Lebensversicherung Rendite fällt weiter

Die Erholung der Aktienmärkte seit 2003 hat nicht ausgereicht, um die Probleme der Versicherer zu lösen. Kunden müssen nach einer Studie von Goldman Sachs mit fallenden Verzinsungen rechnen, da auch Rentenpapiere kaum noch Ertrag bringen. Die Folge: Im immer schärferen Verdrängungswettbewerb wird das Risikokapital entscheiden.

Frankfurt am Main - Wenn das Steuerprivileg für Lebensversicherungspolicen zum 31. Dezember 2004 fällt, wird dies tief greifende Konsequenzen für die gesamte Branche haben. Das wichtigste Produkt deutscher Lebensversicherer, die Kapitallebensversicherung, wird stark an Attraktivität verlieren. Um ihre Marktanteile zu behaupten, müssen Lebensversicherer innovative Produkte entwickeln. Zu diesem Schluss kommt das Investmenthaus Goldman Sachs in der Studie "Continuing Change ... Products: Where to now?".

Die zunehmende Konkurrenz unter den Lebensversicherungen habe darüber hinaus zur Folge, dass ihre Ausstattung mit Risikokapital zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor werde. Die als Risikokapital bezeichnete Summe aus Eigenkapital, Rücklagen, nicht gebundenen Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen (RfB) und stillen Reserven auf Kapitalanlagen müsse ausreichend hoch sein. Versicherer mit Defiziten in diesem Bereich werden auf mittlere Sicht massiv Marktanteile verlieren und sich aus dem Neugeschäft zurückziehen müssen, prognostiziert Goldman Sachs.

Dagegen werden kapitalstarke Institute sowie Versicherer, die ihr Risikokapital bereits aufgestockt haben, laut der Studie zu den Gewinnern der kommenden Jahre zählen.

Risikokapital: Die Großen rücken vor

Die Kapitalmarkterholung nach dem Platzen der Technologie-Blase reichte nicht aus, um die Probleme der Branche zu lösen. Von dem deutlichen Kursanstieg vom Frühjahr 2003 bis zum Frühjahr 2004 haben die meisten Versicherer laut Goldman Sachs wegen ihrer zu dieser Zeit geringen Aktienengagements nur schwach profitiert; in den Monaten danach waren die Aktienerträge hingegen verhältnismäßig niedrig. Noch immer gebe es stille Lasten.

Manche Versicherer werden in diesem Jahr voraussichtlich Risikokapitalpositionen in Anspruch nehmen, um ihre Bonusversprechen einlösen zu können, so die Studie.

Hohes Risiko bei Rentenpapieren

Auch die Rentenmarktentwicklung sei für die Versicherungsbranche nicht uneingeschränkt positiv: Die überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere investierten Institute erzielten aufgrund des Renditerückgangs seit Jahresbeginn zwar Kursgewinne; sie erwirtschaften wegen des niedrigen Zinsniveaus aber nur vergleichsweise geringe laufende Erträge. Hinzu kommt häufig ein erhebliches Wiederanlagerisiko, denn viele während der Hochzinsphase in den frühen Neunzigern erworbene Anleihen laufen jetzt aus.

Im Durchschnitt haben die Lebensversicherer ihre Gesamtverzinsung daher bereits deutlich gesenkt. Im Jahr 2005 dürfte sie um 4 Prozent liegen, gegenüber 4,3 Prozent im Jahr 2004, 4,8 Prozent im Jahr 2003 und über 6 Prozent im Jahr 2002. Viele Versicherer werden damit ihren Kunden eine Gesamtverzinsung von nur noch weniger als 4 Prozent bieten können. Dieser Trend hält laut Goldman Sachs weiter an.

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