Mittwoch, 22. Januar 2020

BU-Rente "Das reicht nicht mal für die Kaltmiete"

4. Teil: Wie steht's mit der Zahlungsmoral?

mm.de: Ab wann sollte eine BU-Rente fließen?

Poweleit: Optimalerweise wird ein guter Makler oder Vermittler die Krankentagegeldversicherung und die Berufsunfähigkeitsversicherung so abstimmen, dass es im Leistungsfall einen nahtlosen Übergang gibt.

mm.de: Wie ist es um die Zahlungsbereitschaft der Anbieter im Versicherungsfall bestellt?

Poweleit: Nach unserer jüngsten Erhebung regulieren die Versicherer gerade einmal 70 Prozent der Schäden in dem Jahr, in dem sie auch gemeldet werden. Hier sollte sich der Verbraucher mit Hilfe des Maklers genau über die Regulierungs- und Prozessquoten der einzelnen Versicherer informieren. Bei manchen Unternehmen landet bis zu jeder zehnte Fall vor dem Gericht.

mm.de: Sie deuteten eingangs an, dass die Branche die BU-Versicherung angesichts des eigentlich dringenden Bedarfs erst sehr spät als Geschäft entdeckt hat. Welche Gründe sehen Sie dafür noch?

Poweleit: Die Lebensversicherer haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark auf kapitalanlagenahe Produkte konzentriert. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung erfordert aber ein ganz anderes Denken bei der Risikoabsicherung, eine ganz andere Versicherungstechnik und eine viel tiefer greifende Risikobeobachtung. Ich habe das Gefühl, die Lebensversicherer haben dieses Handwerk, das Feuer-, Auto- oder Haftpflichtversicherer wie im Schlaf beherrschen, ein wenig verlernt.

Sie erkennen zwar den Bedarf. Sie würden mit der BU-Versicherung sicherlich auch gerne mehr Umsatzanteile am Gesamtgeschäft erzielen als bislang etwa jene 6 Prozent. Doch die Unternehmen wissen ganz genau: Sie können sich bei der BU-Versicherung so dilettantische Fehler wie einst bei der Aktienanlage nicht mehr leisten. Sonst sind sie weg vom Fenster. Auch deshalb schrecken viele Unternehmen vor einem starken Ausbau des BU-Geschäfts noch zurück.

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