-gespräch Anlage-vorschlag Vertrauens-basis Ge-samt
Maximalpunktzahl 40 40 20 100
1 Bank Gutmann 38 28 11 77
2 Raiba Kleinwalsertal 33 26 16 75
3 Bank Vontobel 39 24 11 74
4 Bankhaus Carl Spängler 32 23 14 69
5 Raiba in Jungholz/Reutte 30 17 16 63
6 Raiba Lech/Arlberg 27 18 15 61
7 Schoellerbank 31 13 12 56
8 Raiffeisen Vermögens- verwaltungsbank 25 16 15 56
9 Privat Bank der RLBÖ 26 13 12 51
10 Meinl Bank 30 18 0 49
Quelle: Fuchsbriefe

Jenseits fachchinesischer Eskapaden in einzelnen Vorschlägen, deren Auflösung im Zweifelsfall auch mit einem besseren Wirtschaftslexikon nicht gelingen sollte, werfen die Tester den Elaboraten der Vermögensmanager mitunter auch bewusste Effekthascherei vor: "Sicher sieht es eindrucksvoll aus, wenn mein Vermögen auf viele bunte Tortendiagrammstückchen verteilt wird - nur: wozu? In welchem Zusammenhang steht die bunte Torte mit meinem Ziel ...?".

Ohne Perspektive: Allein im "Hier und Jetzt"

Wie erwähnt hatte der Testkunde den Wunsch nach Liquidität formuliert, und dass sein Vermögen möglichst lange erhalten bleiben sollte. Doch lediglich die Anlagevorschläge weniger Tophäuser zeigten, dass der Kunde in zehn Jahren trotz der monatlichen Entnahme von 5000 Euro noch mindestens das aktuelle Kapital zur Verfügung haben würde. Sie bildeten dann auch die Entwicklung der nächsten fünf oder zehn Jahre im Detail ab. Die Mehrzahl der Empfehlungen hätte aber lediglich das "Hier und Jetzt" thematisiert - nicht einmal ein Blick auf die nächsten zwölf Monate sei dem Kunden gegönnt worden.

Interessenkonflikt: Der Berater als Verkäufer

Der aufgeklärte Testkunde hatte einen Teil seines Vermögens nach einer fundierten Analyse bereits in Investmentfonds gesteckt. Der Berater hätte sie also in die neue Strategie mit einbeziehen können. Stattdessen ignorierten viele Häuser die bereits bestehenden Anlageprodukte jedoch "völlig". Mitunter prallten Kundeninteresse und Geschäftspolitik auch hart aufeinander. So etwa, wenn einige Berater einzelne Investments des Kunden gar schlecht machten und ihm rieten, seinen Fonds in einen anderen der gleichen Anlageklasse zu tauschen.

Anlagevorschlag - Mehr Kreativität, bitte!

Die Falle im Fall

Sehr viele Häuser hatten der Studie zufolge bei ihrem Anlagevorschlag den Fokus auf das Wertpapiergeschäft beschränkt. Zu risikofreudige Anlagevorschläge seien indes die Ausnahme gewesen. Vielmehr hätten "etliche Häuser" die Aktienquote "unnötig auf ein Minimum reduziert", monieren die Experten der "Private Banking Prüfinstanz".

Vermögensmanager 2005: Die Top Ten in der Schweiz und Liechtenstein

Rang Institut L* Beratungs-gespräch Anlage-vorschlag Vertrauens-basis Ge-samt
Maximalpunktzahl 40 40 20 100
1 Pictet Cie CH 29 15 14 58
2 LGT Bank CH 22 15 18 55
3 UBS CH 24 14 9 47
4 ABN Amro CH 29 18 0 47
5 Commerzbank CH 26 9 10 45
6 M.M. Warburg CH 20 12 13 45
7 Bank Vontobel FL 27 7 11 45
8 Credit Suisse Private Banking (CSPB) CH 15 14 12 41
9 Centrum Bank FL 21 3 15 40
10 Julius Bär CH 22 6 10 38
L* = Land, CH = Schweiz, FL= Liechtenstein; Quelle: Fuchsbriefe

Damit tappten sie geradewegs in eine tückische Falle! Hatte der Kunde aufgrund des zurückliegenden Börsencrashs den Beratern doch ein risikoavers ausgestaltetes Depot mitgebracht. Mehr oder weniger ungeprüft hätten die Berater aus dem Ist-Zustand die aktuelle Risikoeinstellung des Kunden abgeleitet. "Wer hier nicht nachfragt, hat den Kunden nicht verstanden", kommentieren die Tester.

