Sonntag, 21. April 2019

Steuersparmodelle "Anleger müssen kräftig dazulernen"

Steuersparmodelle locken nur noch selten mit echten Steuervorteilen. Fondsexperte Stefan Loipfinger beschreibt im Interview mit manager-magazin.de, wie sich der Markt für Beteiligungsmodelle entwickelt, und worauf Anleger vor einem Investment unbedingt achten sollten.

mm.de:

Der Gesetzgeber hat die Möglichkeiten, mit geschlossenen Fonds Steuern zu sparen, stark eingeschränkt. Sind solche Geldanlagen tatsächlich noch Steuersparmodelle?

Stefan Loipfinger, renommierter Experte für geschlossene Fonds, erklärt die Trends in der Beteiligungsbranche
Loipfinger: In einigen Fällen haben die Steuervorteile noch einen großen Stellenwert. Beispielsweise bei Medienfonds, wo die Verlustzuweisungen nach wie vor einer der wichtigsten Investitionsanreize sind. Bei geschlossenen Immobilienfonds ist das aber zum Beispiel anders. Dort schauen die Anleger inzwischen nur noch auf die Ausschüttungen. Entscheidend ist dabei, dass es um steuerfreie Ausschüttungen geht. Die Anleger versuchen also nicht mehr vorrangig, mit Verlusten andere Einkünfte zu drücken, sondern Einkünfte zu produzieren, die von vornherein steuerlich begünstigt sind.

mm.de: Lohnen geschlossene Fonds noch, wenn die Steuervorteile fast keine Rolle mehr spielen?

Loipfinger: Vernünftig konzipierte Modelle, beispielsweise deutsche Immobilienfonds, kommen auch ohne Verlustzuweisung leicht auf Renditechancen von 6 Prozent nach Steuern. Vor allem bei den Auslandsimmobilienfonds, die ohne große Rechentricks sogar bis zu 8 Prozent erreichen können, ist das ein Potenzial, das Investoren mit anderen Anlageformen nur schwer darstellen können. Deshalb sind die so genannten Steuersparmodelle nach wie vor erfolgreich. Allein dieses Jahr werden die Initiatoren rund 11,5 Milliarden Euro einsammeln. Das ist eine Milliarde Euro mehr als im Vorjahr.

mm.de: Haben die Anleger dabei besondere Präferenzen?

[M] DPA; mm.de
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Loipfinger: Werden Inlands- und Auslandsimmobilienfonds zusammengenommen, dann sind sie mit Abstand die wichtigste Anlageform. Auch Schiffsbeteiligungen und Lebensversicherungsfonds sind sehr beliebt. Der Bereich der Medienfonds ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen, denn er ist der einzige, in dem die Anleger noch richtig aktiv Steuern sparen können. Rund eine Milliarde Euro werden dieses Jahr in Medienfonds fließen.

mm.de: Aber auch bei Medienfonds hat der Gesetzgeber die steuerlichen Spielräume erheblich begrenzt.

Loipfinger: Das Finanzamt lässt Steuerersparnisse nur noch durchgehen, wenn die Anleger "wesentliche Einflussnahmemöglichkeiten" auf die Produktionen haben. In den meisten Fällen wählen die Fonds deshalb einen Beirat, der dann aktiv in das Geschehen bei der Filmauswahl und zum Teil auch in Details wie die Auswahl von Schauspielern eingreift. Ob das den Finanzämtern am Ende reicht, werden erst die Betriebsprüfungen in ein paar Jahren zeigen.

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