Das ändert sich 2005 Rechte Tasche, linke Tasche

Angestellte und Unternehmer können sich über bedeutende Steuerleichterungen im kommenden Jahr freuen. An anderer Stelle müssen die Bürger jedoch tiefer in die Tasche greifen. Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen.

Hamburg - Vor allem die am 1. Januar 2005 einsetzende dritte und letzte Stufe der Steuerreform bringt weit reichende Änderungen mit sich. Steuerzahler können sich zwar auf geringere Zahlungen an das Finanzamt einstellen. Andererseits schuf der Gesetzgeber aber auch zahlreiche neue Steuer- und Abgabepflichten, schreibt die Postbank  in einer Studie über die wichtigsten Neuregelungen.

So bringt die Steuerreform Entlastungen für alle Einkommensgruppen, besonders die gut Verdienenden werden jedoch besonders profitieren. Der Eingangssteuersatz, der bei einem Grundfreibetrag von 7664 Euro beginnt, liegt ab 2005 bei 15 Prozent, derzeit werden noch 16 Prozent fällig. Der Spitzensteuersatz fällt etwas stärker, nämlich von 45 auf 42 Prozent. Er ist fällig ab einem Einkommen von 52.152 Euro. Bei Ehepaaren gilt jeweils der doppelte Betrag.

Kinderlose werden künftig stärker entlastet als Familien. Das Bundesfinanzministerium rechnet vor, dass allein stehende Steuerzahler ohne Kinder (Steuerklasse 1) mit einem Jahreseinkommen von 20.000 Euro ab 1. Januar 2005 2176 Euro ans Finanzamt überweisen müssen - eine Ersparnis von 40 Euro gegenüber 2004. Wer 40.000 Euro verdient, zahlt 8512 Euro Einkommensteuer - Entlastung: 383 Euro. Bei 60.000 Euro Jahresbrutto beträgt die Steuerentlastung bereits 1119 Euro, die Steuerschuld liegt bei 16.630 Euro.

Verheiratete Alleinverdiener mit zwei Kindern (Steuerklasse III/2) und einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 40.000 Euro überweisen künftig 4364 Euro ans Finanzamt - 80 Euro weniger als 2004. Beträgt das Einkommen 50.000 Euro, steigt die Entlastung auf 144 Euro, die Steuerschuld beträgt 7311 Euro. Verdient der Beschäftige 60.000 Euro, fordert das Finanzamt 10.362 Euro - 302 Euro weniger als 2004.

Arbeitszimmer nur noch eingeschränkt absetzbar

Veränderungen gibt es auch beim häuslichen Arbeitszimmer. Wird dieses gemeinsam mit dem berufstätigen Ehepartner genutzt, dürfen die Kosten künftig nicht mehr doppelt angesetzt werden.

Bisher konnte jeder einen Kostenanteil entweder bis zu 1250 Euro oder - bei Nachweis - in unbegrenzter Höhe steuerlich geltend machen, schreibt die Postbank. Das soll ab 2005 nicht mehr möglich sein. Ab Januar sind die Arbeitszimmerkosten unabhängig von der Anzahl der Personen nur noch einmal bis zur Höhe von 1250 Euro absetzbar. Mehrere Personen müssen sich künftig in diesen Höchstbetrag hineinteilen.

Geländewagenfahren wird teurer

Kostspielige Schluckspechte

Auch Geländewagen-Fahrer müssen künftig mit höheren Kosten rechnen. Bislang können Autos mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 2,8 Tonnen als Nutzfahrzeuge angemeldet werden.

Das Steuerprivileg brachte den Besitzern von Autos wie VW Touareg, BMW X5 oder Mercedes G-Klasse eine Steuerersparnis von teilweise bis zu 1000 Euro im Jahr. Das Steuerschlupfloch wurde jedoch versperrt.

