Rendite Lebensversicherte können aufatmen

Der Zinsrutsch bei Lebensversicherungen ist offenbar gestoppt. Eine Reihe von Gesellschaften dürfte nach Meinung des Branchendienstes Map-Report die Überschussbeteiligung für 2005 sogar erhöhen. Der Marktführer Allianz hält sich mit Prognosen noch zurück.

Hamburg - Der Brancheninformationsdienst Map-Report erwartet, dass der Abwärtstrend bei der Verzinsung von Lebensversicherungen gestoppt ist. "Die Masse der Gesellschaften hat die Aktienkrise überwunden", sagte Map-Report-Analyst Manfred Poweleit am Donnerstag im Gespräch mit manager-magazin.de.

Der Experte geht davon aus, dass nur noch zehn von rund 120 Lebensversicherern in Deutschland ihre Überschussbeteiligung für 2005 senken werden. Zugleich dürfte eine etwa gleiche Anzahl von Gesellschaften an ihre Kunden in 2005 sogar wieder mehr Geld ausschütten. "Wir dürfen dabei keine großen Sprünge erwarten", warnte Poweleit vor allzu großer Euphorie. Seiner Einschätzung nach dürfte es sich dabei jeweils nur um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte handeln.

Wegen der extremen Talfahrt der Aktienmärkte in den vergangenen Jahren hatten die Lebensversicherer in Deutschland zwischen 2001 und 2004 die durchschnittliche Gesamtverszinsung von 7,1 Prozent auf 4,4 Prozent gesenkt. "Im Branchenschnitt dürfte der Abwärtstrend jetzt aber gestoppt sein", sagte Poweleit. Für das kommende Jahr rechnet er mit einer durchschnittlichen Gesamtverzinsung von 4,5 bis 4,6 Prozent. Die Gesamtverzinsung einer Lebensversicherungspolice setzt sich aus dem gesetzlich garantierten Zins und der Überschussbeteiligung zusammen.

Der vom Gesetzgeber festgelegte Garantiezins beträgt seit Anfang dieses Jahres 2,75 Prozent auf den Sparanteil der eingezahlten Beiträge des Versicherten. Verträge die älter sind, werden je nach Abschlusstermin mit bis zu 4 Prozent verzinst.

Poweleit räumte ein, dass eine Reihe von Gesellschaften in Deutschland noch unter einer dünnen Kapitaldecke leiden und mitunter hohe stille Lasten in ihrer Bilanz ausweisen. Doch auch hier sieht er für die Lebensversicherungsbranche insgesamt deutliche Zeichen der Entspannung. "Ich schätze, dass 80 Prozent der stillen Lasten abgebaut sind", so Poweleit. Insgesamt dürfte die Branche noch rund 16 Milliarden Euro an stillen Lasten verbucht haben, die den Versicherern während der Vorjahre als Verluste aus Kapitalanlagen entstanden sind.

Allianz Leben hält sich mit Prognosen zurück

Allianz Leben hält sich mit Prognosen zurück

Der Marktführer Allianz Leben indes wollte noch keine Aussage über eine mögliche Anhebung der Überschussbeteiligung für das kommende Jahr machen. "Die Entscheidung werden Vorstand und Aufsichtsrat am Ende des Jahres fällen", sagte Sprecherin Claudia Mohr-Calliet auf Anfrage von manager-magazin.de.

Die Allianz Leben zählte zum Jahresende acht Millionen Kunden mit einem Bestand von 10,8 Millionen Lebensversicherungen. Vor dem Hintergrund des wegfallenden Steuerprivilegs für Lebensversicherungen ab 2005 rechnet der Branchenführer mit einem anziehenden Geschäft im zweiten Halbjahr. "Wir registrieren deutliche Anzeichen für eine steigende Nachfrage", sagte die Sprecherin weiter. Im ersten Halbjahr seien die Beiträge von Allianz Leben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent auf rund fünf Milliarden Euro gestiegen.

Mit Beginn des neuen Jahres dürfte der erhoffte Run auf die Kapitallebensversicherung aber wieder abflauen. Denn mit der Steuerfreiheit verlieren die Lebensversicherer ihr wirkungsvollstes Verkaufsargument. Diejenigen Anbieter, die neben der traditionellen Lebens- und Rentenversicherung auch Fondsprodukte ihren Kunden bieten können, dürften gegenüber Ein-Produkt-Anbietern im Vorteil sein, erklärte unlängst Analyst Marco Metzler von der Ratingagentur Fitch gegenüber manager-magazin.de.

"Das Thema Allfinanz wird spätestens im Jahr 2005 bei Versicherern wieder nach vorne rücken", so der Analyst. Sowohl unabhängige Finanzdienstleister mit einer breiten Produktpalette als auch die Big Player, die Fonds aus eigenem Hause zur Altersvorsorge anbieten können, sollten davon profitieren.