Fondsbesteuerung Der Zeitpunkt entscheidet

Genau ein Jahr lang wurden Zwischengewinne bei Fondsanteilen nicht mehr besteuert. Doch was die Bundesregierung zu Jahresbeginn 2004 abschaffte, führt sie 2005 wieder ein. Fondsanleger sollten deshalb genau hinschauen, wann sie Anteile kaufen oder verkaufen, wenn sie dem Fiskus ein Schnippchen schlagen wollen.

Frankfurt/Main - Kaum haben sich Fondsanleger auf die geänderte steuerliche Behandlung ihrer Anteile eingestellt, vollzieht die Bundesregierung eine Kehrtwende. Zum 1. Januar 2005 führt sie die erst Anfang 2004 abgeschaffte Besteuerung von Zwischengewinnen aus Renten- und Geldmarktfonds wieder ein.

Diesen Fonds fließen aus ihren Anlagen laufend Zinsen zu. Im Jahresverlauf erhöhen sie den Preis der Fondsanteile, bilden also den Ertragsanteil. Die Fondsgesellschaften schütten diese Erträge in der Regel einmal jährlich an die Anleger aus. Diese Ausschüttungen sind vom Anleger als Kapitalerträge zu versteuern - sofern der geltende Sparerfreibetrag bereits ausgeschöpft ist.

Verkauft ein Anleger seine Fondsanteile jedoch noch vor der Ausschüttung, kann er die Kursgewinne, die durch die anfallenden Zinsen entstanden sind, derzeit steuerfrei einstreichen - sofern die einjährige Spekulationsfrist verstrichen ist. Denn eine Besteuerung dieser Zwischengewinne findet seit Anfang 2004 nicht statt. Nach der Ausschüttung kann er die Fondsanteile dann wieder kaufen.

Gleichzeitig bedeutet dies aber für den Anleger, dass er unter Umständen Erträge versteuern muss, die zu einem Zeitpunkt angefallen sind, zu dem er den Fondsanteil noch gar nicht besaß. Kauft ein Anleger einen Fondsanteil beispielsweise kurz vor dem Ausschüttungstermin, so sind die bis dahin aufgelaufenen Zinsen bereits im Kaufpreis enthalten. Die anschließende Ausschüttung muss der Anleger jedoch in vollem Umfang versteuern. Da die Zwischengewinne, die er beim Fondskauf bereits mitbezahlt hat, aber nicht separat ausgewiesen werden, kann er sie derzeit bei der Steuererklärung nicht mehr gegenrechnen.

Ab 2005 werden Zwischengewinne wieder versteuert

Ab dem kommenden Jahr ist dies jedoch wieder möglich. Nach einer Ausschüttung zahlt der Anleger dann Steuern nur auf jene Erträge, die er mit seinen Anteilen auch tatsächlich erwirtschaftet hat. Zwischengewinne, die er beim Kauf schon mit dem Anteilspreis abgegolten hat, kann er dann wieder gegenrechnen. Gleichzeitig entfällt 2005 aber die Möglichkeit, die Erträge vor dem Ausschüttungstermin steuerfrei einzustreichen. Denn diese Zwischengewinne sind dann wieder zu versteuern.

Für Fondsanleger ergeben sich daraus zwei Strategien: Wer Fondsanteile verkaufen möchte, sollte dies möglichst noch 2004 und vor dem nächsten Ausschüttungstermin tun. Vorausgesetzt der Anleger hält die Fondsanteile bereits länger als ein Jahr, so kann er die angefallenen Erträge steuerfrei einstreichen. Wer dagegen Fondsanteile kaufen möchte, sollte unter Umständen noch bis 2005 warten, damit er nicht Steuern auf Erträge bezahlen muss, die er nicht erwirtschaftet hat.