Samstag, 14. Dezember 2019

Berufsunfähigkeit Junge Seelen in Gefahr

Immer mehr Menschen in Deutschland müssen in Folge seelischer Erkrankungen ihren Job aufgeben. Und das immer früher. Die Assekuranz ist auf diese dramatische Entwicklung nicht vorbereitet. Und es kann sie viel Geld kosten, warnt der Branchendienst Map-Report.

Hamburg - Die Bedeutung psychischer Erkrankungen für die Berufsunfähigkeit nimmt nach einer neuen Studie von Map-Report immer bedrohlichere Ausmaße an. Seit 1985 habe sich ihr Anteil an den Frühberentungen auf 29,2 Prozent nahezu verdreifacht, schreibt der Branchendienst. Damit seien seelische Erkrankungen erstmals wichtigste Ursache von Erwerbsunfähigkeiten. Die Versicherungsbranche sei nicht darauf vorbereitet, warnt Chefredakteur Manfred Poweleit.

 Am Ende: Frauen sind stärker von Berufsunfähigkeit durch seelische Erkrankungen bedroht als Männer
DPA
Am Ende: Frauen sind stärker von Berufsunfähigkeit durch seelische Erkrankungen bedroht als Männer
Auffällig ist, dass psychisch Erkrankte zusehends früher - nämlich im Schnitt mit 48 Jahren - in die Berufsunfähigkeit eintreten. Dagegen wiesen Herzkranke (53,6 Jahre) und Menschen mit Rückenleiden (53,2 Jahre) ein deutlich höheres Erstberentungsalter auf, so dass in diesen Fällen die Versicherer hier nicht so lange Rente zahlen müssten.

Dramatische Entwicklung bei jungen Menschen

Als gar "dramatisch" beschreibt Map-Report die Entwicklung bei den besonders jungen Frührentnern. In der Altersgruppe der unter 40-jährigen Männer machte im Jahr 2002 der Anteil der psychisch Erkrankten 46,2 Prozent (1993: 32,3 Prozent) aller Frühberentungen aus. In der gleichen Altersgruppe der Frauen sind es 45,2 Prozent (1993: 30,5 Prozent). Über alle Altersgruppen sei der Anteil bei den Männern von 12,3 Prozent auf knapp 24 Prozent gestiegen. Bei den Frauen kletterte er von 20,2 auf 36,40 Prozent.

Der nüchterne Befund macht laut Map-Report Folgendes deutlich: 1.) Frauen seien in Folge von seelischen Erkrankungen viel stärker als Männer von Berufsunfähigkeit bedroht. 2.) Die stark an Bedeutung wachsende Gruppe der seelisch Kranken insgesamt werde für Berufsunfähigkeitsversicherer erheblich teurer als die bislang dominierenden Leiden, warnt die Studie.

Interessant sind die Verschiebungen in der Bedeutung von Berufen für die Berufsunfähigkeit. Der Anteil der körperlich anstrengenden Berufe an Frühinvaliditäten - dazu zählen unter anderem Schaffner, Gleisbauer oder auch Fahrzeugreiniger - sei von 9,1 Prozent (1993 bis 1995) auf 8,75 Prozent (2000 bis 2002) gefallen.

Dagegen kletterte der Anteil der Berufgruppen mit einem traditionell geringeren Berufsunfähigkeitsrisiko von 17,1 Prozent (1993 bis 1995) auf 19,1 Prozent (2000 bis 2002). Von diesem Anstieg seien insbesondere Verkäufer, Schneider, Handelsvertreter, Sicherheitskontrolleure oder auch Musiker betroffen gewesen. "Hier dürften psychische Erkrankungen eine größere Rolle spielen", heißt es in dem Report.

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