Samstag, 14. Dezember 2019

Altersvorsorge Abschied von der Solidargemeinschaft

Der Begriff der Solidarität in alter Form ist überholt. Die demographische Entwicklung zwingt die Deutschen zum Umdenken - nicht nur bei der Altersvorsorge. Immerhin: Amerikanische Verhältnisse befürchtet Ökonom Bernd Katzenstein im Gespräch mit manager-magazin.de nicht.

mm.de:

Die Vorschriften zur staatlich unterstützten privaten Altersvorsorge sind nicht leicht durchschaubar, sie verunsichern die Menschen. Teilen Sie diesen Eindruck?

 Bernd Katzenstein: Sprecher Deutsches Institut für Altersvorsorge
Bernd Katzenstein: Sprecher Deutsches Institut für Altersvorsorge
Katzenstein: Ja, und mit der Einführung der nachgelagerten Besteuerung der Renten wird die Materie noch komplizierter. Es gibt keine allgemeinen Regeln mehr. Mehr denn je kommt es künftig auf den Einzelfall an, ist das individuelle Einkommen der entscheidende Punkt bei der privaten Altersvorsorge.

mm.de: Offensichtlich sind dem Gesetzgeber bei der Reform der Rentenbesteuerung handwerkliche Fehler unterlaufen. So warnt Ihr Institut vor einer Doppelbesteuerung der heute über 40-Jährigen. Lassen sich diese Fehler noch ausmerzen?

Katzenstein: Ich hoffe es. Andernfalls rechnen wir damit, dass Betroffene die Gerichte anrufen und dass sie diesen Klagen auch stattgegeben werden. Es ist ein Verfassungsgebot, dass jedes Einkommen nur einmal belastet werden darf. Das ist bei diesen Jahrgängen insbesondere in der betrieblichen Altersvorsorge aber nicht der Fall.

mm.de: Die jüngste Studie Ihres Instituts hat die Verwirrung noch ein wenig erhöht. Dass Riester- und Rürup-Produkte im Vergleich zu anderen Sparformen kaum lohnen, von dieser Aussage ist Ihr Institut mittlerweile wieder abgerückt. Für wen macht der Kauf solcher Produkte jetzt grundsätzlich Sinn?

Katzenstein: Die Verwirrung ist entstanden, weil wir nicht deutlich genug zwischen der betrieblichen und privaten Altersvorsorge unterschieden haben. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle werden Renten aus der betrieblichen Altersvorsorge neben Steuern auch mit Sozialbeiträgen belastet. Letztere machen heute rund 16 Prozent aus und dürften in Zukunft auf bis zu 20 Prozent steigen. Das wirkt wie eine zusätzliche Steuer und macht diese Produkte weniger interessant.

Mit Blick auf die private Riester- und Rürup-Rente haben wir Hinweise bis hin zu Aussagen von Ministern, dass auch darauf Sozialbeiträge abgeführt werden könnten. Dies ist aber noch nicht der Fall, das haben wir nicht deutlich genug formuliert. Falls aber Sozialbeiträge auch auf Produkte der privaten Altersvorsorge erhoben werden, sind sie aus unserer Sicht unattraktiver.

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