Lebensversicherer Big ist nicht immer beautiful

Die Zeit für die steuerbefreite Lebensversicherung läuft Ende 2004 ab. Assekuranz und Finanzinstitute wollen sich das Geschäft nicht entgehen lassen und rühren mächtig die Werbetrommel. Doch die größten Lebensversicherer sind mitnichten auch die besten. Das zeigt das neue Rating von Map-Report.

Hamburg - Mit dem 31. Dezember 2004 fällt das Steuerprivileg für Lebensversicherungspolicen. Die Werbekampagnen der Versicherungswirtschaft und zahlreicher Finanzinstitute laufen auf Hochtouren. Sie erhoffen sich ein sattes Extrageschäft. Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Gothaer Versicherung wollen noch in diesem Jahr rund 6,5 Millionen Menschen eine Lebensversicherung abschließen.

Gleichzeitig aber fühlen sich viele Menschen durch Hartz IV und seine Folgen verunsichert. Befürchten sie doch im Falle von Langzeitarbeitslosigkeit die "Verwertung" ihrer Ersparnisse und Policen. Dass hier oft Unkenntnis und Missverständnisse vorliegen, darüber hat manager-magazin.de berichtet.

Zugleich fühlen sich der repräsentativen Umfrage zufolge 64 Prozent der Befragten über die Vor- und Nachteile alternativer Vorsorgeprodukte nicht gut informiert. Auch Manfred Poweleit, Chefredakteur des Branchen-Informationsdienstes Map-Report stellt fest: "Was fehlt, ist das ökonomische Wissen, um richtige Entscheidungen zu treffen." Dass mangelndes Wissen aber auch zu einem Großteil auf Berührungsängste mit dem Thema Geld zurückgeht, hat unlängst eine Studie der Commerzbank unter Beweis gestellt.

Die größten Anbieter sind nicht die besten

Das "Versagen deutscher Verbraucher" (Map-Report) führt dabei am Lebensversicherungsmarkt zu bemerkenswerten Konstellationen: Eben nicht die größten Anbieter sind zugleich auch die leistungsfähigsten. Mit Debeka und Allianz  haben lediglich zwei der 15 größten Lebensversicherungen das Toprating "mmm" ("hervorragend") erhalten.

Insgesamt verliehen die Experten von Map-Report sieben von 46 bewerteten Unternehmen, die mindestens 30 Jahre am Markt bestehen müssen, diese Spitzenauszeichnung. Das geht aus dem jetzt vorliegenden zwölften "Rating Deutscher Lebensversicherer" der Analysten hervor.

Dabei wird Poweleit auch im zwölften Bericht nicht müde zu warnen: "Gute Leistungen aus der Vergangenheit sind ein Indiz dafür, dass der Versicherer im Bemühen erfolgreich war, viel für den Kunden herauszuholen. Doch wer wird in Zukunft der beste Versicherer sein? Niemand weiß es. Wir auch nicht." Jeder, der das Gegenteil behaupte, arbeite unseriös.

Was gute Lebensversicherer ausmacht

Was macht gute Lebensversicherer aus?

Doch Orientierung tut not. Und was macht einen guten Lebensversicherer aus? "Ein richtig guter Lebensversicherer sollte viel Geld am Kapitalmarkt verdienen, mit dem Kapital seiner Kunden sparsam umgehen und den Kunden gut beraten", schreibt Poweleit.

Um diese Anforderungen zu überprüfen, hat das Team von Map-Report insgesamt 18 Kennzahlen aus den Bereichen Bilanz, Service und Vertrag aus den Geschäftsberichten der vergangenen zwölf Jahre destilliert und in ein umfassendes Rating einfließen lassen. Die höchste Auszeichnung "mmm" erreicht nur, wer alle Daten lückenlos zur Verfügung stellt, Geschäftsberichte der vergangenen 12 Jahre liefert und mindestens 70 von 100 möglichen Punkten erreicht.

DEVK stößt in Spitzengruppe vor

Neu in der Spitzengruppe der mit "mmm" ("hervorragend")bewerteten Versicherer ist die DEVK Deutsche Eisenbahn Versicherung Lebensversicherungsverein a.G. Seit mehreren Jahren habe sich die Gesellschaft lautlos zum Spitzenrating vorgearbeitet. Die Neue Leben büßte dagegen ihr Spitzenrating des Vorjahres ein und erhielt nun ein "sehr gut". Die ersten Prozesse im Zusammenhang mit Berufsunfähigkeitsversicherungen hätten zu Abschlägen in der Bewertung geführt, so Map-Report.

Zahlreiche Versicherer fallen zurück

Auffällig ist, dass einige Anbieter in ihrer Bewertung abgefallen sind. Inklusive der sieben Toplebensversicherer brachten es insgesamt 38 Anbieter auf eine gute oder bessere Bewertung. Im Vorjahr waren es noch 42 Lebensversicherer. Dabei sank die Anzahl jener Versicherer mit der Bewertung "sehr gut" auf 11 gegenüber 17 im Vorjahr.

Drei "Dickschiffe" unter schwächsten Anbietern

Zu den schwächsten Anbietern zählen drei Lebensversicherer, die zu multinationalen Finanzkonzernen gehören. Axa , Victoria und Deutscher Herold seien besonders stark von der Börsenkrise betroffen, hätten deshalb ihre Überschussbeteilung "erheblich gesenkt und trotzdem noch beträchtliche stille Lasten in den Büchern".

Da ihre Leistungen für die Kunden aber schon vor der Börsenkrise "alles andere als berauschend" gewesen seien, führten die aktuellen Turbulenzen trotz einer sehr langfristigen Ausrichtung des Ratings von Map-Report nun zu dem Absturz in die Ratingklasse "m-" (befriedigend), wo sich insgesamt elf Versicherer wieder finden. Im Vorjahr waren es hier lediglich sechs Anbieter. Wer mitunter bei den Ablaufleistungen nur noch 67 Prozent des Marktdurchschnitts erreiche, dürfe sich über so ein Ratingergebnis nicht wundern, kritisiert Map-Report.

Lebensversicherer: Das Map-Rating im Überblick


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