Biotech Epigenomics macht den Vorreiter

Zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren traut sich wieder ein Biotechnologie-Unternehmen in Deutschland an die Börse. Das geplante IPO der Berliner Epigenomics AG dürfte zum Prüfstein für die gesamte Branche werden.

Berlin/Hamburg - Das Berliner Biotechnologie-Unternehmen Epigenomics  will im Juli den Sprung an die Börse wagen. Das Listing soll im Prime Standard erfolgen, erklärte Sprecher Hong Thieu am Donnerstag auf Anfrage von manager-magazin.de. Erste Details zum Börsengang wie etwa die Preisspanne und das angestrebte Volumen werde Epigenomics am kommenden Sonnabend, 3. Juli, auf seiner Internetseite  veröffentlichen, sagte der Sprecher. Die offizielle Pressekonferenz ist für Montag, 5. Juli, in Frankfurt angesetzt.

Mit den Erlösen aus dem Börsengang, die hauptsächlich in das Unternehmen fließen sollen, wolle Epigenomics die Entwicklung weiterer Produkte sowie eine Erweiterung der Kompetenzen in den Bereichen regulatorische Angelegenheiten/Zulassung und klinische Forschung finanzieren. Konsortialführer ist die Investmentbank Morgan Stanley , die bereits die Postbank  an die Börse begleitete. Darüber hinaus zählen Lehman Brothers  und die DZ Bank zum Konsortium.

Roadshow startet am kommenden Montag

Bereits am kommenden Montag werde sich das Unternehmen auf Roadshow in Deutschland und den USA begeben und bei potenziellen Investoren vorsprechen. Das Aktienangebot inklusive der Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) stamme ausschließlich aus einer Kapitalerhöhung, sagte der Sprecher. Es bestehe aus einem öffentlichen Angebot in Deutschland sowie aus einer internationalen Privatplatzierung an institutionelle Anleger. Vor allem Letztere und weniger die privaten Investoren habe Epigenomics im Blick.

Zu dem angestrebten Volumen und dem erwarteten Emissionserlös wollte der Sprecher keine Angaben machen. Übereinstimmenden Presseberichten zufolge könnte sich das Emissionsvolumen auf bis zu 100 Millionen Euro belaufen. Die Erstnotiz in Frankfurt sei für den 16. Juli geplant. Epigenomics wäre nach Codon  das erste Unternehmen der Branche, das sich seit Februar 2001 in Deutschland an die Börse wagt.

Gewinne noch lange nicht in Sicht

Gewinne noch lange nicht in Sicht

Epigenomics beschäftigt 146 Mitarbeiter. 112 davon arbeiten in Berlin, die restlichen bei der US-Tochtergesellschaft in Seattle. Nach Angaben des Sprechers hat das Biotech-Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr (31.12.2003) mit seinen Verfahren zur Erbgutuntersuchung einen Umsatz von 10,8 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Nettoverlust habe 6,7 Millionen Euro betragen. Eine Prognose für das laufende Jahr wollte der Sprecher nicht abgeben. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" erwarte die DZ Bank für das Jahr 2004 einen Umsatz von 9,5 Millionen Euro und einen Verlust von 8,7 Millionen Euro.

Erfolg der Krebs-Diagnose-Verfahren ungewiss

Epigenomics hat sich nach eigenen Angaben das Ziel gesetzt, die Behandlungsmöglichkeiten von Krebs und anderen komplexen Erkrankungen zu verbessern. Dafür entwickelt das Unternehmen Testverfahren, mit denen auf Basis von Erbgutuntersuchungen Tumorzellen bereits in einem frühen Stadium festgestellt werden können. Sie sollen den Ärzten bei der Auswahl einer passenden Behandlungsmethode helfen. Der Vorteil für die Patienten soll darin bestehen, dass anstatt langwieriger Untersuchungen künftig bereits Bluttests ausreichen könnten.

Nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" dürften die Diagnostik-Testverfahren aber frühestens 2007/2008 Marktreife erreichen. Auch wenn Epigenomics seine Technologie durch zahlreiche Patente geschützt sieht und sie für die Krebsdiagnostik am besten geeignet hält, wie der Sprecher erklärte, ist nicht gesichert, ob sich diese Verfahren durchsetzen werden. Offen bleibt auch die nicht ganz unbedeutende Frage, ob Krankenkassen die Kosten für solche Untersuchungen tragen werden.

Viel versprechende Kooperation mit Roche

Bei der Entwicklung von Diagnostiktests für Krebs arbeitet Epigenomics nach eigenen Angaben seit März vergangenen Jahres eng mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche , dem Weltmarktführer im Diagnostikabereich, zusammen. Roche sei bereit, in den kommenden Jahren bis zu 100 Millionen Euro zu zahlen, sollte Epigenomics die nicht näher benannten Ziele in Forschung und Entwicklung erreichen, wie aus Angaben auf der Internetseite des Berliner Unternehmens hervorgeht. Darüber hinaus bestehen weitaus weniger umfangreiche Kooperationen mit den Pharmakonzernen AstraZeneca  (seit Januar 2004) und Wyeth Pharmaceuticals  (seit Dezember 2003).

IPO wird zum Prüfstein für die gesamte Branche

Epigenomics ist derzeit nicht der einzige Börsenkandidat der als risikoreich geltenden Biotech-Branche. So sind nach jüngsten Presseberichten auch die Berliner Jerini AG, die Münchener Micromet AG und die Göttinger Develogen im Gespräch. Die meisten jungen Unternehmen dieser Branche schreiben Verluste. Das geplante IPO von Epigenomics dürfte daher auch als Prüfstein für die gesamte Branche in Deutschland gelten, während sich der Markt im Ausland bereits wieder erholt zu haben scheint: Nach einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" haben in den USA seit September 2003 rund 40 Biotech-Firmen den Sprung an die Börse gewagt. Die Kursentwicklung allerdings sollte Anleger skeptisch stimmen. Die Hälfte der notierten Aktien rangiere noch heute unter dem Emissionskurs.

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