Lufthansa Schicksalsjahr für die "Sky Chefs"

Wegen der weltweit steigenden Flugpassagierzahlen steht der Lufthansa 2005 ein ruhiges Jahr bevor, in dem sie die Sanierung ihrer Verpflegungstochter Sky Chefs voranbringen muss. Am Ende könnte deren Verkauf stehen, allerdings nicht vor 2006.

Frankfurt - Nachdem sich die Luftfahrtindustrie nach jahrelanger Krise in diesem Jahr deutlich erholt hat, gehen Branchenkenner für 2005 von einer Fortsetzung dieses Trends aus. Davon dürfte die Lufthansa  mit ihrer breiten Aufstellung und ihrer relativ geringen Abhängigkeit von den Treibstoffpreisen profitieren. Allerdings muss die Fluglinie im kommenden Jahr noch einige Baustellen in Ordnung bringen. Ganz oben auf der Aufräumliste steht die Sanierung der Catering-Sparte.

Laut Mario Kristl, Analyst bei HelabaTrust, wird der Kerosinpreis der größte Belastungsfaktor für den Gewinn 2005 sein, auch wenn die Lufthansa ihre Sicherung gegen Preisschwankungen mehr als alle anderen großen Airlines im Griff habe. Bislang rechnet das Unternehmen für 2005 mit um 20 Prozent oder etwa 400 Millionen Euro höheren Treibstoffkosten.

Kristl sieht eine ölpreisbedingte Ergebnisbelastung von nur 200 Millionen Euro. Gründe für eine geringer als erwartete Belastung sieht HypoVereinsbank-Analyst Uwe Weinreich darin, dass 40 Prozent der Mehrkosten durch den erhobenen Treibstoffaufschlag abgefedert seien und der Ölpreis zuletzt deutlich gesunken sei.

Catering-Sparte leidet unter sinkendem Marktvolumen

Weinrich rechnet für 2005 außerdem mit einem um 245 Millionen Euro sinkenden Personalaufwand nach dem Abschluss der wichtigen und seit über einem Jahr andauernden Tarifverhandlungen. Damit sollte das avisierte Sparziel im Personalbereich von 300 Millionen Euro bis 2006 zu schaffen sein. Laut Aktionsplan will Mayrhuber bis 2006 einen zusätzlichen Ergebnisbeitrag von 1,2 Milliarden Euro generieren.

Dass der vor Jahresfrist angekündigte Umbau der Verpflegungstochter LSG Sky Chefs langsamer als geplant vorankommt, resultiert Kristl zufolge aus dem schrumpfenden Markt. Die Sparte leidet unter dem aus den USA kommenden Trend, auf Kurz- und Mittelstrecken kein Essen mehr anzubieten. Zwar wurde der Verlust in den ersten neun Monaten 2004 um 55 Prozent verringert, liegt aber immer noch bei rund 130 Millionen Euro. Die Sanierung des größten Sorgenkinds im Konzern könnte Branchenkennern zufolge dem Ziel dienen, es zu verkaufen, nachdem Mayrhuber angedeutet habe, dass die LSG nicht mehr zum Kerngeschäft gehöre.

Chancen für Einstieg bei Swiss

Weinreich hält einen Verkauf bis zum Ende der Restrukturierung 2006 für ausgeschlossen, kann sich aber Abgaben von Teilbereichen vorstellen. Auch für Kristl ist ein Verkauf des Caterers im kommenden Jahr keine realistische Option. Dann wäre das Konzept des integrierten Luftfahrtkonzerns in Frage gestellt, und das Unternehmen müsste sich konsequenterweise auch von seinem Thomas-Cook-Anteil trennen, sagte er. Eher sei vorstellbar, dass die Lufthansa mit KarstadtQuelle  über einen Erwerb von deren - derzeit verpfändeten - 50-Prozent-Anteil an Thomas Cook spricht. Eine Übernahme wäre mit einem derzeitigen Kassenbestand von 4,4 Milliarden Euro problemlos möglich.

Auf der Agenda im kommenden Jahr könnte auch eine Wiederannäherung an die schweizerische Fluglinie Swiss stehen, nachdem eine erste Gesprächsrunde 2003 gescheitert war. Zumindest wäre die Lufthansa erster Ansprechpartner, wenn sich die Politik in der Schweiz klar dazu äußern würde, dass sie die Swiss um jeden Preis retten wolle, glaubt Kristl. Ein Kauf wäre für die Lufthansa sinnvoll, da die Swiss einen höheren Anteil an Geschäftsreisenden habe und sich beide im Langstreckenbereich relativ gut ergänzen würden. Zudem würde damit der Flughafen München, den die Lufthansa als zweites Drehkreuz positioniert habe, zu Lasten des Züricher Flughafens gestärkt.

Von Eduard Holetic, Dow Jones Newswires

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