Deutsche Telekom Zum Zehnjährigen in Feierlaune

"Die Deutsche Telekom ist zurück", sagt Kai-Uwe Ricke selbstbewusst, und die jüngsten Geschäftszahlen geben dem Vorstandschef Recht. Auch Analysten sehen den Konzern vor allem aufgrund seiner starken Position im Mobilfunkmarkt weiter auf Wachstumskurs. Probleme könnte die Reintegration der Internettochter T-Online bereiten.

Düsseldorf - Für eine Zehnjährige ist sie nicht ohne - umschwärmt, gehasst, Klassenerste, Hang zu teurem Shopping, dauernd Knatsch mit den Spielkameraden. Nächstes Jahr feiert die Deutsche Telekom  runden Geburtstag, und sie stellt ihn unter das Motto "Eine neue Zeit".

Das suggeriert Aufbruchstimmung nach den vielen Querelen der Vergangenheit. Und in der Tat dürfte 2005 ein erfreuliches Jubiläumsjahr werden mit weiteren Gewinn- und Dividendensteigerungen. Doch wie es sich für diese Altersstufe gehört, muss die Telekom in Gestalt einer Neustrukturierung gleichzeitig große innerliche Veränderungen meistern.

Konnte sie sich in der ersten Lebenshälfte im Kreise begeisterter Aktionärs-Freunde sonnen, so bekam die Telekom anschließend um so heftiger Blessuren ab, stürzte in die Verlustzone, ächzte unter der Schuldenlast. Doch seit zwei Jahren geht es wieder aufwärts.

"Die Deutsche Telekom ist zurück", resümierte der Vorstandsvorsitzende Kai-Uwe Ricke kürzlich und trug damit der Tatsache Rechnung, dass 2004 einen Reingewinn von mehr als drei Milliarden Euro und nach drei Diät-Jahren wieder eine Dividende bringen soll, die mit bestenfalls 0,62 Euro überraschend an das alte Niveau anknüpft. So steht der Aussöhnung mit den Anlegern nun offenbar nichts mehr im Wege.

Lob von Analysten

Zumindest von Analystenseite kommen zu einem großen Teil wohlwollende Kommentare. So hebt Chris Wood von JP Morgan hervor, dass die Telekom im Durchschnitt weit stärker wachsen dürfte als die Branche. Der Experte erwartet zwischen 2004 und 2007 beim Umsatz ein Plus von 4,1 Prozent gegenüber 2,2 Prozent im Sektor. Das operative Ergebnis werde im Durchschnitt um 5,5 Prozent zulegen, während die Branche nur auf 2,5 Prozent komme. Für 2005 bedeutet das konkret, dass der Umsatz die Schwelle von 60 Milliarden Euro überschreiten dürfte. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen hat die Telekom bereits selbst eine weitere Zunahme um bis zu 1,5 Milliarden und damit auf über 20 Milliarden Euro angekündigt.

Den Analysten gefällt außerdem, dass viel Bares in der Kasse liegen bleiben dürfte - Wood sieht den freien Cashflow im Betrachtungszeitraum bei 7,5 Milliarden Euro als jährliches Mittel. 2005 könnten zwar große Investitionen dafür sorgen, dass alles in allem die Einnahmen nicht ausreichen und vorübergehend wieder Schulden gemacht werden müssen. Doch will die Telekom das Geld in ihr Hauptwachstumsfeld stecken, den Mobilfunk. In den USA geht es um die Stärkung der Netze, in Osteuropa als dem anderen großen Expansionsfeld um die Mehrheit an der polnischen Gesellschaft PTC.

Hoffnungen ruhen auf T-Mobile

Hoffnungen ruhen auf T-Mobile

Beide Vorhaben findet Robert Gallecker von der Bayerischen Landesbank sinnvoll. Vor allem T-Mobile USA macht dem Analysten wie vielen seiner Kollegen Freude. Seinerzeit als überteuerte Akquisition kritisiert, ist die vormalige VoiceStream in diesem Jahr bislang bei der Gewinnung neuer Kunden stets die Nummer Zwei gewesen - und hat dabei nicht an Profitabilität eingebüßt.

"Ich bin froh, dass die Telekom diese Gesellschaft hat", sagt Gallecker. Doch das rasante Wachstum ist endlich, denn die Konkurrenz schläft nicht. "T-Mobile muss in den USA möglichst schnell den dritten Platz erobern", betont Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim mit Blick auf den Marktanteil. Hier liegt die Telekom-Tochter auf Platz vier.

Das nächste Jahr muss es nach Ansicht des Analysten bringen: "Die Telekom hat nur noch zwei bis drei Quartale Zeit." Auf jeden Fall tue der Bonner Konzern gut daran, parallel seine starke Position im Breitbandmarkt auszubauen.

Ärger mit T-Online-Aktionären vorprogrammiert

Intern geht es 2005 nach Rothauges Ansicht darum, die Börsen-Rücknahme und Integration von T-Online zu stemmen. Da ist Ärger mit Aktionären programmiert. Im klassischen Festnetz erwartet der Analyst eine Abschwächung des Rückgangs bei den Gesprächserlösen, dafür aber erste Schwächeanzeichen bei den Anschlussumsätzen, da die Wettbewerber in diesem Bereich wieder stärker investieren könnten.

Insgesamt ist Rothauge zuversichtlich: "Wir glauben, dass 2005 noch einmal ein gutes Jahr für die Deutsche Telekom wird." Der Kurs der T-Aktie dürfte zwar nach den Berechnungen der Analysten keine riesigen Sprünge machen. Ein paar Euro sollten aber schon drin sein, und entsprechend wird das Papier von diversen Experten zum Kauf empfohlen.

Von Stefan Paul Mechnig, Dow Jones Newswires

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