Kommendes Jahr werden Geländewagen wie andere Autos auch besteuert, das heißt die Höhe der Steuerlast berechnet sich aus Hubraum und Emission. Darüber freuen sich vor allem die Bundesländer, denen die Steuer zufließt. Insgesamt wird mit Mehreinnahmen in Höhe von 37 Millionen Euro gerechnet.

Pflegeversicherung wird teurer

Zum 1. Januar 2005 wird auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Besserstellung von Familien in der Pflegeversicherung umgesetzt. Kinderlose Mitglieder der sozialen Pflegeversicherung müssen dann einen um 0,25 Prozentpunkte höheren Beitragssatz zahlen als bisher. Damit steigt der selbst zu tragende Beitragsanteil von 0,85 auf 1,1 Prozent des Bruttoeinkommens. Der Arbeitgeberanteil in Höhe von 0,85 Prozent bleibt unverändert. Ausgenommen von dieser Regelung sind: Versicherte unter 23 Jahren, Rentner ab 65 Jahre, Eltern mit Kindern und Empfänger von Arbeitslosengeld II.

Erst ab Mitte des kommenden Jahres treten die Änderungen zum Zahnersatz in Kraft: Ab dem 1. Juli wird der Beitragssatz für Zahnersatz in Höhe von 0,4 Beitragssatzpunkten nicht mehr zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen, sondern von den gesetzlich Krankenversicherten allein. Außerdem fordert der Gesetzgeber von allen Versicherten einen Sonderbeitrag. Dieser beträgt 0,5 Beitragssatzpunkte und wird zusammen mit dem Beitrag für Zahnersatz von 0,4 Prozentpunkten erhoben. Damit verteuert sich die gesetzliche Krankenkasse für Mitglieder um durchschnittlich 0,9 Prozentpunkte - vorausgesetzt die Kasse senkt nicht wie vom Gesetzgeber gewünscht den Versichertenbeitrag. Im Gegenzug verbleibt der Zahnersatz im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkasse und der allein zu tragende Beitragsanteil bleibt einkommensabhängig.

Bei der Rente hält der Staat künftig die Hand auf

Bei der Rente hält der Staat künftig die Hand auf

Ab 2005 greifen zahlreiche neue Regelungen zur Altersvorsorge. Die Zielrichtung ist nach Meinung der Postbank klar: Der Fiskus fordert künftig von allen Renten und anderen Vorsorgeformen seinen Anteil.

Die wesentlichste Änderung des neuen Alterseinkünftegesetzes ist der schrittweise Übergang zur vollen Besteuerung der gesetzlichen Altersrente. Als Folge werden staatliche Rentenleistungen ab kommendem Jahr zunächst zu 50 Prozent besteuert. Das gilt sowohl für bereits laufende Rentenzahlungen als auch für jene, die ab 2005 erstmals fällig werden. Dieser Satz steigt für Neurentner ab dem Jahr 2006 um jährlich zwei Prozentpunkte, so dass bei dem Rentnerjahrgang des Jahres 2020 bereits 80 Prozent der Alterseinkünfte der Besteuerung unterliegen. Von 2020 bis 2040 steigt der Besteuerungsanteil langsamer - jährlich um einen Prozentpunkt. Ab 2040 sind dann alle gesetzlichen Renten und Pensionen sowie vergleichbare Rentenzahlungen zu 100 Prozent der Einkommensteuer unterworfen.

Ein Teil bleibt abgabenfrei

Das heißt aber nicht, dass Neurentner ab dem Jahr 2040 ihre Altersbezüge komplett mit dem Fiskus teilen müssen. Zunächst greifen diverse steuerliche Freibeträge und abziehbare Pauschalen, so dass ein Gutteil des Ruhegeldes abgabenfrei bleibt. Nach derzeitiger Gesetzeslage bleiben Rentenzahlungen im Jahr 2005 bis zu einer Höhe von knapp 18.900 Euro im Jahr für Alleinstehende steuerfrei. Das bedeutet, ein Single-Rentner kann künftig etwa 1575 Euro Monatsrente steuerfrei einstreichen. Bei Verheirateten verdoppeln sich diese Beträge. Unterm Strich werden viele Rentner auch weiterhin keine Abgaben an den Fiskus leisten müssen, denn die Durchschnittsrente betrug 2002 in Westdeutschland gerade mal 750 Euro monatlich, in Ostdeutschland 870 Euro.

