Rentenbesteuerung Das Ende der Heimlichkeiten

Manchem Rentner steht womöglich bald Ärger mit dem Finanzamt ins Haus. Mit der Einführung der nachgelagerten Rentenbesteuerung bekommt der Fiskus detaillierte Einsicht in die privaten Einkünfte. Für Ruheständler, die dem Fiskus bislang Einkünfte verschwiegen haben, wird es eng. Letzter Ausweg: Die Steueramnestie.

Berlin - Rentner, die Nebeneinkünfte wie Betriebsrenten, Mieten, Zinsen oder Privatrenten beziehen, aber beim Fiskus bewusst oder unwissentlich nicht angegeben haben, könnten bald Probleme bekommen. Ihnen drohen Nachzahlungen und Strafverfahren. Bis Ende März bietet die Steueramnestie vielen Betroffenen noch die Chance, reinen Tisch zu machen.

Bis zu 400.000 Rentner könnten die Nachforderungen des Fiskus treffen, schätzt Dieter Ondraczek, Vorsitzender der deutschen Steuergewerkschaft. Andere Experten gehen von deutlich mehr Ruheständlern aus, die wegen ihrer hohen Gesamteinkünfte schon früher hätten Steuern zahlen müssen, aber keine Steuererklärung abgaben. "Die Mehrzahl der Rentner muss aber nicht in Sorge sein", betont Stephanie Zipp, Rentenexpertin von "Finanztest". Wer maximal 1575 Euro (Ehepaare: 3150) Rente im Monat beziehe, bleibe auch weiterhin steuerfrei.

"Die Problematik kann immer dann auftauchen, wenn neben der gesetzlichen Rente noch andere Einkünfte wie Firmenpensionen oder Mieten da sind", so Ondraczek. Betroffen seien vor allem besser verdienende Rentner und "Grenzfälle, die nicht wussten, dass sie früher schon steuerbelastet waren", erläutert Norman Peters vom Deutschen Steuerberaterverband (DStV).

Unwissen schützt vor Strafe nicht

Doch auch unwissentlich verschwiegene Einkünfte schützen nicht vor einem Steuerstrafverfahren. "Über den Rentnern schwebt ein Damoklesschwert. Das Kontrollnetz wird enger", warnt die Steuerexpertin Margret Schencking.

Bisher fielen Ungereimtheiten oder gezielte Mogeleien nicht weiter auf. Denn Renten und Nebeneinkünfte wurden nicht zentral erfasst. Das ist seit diesem Jahr anders. Rentenkassen, Versorgungswerke und auch private Versicherer müssen ihre Überweisungen an Ruheständler ab sofort jährlich melden. Die Daten werden elektronisch an die Rechenzentren der Bundesländer geschickt, und anschließend nach Vorauswahl weiter an die Finanzämter.

Dadurch stehen vor allem all jene Rentner unter besonderer Beobachtung, die in den Vorjahren keine Steuererklärung einreichten, es jetzt aber durch das neue Alterseinkünftegesetz tun müssen. "Da wird Nachbohren manchmal nicht zu vermeiden sein", erwartet DStV-Sprecher Peters. Der Fiskus kann die Einnahmen der Vorjahre unter die Lupe nehmen, und zwar bis zu zehn Jahre rückwirkend. Allein ab diesem Jahr werden etwa 2,2 Millionen Rentnerhaushalte erstmals neu steuerpflichtig sein. Insgesamt müssten 3,3 Millionen Ruheständler eine Steuerlast tragen, berichtet Peters.

Kontrollnetz wird immer enger

Kontrollnetz wird immer enger

Zudem müssen Banken neuerdings Jahresbescheinigungen über Kapitaleinkünfte und Wertpapiergeschäfte ausstellen, erstmals für 2004. Ab April können die Finanzämter die Stammdaten privater Konten im Inland abfragen.

Selbst Schwarzgeldkonten und andere Einnahmequellen im Ausland werden transparenter. Denn ab Mitte 2005 greift die EU-Zinsrichtlinie. Damit werden die Kapitaleinkünfte Deutscher Staatsbürger in den meisten Ländern der Europäischen Union (EU) an den heimischen Fiskus gemeldet. All das macht auch die Einkünfte von Rentnern auf einen Schlag so transparent wie nie zuvor.

"Das Kontrollsystem greift erst so richtig ab 2007, aber dafür rückwirkend ab 2005", gibt Anwältin Schencking zu bedenken. Auch DStV-Sprecher Peters rät: Rentner, die Probleme mit dem Fiskus befürchten, sollten ihre steuerliche Situation rechtzeitig mit einem Steuerberater besprechen. In "einfacheren" Fällen könne auch der Lohnsteuerhilfeverein helfen, empfiehlt Verbraucherschützerin Zipp.

Ab April bleibt nur noch die Selbstanzeige

Bis zum 31. März können Betroffene noch Steueramnestie des Staats nutzen. Wer Tricksereien zwischen 1993 und 2002 dem Finanzamt beichtet und eine pauschale Steuer von 35 Prozent nachzahlt, kann straffrei ausgehen.

Ab April ist es mit der Steueramnestie jedoch endgültig vorbei. "Dann gibt es noch das Mittel der Selbstanzeige", erläutert Ondraczek. Zeige sich ein Rentner selbst an, müsse er die hinterzogenen Steuern samt Zinsen nachzahlen, bleibe aber immerhin von einem Strafverfahren verschont.