Samstag, 25. Mai 2019

Altersvorsorge Was ist noch sicher vor Hartz IV?

Schmuck, Aktien, Bares, Lebensversicherung - Hartz IV geht ans Eingemachte. Die Arbeitsmarktreformen treiben Tausende auf die Straße. Doch gerade bei der Altersvorsorge ist Panik fehl am Platze. Die Police ist sicherer als manche glauben, sagt Versicherungsexperte Michael Gaedicke im Gespräch mit manager-magazin.de.

mm.de:

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft schätzt, dass im vergangenen Jahr rund 50.000 Lebensversicherungsverträge auf Druck der Arbeitsämter gekündigt worden sind. Gibt es neue Zahlen für das erste Halbjahr 2004?

Die Angst geht um: Tausende demonstrieren in Leipzig und anderswo gegen die einschneidenden Arbeitsmarktreformen
Gaedicke: Nein, denn wir erheben Stornoquoten nicht fortlaufend. Wir wissen zwar von unseren Mitgliedern, dass sehr viele Versicherte nach dem Rückkaufswert ihrer Lebensversicherung fragen oder sich über einen möglichen Verwertungsausschluss ihrer Police im Falle von Arbeitslosigkeit informieren. Über neue Stornoquoten verfügen wir derzeit aber nicht.

Ich persönlich glaube indes nicht, dass die Kündigungen wegen Hartz IV noch einmal deutlich anziehen werden. Mit Hartz IV hat man jetzt zusätzlich zu dem Vermögensfreibetrag von 200 Euro noch einen weiteren in Höhe von 200 Euro pro Lebensjahr speziell für Altersvorsorge geschaffen. Sozialhilfeempfänger mussten auch schon in der Vergangenheit ihre Lebens- und Rentenversicherungsverträge verwerten.

mm.de: 200 Euro Freibetrag pro Lebensjahr ist nicht viel. Was halten Sie für angemessen?

Gaedicke: Im Vorfeld des Gesetzgebungsverfahrens hatten wir für die Altersvorsorge einen Freibetrag von 800 bis 1000 Euro pro Lebensjahr gefordert, der vor dem Zugriff des Staates sicher sein sollte. Damit konnten wir uns nicht durchsetzen. Ob jetzt auf Druck der Gewerkschaften oder Verbraucherorganisationen nachgebessert wird, ist noch nicht abzusehen. Wir hoffen, dass durch die aufgeheizte Diskussion die private Altersvorsorge nicht generell beschädigt wird.

mm.de: Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute erklärte kürzlich, drei von vier Kundengesprächen drehten sich derzeit um die Kündigung bestehender Lebensversicherungsverträge. Es seien aber nicht vornehmlich Langzeitarbeitslose, sondern Arbeitnehmer ab 40, die eine Kündigung erwägen. Wie passt das mit der GDV-Schätzung zusammen?

Gaedicke: Hartz IV berührt ja nicht nur Menschen, die unmittelbar von Dauerarbeitslosigkeit betroffen sind, sondern auch jene, die womöglich um ihren Job fürchten. Wir selbst haben keine gesicherten Erkenntnisse darüber, wie viel Beschäftigte die Kündigung ihrer Versicherung erwägen.

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