Selbst Rentner, die über hohe Alterseinkünfte verfügen, werden steuerlich nur moderat belastet, rechnet die Postbank in ihrer Studie vor: So braucht nach Auskunft des Bundesfinanzministeriums ein Alleinstehender mit 1300 Euro gesetzlicher Rente und 400 Euro Betriebsrente im Jahr 2005 auch weiterhin nichts mit dem Fiskus zu teilen. Bezieht der Senior 1600 Euro gesetzliche Rente plus 400 Euro Betriebsrente, sind gerade mal 16,75 Euro an Steuern fällig. Ein ähnliches Bild bei Verheirateten: Bei insgesamt 2000 Euro staatlicher Rente und 800 Euro Betriebsrente lassen Ehepaare den Fiskus im Jahr 2005 noch immer leer ausgehen. Bezieht das Paar 2600 Euro gesetzliche Rente plus 800 Euro Betriebsrente muss es lediglich 19,17 Euro an den Fiskus abführen.

Entlastung bei der Altersvorsorge

Entlastung bei der Altersvorsorge

Im neuen Alterseinkünftegesetz sieht die Postbank eine wesentliche Verbesserung für Arbeitnehmer: Vom Jahr 2005 an werden nämlich die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung schrittweise steuerfrei gestellt. Ab Januar können Arbeitnehmer zunächst 60 Prozent ihrer Beiträge (inklusive Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Rentenversicherung) als Sonderausgabe vom Einkommen abziehen. Die Höchstgrenze liegt zunächst bei 12.000 Euro. Der steuerfreie Anteil steigt jährlich um zwei Prozentpunkte, bis er 2025 schließlich 100 Prozent erreicht. Der maximale Entlastungsbetrag liegt dann bei 20.000 Euro pro Jahr.

Das bedeutet, dass Altersvorsorgeaufwendungen im Rahmen der Höchstgrenze bereits im Jahr 2025 zu 100 Prozent steuerfrei sein werden, die volle Rentenbesteuerung jedoch erst 15 Jahre später wirksam wird. Unterm Strich bringt die nachgelagerte Besteuerung somit eine Entlastung für die Bürger.

Wie groß die Entlastung ausfällt, zeigen Berechnungen des Bundesfinanzministeriums: Ein Single, der im Jahr 2005 30.000 Euro brutto verdient, hat bei 60 Prozent Sonderausgabenabzug einen Steuervorteil von 27 Euro. Verdient er 50.000 Euro brutto, fällt die Entlastung mit 199 Euro schon deutlicher aus. Zehn Jahre später, wenn beide Arbeitnehmer 80 Prozent ihrer Vorsorgeaufwendungen als Sonderausgabe absetzen dürfen, fällt die steuerliche Entlastung mit 400 Euro (30.000 Euro Bruttolohn) beziehungsweise 1000 Euro (50.000 Euro Bruttolohn) wesentlich größer aus. Sind ab dem Jahr 2025 100 Prozent der Beitragszahlungen absetzbar, erreicht die Steuerentlastung mit 766 beziehungsweise 1784 Euro dann das Maximum (gerechnet nach dem Einkommensteuersätzen des Jahres 2005).

