Analysten Heimvorteil für die Deutschen

Die prognostischen Fähigkeiten von Analysten sind umstritten. Eine US-Studie hat jetzt ermittelt, welche Banken und Analysehäuser die verlässlichsten Einschätzungen über den deutschen Aktienmarkt veröffentlicht haben. Das Ergebnis: Vor allem bei kleineren Werten können deutsche Banken ihren Heimvorteil ausspielen.

Frankfurt - Wie genau treffen die Empfehlungen und Schätzungen von Analysten die tatsächliche Entwicklung an den Aktienmärkten? Seit einige Vertreter der Zunft mit ihren Analysen zu Konzernen wie Enron oder zu Start-Ups der New Economy spektakulär daneben lagen, hat das Vertrauen der Anleger in das Urteilsvermögen der Analysten stark gelitten. In regelmäßigen Abständen überprüfen inzwischen Studien die Treffergenauigkeit der Börsenpropheten.

Für das "Handelsblatt" hat die US-Finanzagentur Starmine jetzt den deutschen Aktienmarkt untersucht. Ins Visier nahm der amerikanische Analysten-TÜV Aktienempfehlungen und Gewinnschätzungen aus zu Titeln aus Dax, MDax und TecDax. Starmine prüfte, welche Banken und Analysefirmen in den vergangenen zwölf Monaten die reale Wertentwicklung dieser Titel am genauesten vorausgesagt haben. Ein Ergebnis: Deutsche Banken und Researchhäuser genießen im internationalen Vergleich offenkundig einen Heimvorteil.

Zwar stammen der Studie zufolge die präzisesten Aktienempfehlungen für die im Dax notierten Standardwerte vom US-Bankhaus Goldman Sachs. Auf dem zweiten Platz folgen die Analysten von Morgan Stanley, auf dem dritten die Vertreter der Commerzbank.

Bei kleineren Werten dominieren deutsche Analysten

Doch sobald es um die Analyse kleinerer und mittlerer deutscher Unternehmen geht, die im MDax oder TecDax gelistet sind, dominieren die nationalen Bank- und Researchhäuser. So stammten die treffsichersten Aktienempfehlungen für MDax-Werte dem Ranking zufolge von den Analysten der Bayerischen Landesbank, gefolgt von Berenberg Bank und Deutscher Bank. Bei den TecDax-Werten lagen die Analysten von Berenberg sogar am nächsten an der Wahrheit, auf Platz zwei und drei folgen SES Research und das Bankhaus Oppenheim.

LBBW glänzt bei Gewinnschätzungen

"Unsere Auswertung hat ergeben, dass global aufgestellte Broker wie Goldman Sachs, Morgan Stanley oder UBS länderübergreifend besonders die hoch kapitalisierten Aktien beobachten, kleinere Unternehmen aus MDax oder TecDax hingegen eher vernachlässigen" zitiert das "Handelsblatt" einen Starmine-Verantwortlichen.

Auch bei Gewinnschätzungen sieht die Studie deutsche Häuser auf den Spitzenplätzen, auch im Blick auf Dax-Unternehmen. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) führt hier das Ranking an, gefolgt von der Bayerischen Landesbank und SG Securities. Die Gewinne der MDax-Unternehmen schätzten die Analysten der DZ-Bank am genauesten ein, BW-Bank und Deutsche Bank folgen auf den Plätzen. Bei den TecDax-Titeln belegt die WestLB vor der Berenberg-Bank und der DZ-Bank den Spitzenplatz.

"Wer bei den Gewinnprognosen richtig liegt, zeigt, dass er ein Unternehmen einschätzen kann. Mittel bis langfristig wird er auch bei Aktienempfehlungen gute Ergebnisse erzielen"; so das Urteil.

Analysten regelmäßig unter Beobachtung

Für das Ranking zogen die Starmine-Forscher nur Analysehäuser heran, die mindestens 15 Dax, 20 MDax oder 13 TecDax-Titel beobachten - und zwar jeweils seit mindestens neun Monaten. Die Analysten-Prüfer untersuchten, wie sich die Analysten-Empfehlungen mit der anschließenden Entwicklung der Aktie deckten und vergaben dafür Punkte. Bei den Gewinnschätzungen verglichen sie die Prognosen aller beteiligten Analysten und ermittelten, welche am Ende den offiziellen Zahlen der Unternehmen am nächsten kam.

Starmine ist ein US-Analyseunternehmen, das seit 1998 die Leistungen von Analysten misst und damit Aussagen über deren Qualität trifft. Ähnliche Rankings veröffentlichen in regelmäßigen Abständen auch Anbieter wie die Londoner Finanzagentur AQ.