Mehr Kreativität, bitte!

Da die Welt der Anlageklassen mehr bietet als Aktien, Renten und Immobilien hätten die "Mystery Shopper" vermutet, dass der gewiefte Berater die gesamte Spielwiese der Investmentmöglichkeiten nutzen werde. Dieses breitere Verständnis legten jedoch nur die wenigsten Häuser an den Tag. Diese prüften dann zumindest inwiefern sich Auslandsimmobilien, Schiffsbeteiligungen, britische Versicherungen oder auch US-Lebensversicherungen in das Gesamtvermögen des Kunden integrieren lassen könnten.

Innovative Berater nutzten zur Beimischung ebenso Mezzanine-Kapital oder auch gebrauchte britische Policen, Letztere in einem Fall sogar noch ummantelt mit einer Lebensversicherung. Ein "Lebensversicherungsmantel" (zum Beispiel für ein Wertpapierdepot) hätte im Fall des Testkunden viel Sinn gemacht, so die Studie. Wer aber Steuerwirkungen wenig beachte und trotz des Wunsches einer Langfristplanung lediglich an das Heute denke, übersehe so einen wichtigen Baustein.

Fazit: Massenware statt Maßanzug

Steuern, welche Steuern?

Apropos Steuern: "Häufig" hätten die Anlagevorschläge diese Problematik nicht berücksichtigt. Gerade aber bei Rentendepots sei dieser Aspekt wichtig. Wenn mitunter bis zu 80 Prozent des Geldes in festverzinsliche Wertpapiere angelegt werden sollten, hätte dies zu einer erheblichen Steuerbelastung des Kunden geführt. Von den monatlichen 5000 Euro Entnahmen hätte er diese Belastung jedenfalls nicht erwirtschaften können. Nach Ansicht der Experten der "Private Banking Prüfinstanz" hätten in diesen Anlagevorschlägen die Steuern extra erwirtschaftet werden und zu einer veränderten Anlagestrategie führen müssen.

Fazit: Massenware statt Maßanzug

Angesichts der zahlreichen Einzelkritikpunkte kann das ernüchternde Gesamtfazit nicht überraschen. Abgesehen von wenigen Spitzeninstituten hätten die Experten der "Private Banking Prüfinstanz" nicht die Qualität des Vorjahres feststellen können. Der erwähnte Fokus auf die Zweigstellen hätte das Gesamtergebnis sicherlich gedrückt, wie die Studie einräumt. Für den Kunden, der die "Markenqualität" eines Institutes aber an jedem Ort erleben wolle, sei dies nicht akzeptabel.

Unter dem Strich sei es nur wenigen Häusern gelungen, den (gemimten) Kunden in seiner ganzen Vielfalt anzunehmen und entsprechende Lösungen zu entwickeln. "Zu oft" hätte er sich aus Sicht der Tester fragen müssen, ob der Anlagevorschlag überhaupt für ihn gemacht sei. Eine vielfach hübsch aufbereitete Liste von Wertpapieren reiche nicht aus und bleibe ein Massenprodukt, das die Bezeichnung "Wealth Management" nicht verdiene.

"Die meisten Häuser betreiben Etikettenschwindel"

"Gemessen an diesem Anspruch betreiben die meisten Häuser Etikettenschwindel. Sie versprechen maßgeschneiderte Anlage und liefern schlecht sitzende Massenware", kritisiert die Studie in scharfem Ton. Oder die Institute lieferten eine gut sitzende "Kombination", die aber an den Wünschen des Kunden vorbei zielte.

Offenbar ist es in Deutschland also gar nicht so einfach, einen wirklich maßgeschneiderten Vermögensanzug zu bekommen. Der Zeitaufwand dafür sei den meisten Häusern jedenfalls zu teuer, urteilen die Experten der "Private Banking Prüfinstanz".

Wer es besser macht

Die Ausnahmestellung der Berenberg Bank

Dass es dennoch besser geht, habe der Studie zufolge unter anderem der erneute Testsieger Berenberg Bank unter Beweis gestellt. Dabei sei es der erst im Jahr 2003 gegründeten und diesmal aufgesuchten Düsseldorfer Filiale der Hamburger Bank gelungen, "Stil, Philosophie und Beratungskultur in kürzester Zeit eins zu eins zu implementieren", heißt es in der Einzelwertung, die die Studie indes zu jedem getesteten Institut mitliefert.