Strenge Auflagen

Der Gesetzgeber fördert allerdings nur Beiträge an gesetzliche Rentenversicherungen sowie berufsständische Versorgungswerke. Außerdem sind kapitalgedeckte private Leibrentenversicherungen steuerbegünstigt. Solche so genannten Rürup-Renten sind jedoch an strenge Bedingungen geknüpft: So muss die angesparte Summe später als monatliche Leibrente ausgezahlt werden, Kapitalabfindungen sind nicht erlaubt. Zudem darf der Versicherte die Police weder vererben noch beleihen und auch nicht auf Dritte übertragen. Einzig Ergänzungen wie Berufsunfähigkeits- oder Hinterbliebenenschutz sind gestattet.

Sonstige Vorsorgeaufwendungen wie Arbeitlosen-, Kranken- oder Berufsunfähigkeitsversicherung sind ab 2005 nur noch bis zu 1500 Euro je Arbeitnehmer abziehbar. Selbstständige dürfen bis zu 2400 Euro absetzen. Diese Regelung wird insbesondere für Selbstständige Nachteile bringen. Als Ausgleich wenden die Finanzbehörden bis 2019 automatisch die so genannte Günstigerprüfung an, das heißt, ist die alte Regelung vorteilhafter, kommt diese zum Zug und umgekehrt.

Neues bei der Lebens- und Rentenversicherung

Neuerungen bei Lebens- und Rentenversicherungen

Den zweiten gravierenden Einschnitt beim Alterseinkünftegesetz sieht die Postbank bei der Besteuerung von Kapital-Lebensversicherungen. Von Januar 2005 an müssen Lebensversicherungskunden bei Neupolicen ihre Kapitalerträge stets mit dem Fiskus teilen, wenn sie sich ihr angespartes Vermögen bei Rentenbeginn auf einen Schlag auszahlen lassen wollen.

Die Höhe der Steuerbelastung richtet sich nach der Laufzeit der Police sowie dem Alter bei Auszahlung. Gleiches gilt für private Rentenversicherungen, sofern der Kunde die Einmalzahlung am Vertragsende statt der monatlichen Verrentung wählt.

Konkret sieht es dann so aus: Bei allen ab Januar geschlossenen Verträgen werden die Kapitalerträge zur Hälfte besteuert, wenn die Police mindestens zwölf Jahre läuft und die einmalige Kapitalauszahlung erst nach Vollendung des 60. Lebensjahres erfolgt. Um die Steuer zu ermitteln, werden am Laufzeitende die vom Versicherten gezahlten Beiträge vom Auszahlbetrag abgezogen. Von der Differenz muss der Kunde die Hälfte mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern.

Noch ungünstiger sieht die Sache aus, wenn der Vertrag keine zwölf Jahre läuft oder das Geld vor Vollendung des 60. Lebensjahres ausgezahlt wird. Dann ist der Kapitalertrag komplett mit dem Fiskus zu teilen. Unterliegt beispielsweise ein Auszahlbetrag von 100.000 Euro der vollen Besteuerung, so muss ein Single mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 50.000 Euro nach Berechnungen der Verbraucherzentrale Bremen 16.630 Euro von der ausgezahlten Summe ans Finanzamt abführen. Werden hingegen die Steuer mildernden Bedingungen wie Mindestlaufzeit und Auszahlalter erfüllt, ist nur die Hälfte, also 8315 Euro, an den Fiskus zu überweisen.

Dagegen gewinnen private Rentenversicherungen ab 2005 an Attraktivität. Wer künftig mit 65 Jahren in den Ruhestand eintritt, muss nur noch 18 Prozent - statt bisher 27 Prozent - seiner lebenslangen Rente versteuern.

Fondsgewinne mit dem Fiskus teilen

Für Lebens- und Rentenpolicen gilt ab 2005 das Halbeinkünfteverfahren. Das bedeutet, läuft ein Vertrag mindestens zwölf Jahre, muss der Versicherungsnehmer künftig die Hälfte der Fondsgewinne mit dem Fiskus teilen. Die Postbank rät daher, künftig eine Risikolebensversicherung mit einem Fondssparplan zu kombinieren. Damit bleiben auch weiterhin Kursgewinne größtenteils steuerfrei.