Hedgefonds Zum Wohle des Privatanlegers

Das Geschäft mit Hedgefonds kommt in Fahrt, obwohl der Vertrieb der neuen Anlageklasse noch schwierig ist. Nun wollen die Finanzaufsicht und der Bundesverband Alternative Investments strittige Fragen klären. Eile ist geboten, die Fondsanbieter wittern ein Milliardengeschäft.

Hamburg/Frankfurt am Main - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) feilt an den Regeln für den Verkauf von Hedgefonds. Vor allem der vom Gesetzgeber absichtlich erschwerte Vertrieb an Privatanleger (Private Placement) steht dabei im Mittelpunkt.

Bislang dürfen Einzel-Hedgefonds und ausländische Dach-Hedgefonds, für die keine deutsche Vertriebserlaubnis vorliegt, nur auf Nachfrage an Privatinvestoren verkauft und nicht öffentlich beworben werden. Das Finanzministerium will mit dieser Einschränkung Anleger in die von der BaFin kontrollierten Dach-Hedgefonds locken, da diese im Vergleich zu Einzel-Hedgefonds als vergleichsweise risikoarm gelten.

Verunsicherung herrscht dagegen in der Investment-Branche: Gilt zum Beispiel ein allgemeines Kundenanschreiben bereits als Werbung? Diese und andere Fragen sollen nun eindeutig geklärt werden. In Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Alternative Investments (BAI) hat die BaFin in dieser Woche eine Umfrage unter den Verbandsmitgliedern gestartet. Per Brief werde bei rund 90 BAI-Mitgliedern abgefragt, in welchen Bereichen sie im Private Placement Probleme haben, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD).

Generell gefasste Regeln

"Aus den Antworten wollen wir dann eine praktikable Lösung entwickeln", wird Horst Nottmeier, der bei der BaFin die Fondsaufsicht verantwortet, von der "FTD" zitiert. Achim Pütz, erster Vorsitzender des BAI, zufolge hat die BaFin die Regelung zum Private Placement "bisher eher sehr generell gefasst". Eine Auswertung der Antworten werde spätestens in vier Wochen erwartet.

Das neue Investmentmodernisierungsgesetz, in dessen Rahmen Hedgefonds erstmals in Deutschland zugelassen wurden, ist erst Anfang dieses Jahres verabschiedet worden. Seitdem hat die BaFin fünf Hedgefonds-Produkte und drei Erlaubniserweiterungen zugelassen. Weitere Anträge liegen bei der BaFin auf dem Tisch und sollen in Kürze abgenickt werden. Marktbeobachter erwarten deshalb für die kommenden Monate mehr Dynamik auf dem noch neuen Investment-Markt.

100 Milliarden in alternativen Investments?

Trotz einiger Anlaufschwierigkeiten beim Vertrieb bewerten Investmentprofis die Zukunft von Hedgefonds in Deutschland als gut. Wolfgang Mansfeld, Vorstand der zum genossenschaftlichen Bankenverbund gehörenden Union Asset Management, hat im "Handelsblatt" sogar Einlagen von bis zu "100 Milliarden Euro bei alternativen Investments" auf einen Zeitraum von vier Jahren prognostiziert. Und Wolfgang Leoni von der Deka Investment hält längerfristig 50 bis 60 Milliarden Euro für realistisch.

Die jüngsten Zahlen des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) geben den Experten Recht: Während die Zuflüsse in die klassischen Fonds im Mai dieses Jahres gegenüber dem Vormonat gesunken sind, stiegen die Zuflüsse in Hedgefonds deutlich an. "Die noch junge Fondskategorie der Hedgefonds führte im Mai mit Zuflüssen in Höhe von 409 Millionen Euro die Absatzliste bei den Publikumsfonds an", teilte der Fondsverband jüngst mit. Auf dem zweiten Platz folgten Rentenfonds. Ihr Mittelaufkommen belief sich auf 250,7 Millionen Euro.

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