Wer bei Berenberg anklopfe, erfahre individuelle Behandlung und keine Massenabfertigung. "Freundlich und verbindlich" sei der Erstkontakt am Telefon gewesen. "Unverzüglich und individuell" habe man auf die gesonderte Internetanfrage geantwortet.

Mit Worten wie "ansprechend", "umfassend", "durchdacht" beschreiben die Tester die Beratungsleistung und den Anlagevorschlag der Bank. Als "bestechend" empfinden sie dabei den Umgang mit Anlagerisiken, als "übersichtlich und fair" die Preisgestaltung mit Blick auf die Kosten der Vermögensverwaltung.

Dass der Gesamtsieger im Vermögensmanagertest auch Spitzenleistungen bei der gesonderten Depot-Performance-Analyse durch die Agentur "Firstfive" erbracht hat, unterstreiche letztlich die Ausnahmestellung der Hamburger Bank im deutschsprachigen Vermögensmanagement und mache sie eindeutig zu einer "Benchmark".

Hohe Beratungskultur aus Österreich

Die Plätze zwei, drei und vier hinter der Berenberg Bank belegten in der Gesamtwertung auch zur Überraschung der Tester gleich drei österreichische Institute: die Bank Gutmann (Wien), die Raiffeisenbank Kleinwalsertal Private Banking und die Bank Vontobel Österreich (Niederlassung München).

Jenseits herausragender einzelner Leistungen, die sich in der Studie nachlesen lassen, sei allen Instituten gemeinsam, dass sie eine hohe Beratungskultur pflegen und entwickeln. Zugleich profitieren sie von Standortvorteilen wie dem Bankgeheimnis, das in Österreich Verfassungsrang genießt und nur in seltenen Fällen die Kreditinstitute von der Schweigepflicht entbindet. Sozusagen als "Asset" in dem immer schärfer werdenden Wettstreit um den vermögenden Kunden können sie darüber hinaus steuerlich interessante Stiftungslösungen vor allem für den deutschen Anleger ausspielen.

Das Kombi-Ranking - die "Königsklasse"

Das Kombi-Ranking - die "Königsklasse"

Würden sich alle Banken der neutralen aber kostenpflichtigen Performance-Analyse durch die Agentur "Firstfive" stellen, wäre das "Top Vermögensmanagement Plus" die eigentliche "Königsklasse" der Vermögensmanager im deutschsprachigen Raum, heißt es in der Studie. Doch auch in dieser kombinierten Wertung, in der die Performance-Leistung über ein Jahr mit einbezogen wurde, zeigen der Testsieger Berenberg Bank sowie die österreichischen Institute ihre herausragende Stellung.

Vermögensmanagement Plus: Das Kombi-Ranking

Rang Institut L* Beratungs-gespräch Anlage-vorschlag Vertrauens-basis Perfor-mance (First-five) Ge-samt
Maximalpunktzahl 34 34 17 15 100
1 Berenberg Bank D 28 24 15 11 79
2 RaiBa Kleinwalsertal A 28 22 13 10 73
3 Bank Gutmann A 32 24 9 3 68
4 RaiBa Lech/Arlberg A 23 15 13 12 63
5 Nassauische Sparkasse (Naspa) D 21 18 14 8 61
6 Raiffeisen Vermögens- verwaltungsbank A 21 13 13 12 59
7 Credit Suisse Deutschland D 22 13 12 10 57
8 ING BHF-Bank D 20 16 12 7 56
9 LGT Bank D 25 13 15 3 55
10 Dresdner Bank D 16 10 12 4 53
11 Hamburger Sparkasse D 7 6 14 9 51
12 Bremer Landesbank D 23 4 12 11 50
13 Erste Bank A 16 8 17 5 46
14 Commerzbank D 20 4 12 9 45
15 Merck Finck Co D 21 14 2 8 44
16 Delbrück Bethm. Maffei D 23 14 4 3 44
17 HVB Group D 17 12 2 7 39
18 Deutsche Bank D 16 6 2 12 36
L* = Land, A = Österreich, D = Deutschland; Quelle: Fuchsbriefe

Auffällig: Die Deutsche Bank, die in der "klassischen" Wertung nach Ansicht der Tester floppte, konnte sich angesichts eines hervorragenden Ergebnisses bei der Performance-Analyse in dieser kombinierten Wertung immerhin unter die ersten 20 schieben.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.