Freitag, 6. Dezember 2019

BU-Rente "Das reicht nicht mal für die Kaltmiete"

95 Prozent der Beschäftigten sind gar nicht oder völlig unzureichend gegen Berufsunfähigkeit abgesichert. Diese Misere hat auch die Assekuranz zu verantworten, sagt Manfred Poweleit. Im Gespräch mit manager-magazin.de zieht der Experte eine erschreckende Bilanz - gibt aber ebenso zahlreiche Tipps für Verbraucher.

mm.de:

Wie viel Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland haben sich gegen Berufsunfähigkeit abgesichert?

 "Versicherer fürchten Simulanten": Manfred Poweleit, Versicherungsanalyst und Chefredakteur des Branchendienstes Map-Report
Hans-Dieter Schäfer
"Versicherer fürchten Simulanten": Manfred Poweleit, Versicherungsanalyst und Chefredakteur des Branchendienstes Map-Report
Poweleit: Das sind etwa 15 Prozent der Beschäftigten. Dabei verfügen die meisten aber lediglich über eine Beitragsbefreiung. Das heißt, im Ernstfall zahlt der Versicherer lediglich für die Lebensversicherung die Beiträge weiter. Über eine richtige BU-Rente dürften im Versicherungsfall lediglich 5 Prozent der Erwerbstätigen verfügen.

mm.de: Das ist erstaunlich wenig. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Poweleit: Die Versicherer haben sich über Jahrzehnte hinweg mit der Unfallversicherung eine goldene Nase verdient. Dabei benötigen tatsächlich nur die wenigsten Verbraucher diese Versicherung. Erst auf Druck von qualifizierten Vermittlern und aufgeklärten Verbrauchern haben die Konzerne in den vergangenen Jahren damit angefangen, die BU-Versicherung offensiv zu verkaufen. Mittlerweile fragen die Verbraucher deutlich stärker nach, weil sie feststellen, wie viel ihre Arbeitskraft wert ist und was ein Verlust dieser Arbeitskraft für sie und im Zweifelsfall auch für die Familie bedeutet.

mm.de: Sind denn zumindest jene, die eine BU-Versicherung haben, ausreichend gegen Berufsunfähigkeit abgesichert?

Poweleit: Nein, von den ausgezahlten BU-Renten könnten diese Menschen in Großstädten noch nicht einmal die Kaltmiete bezahlen.

mm.de: Halten Sie 50 Prozent BU-Rente des letzten Nettoeinkommens für angemessen?

Poweleit: Wenn wir da schon wären, könnten wir uns glücklich schätzen. Eine BU-Rente sollte möglichst einen normalen Lebensstandard ermöglichen. Andererseits ist es sehr schwierig, Renten in einer vernünftigen Relation zum Bruttoeinkommen bei dem Versicherer durchzusetzen.

mm.de: Warum?

Poweleit: Versicherer fürchten nichts mehr als Simulanten. Deswegen neigen sie dazu, diese Renten möglichst niedrig anzusetzen.

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung