Kein Geld Unabhängiges Aktien-Rating gescheitert

Der Versuch, in Deutschland eine unabhängige Ratingagentur für Aktien aufzubauen, ist offenbar gescheitert. Bereits zwei Mal war der Start der Agentur Equirate verschoben worden. Jetzt will der Vorstand das Projekt nach Medienberichten nicht mehr weiter vorantreiben - denn er bekam die nötige Anschubfinanzierung nicht zusammen.

Hamburg - Ende 2003 hatte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) den Aufbau der unabhängigen Ratingagentur beschlossen. Equirate sollte Aktien ein Gütesiegel ausstellen und damit helfen, das bis heute angekratzte Vertrauen vieler Anleger zu stärken.

Ziel des Ratings sollte es sein, die Zuordnung verschiedener Aktien zu eindeutig definierten Qualitätsgruppen zu ermöglichen. Denn, so die Begründung, die bisherigen Klassifikationen richteten sich eher nach formalen Kriterien wie der Indexzugehörigkeit. Diese würden aber nichts über die Qualität eines Unternehmens aussagen. Equirate wollte keine Kurs-, sondern eine Qualitätsaussage über eine Aktie treffen und so "ein viertes Element liefern, das zwischen dem Bericht des Wirtschaftsprüfers, der Buy-Side- und der Sell-Side-Analyse etabliert werden" sollte, wie es bei der Vorstellung der Pläne hieß.

Zehn Millionen Euro Anschubfinanzierung

Als Anschubfinanzierung für das Projekt waren rund zehn Millionen Euro vorgesehen. Das Geld sollte von jenen Unternehmen kommen, die später auch als Kunden die Ratings in Auftrag geben. Fließen sollte das Geld zunächst an das DAI. "Wir haben uns bereit erklärt, die Durchleitung der Anschubfinanzierung zu übernehmen, wenn denn ausreichend Geld geflossen wäre", so Franz-Josef Leven, Direktor des DAI gegenüber manager-magazin.de. "Hätten die Unternehmen direkt an Equirate zahlen müssen, hätte das Zweifel an der Unabhängigkeit der Agentur heraufbeschworen."

Doch die Anschubfinanzierung der Ratingagentur ist nun offenbar gescheitert. Helmut Mader, Vorstand von Equirate, sagte der "Financial Times Deutschland", er treibe das Projekt derzeit nicht mehr aktiv voran. "Das ist ein trauriges Zeugnis für den Finanzplatz, dass diese Idee, die von vielen in der Sache unterstützt wurde, wegen des unzureichenden finanziellen Engagements nicht umgesetzt werden kann", sagte Mader. Er bleibe aber offen für weitere Gespräche. "Ich schließe nicht aus, dass die Erkenntnisse unserer zweijährigen Arbeit in ein neues Projekt einfließen", sagte er.

Equirate-Vize wechselt zu Deka Investment

Als Rückschritt im Bemühen um mehr Transparenz für Anleger wollte DAI-Direktor Leven die Entscheidung jedoch nicht gewertet wissen. "Ich glaube nicht, dass Privatanleger den Gründungsprozess von Equirate bislang stärker wahrgenommen haben", so Leven. "Wir verzichten damit aber auf einen weiteren Fortschritt."

Viele Unternehmen haben offenkundig die hohen Kosten des Projekts abgeschreckt. Denn neben der Anschubfinanzierung hätten sie für eine Bewertung ihrer Aktie durch Equirate jährlich 50.000 Euro berappen müssen. Schon unmittelbar nach Bekanntgabe der Gründungspläne Ende vergangenen Jahres hatten einige kleinere Unternehmen Zweifel geäußert und die hohen Kosten kritisiert.

Aktionärsschützer von Anfang an skeptisch

Auch Aktionärsschützer hatten die Chancen des Projektes eher skeptisch beurteilt. "Es wäre wunderbar, wenn es ein Institut gäbe, das sehr viel zu den Zukunftsaussichten eines Unternehmens sagen kann. Allerdings bezweifle ich dies", so Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK).

Zum Aus für das ambitionierte Projekt hat offenbar auch der Abgang des zweiten Equirate-Vorstands beigetragen. Thomas Neiße, der das Analystenteam aufbauen und leiten sollte, wechselt an die Spitze des angeschlagenen Fondsanbieters Deka Investment.

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