Vorsorge Rente auf Sozialhilfeniveau

Politiker rechnen die gesetzliche Rente schön. Den statistischen "Eckrentner", der 45 Jahre lang steigende Beiträge zahlt, gibt es aber nicht mehr. Wer nicht bis 80 arbeiten will, muss jetzt handeln.

Rund die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer verlässt sich nach wie vor auf die gesetzliche Rente. Bis zum Jahre 2030 soll das Rentenniveau nicht unter 43 Prozent des Bruttolohns minus Sozialabgaben sinken.

Doch die Sicherheit ist trügerisch. Der Gesetzgeber legt seinen Berechnungen den so genannten "Eckrentner" als durchschnittlichen Rentenbezieher zu Grunde. Der hat 45 Jahre gearbeitet, dabei regelmäßig das Bruttodurchschnittsgehalt verdient und immer Rentenbeiträge abgeführt. Der Durchschnittsrentner auf dem Papier hat jedoch nur wenig mit dem Durchschnittsrentner der Wirklichkeit zu tun.

Durchschnittsrentner hat nur 39 Beitragsjahre

Die 2002 in Rente gegangenen Männer haben im Schnitt nur 39 Jahre Rentenbeiträge eingezahlt, die Frauen sogar nur 23 Jahre. 45 Jahre Arbeitszeit sind die Ausnahme. Das geht aus der aktuellen Studie "Kundenkompass betriebliche Altersversorgung" von Delta Lloyd und dem F.A.Z.-Institut hervor.

Die Folge: Der Durchschnittsrentner, der sich ausschließlich auf die gesetzliche Rente verlässt und nicht zusätzlich fürs Alter vorsorgt, wird faktisch zum Sozialfall. Denn die Bruttorente beim Renteneintritt wird bis 2030 dramatisch abfallen - auf 37,7 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. 2040 werden es sogar nur noch 35,6 Prozent sein, so der "Kundenkompass betriebliche Alterversorgung". Zum Vergleich: Zurzeit sind es noch 48 Prozent.

Rentenniveau auf Sozialhilfesatz

Ein Trend mit fatalen Folgen: So könnte das Rentenniveau nach dem Jahr 2050 auf den Sozialhilfesatz absinken. Letztgenanntes liegt konstant bei 26 Prozent des Brutto-Durchschnittseinkommens.

Alarmierende Zahlen - doch die Politik versucht den Arbeitnehmer zu beruhigen: Rein rechnerisch sei der dargebotene Eckrentner finanziell auf der sicheren Seite: Im Westen erhält er eine Monatsrente von 1.082 Euro. In Ostdeutschland würde der Eckrentner monatlich 951 Euro bekommen. Diese optimistischen Zahlen lassen die künftigen Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung außer Acht.

Die Prognosen sind zu optimistisch

Tatsächliche Ansprüche geringer als Prognosen

Zum einen verringert sich die durchschnittliche Lebensarbeitszeit. Die Ausbildungszeiten sind länger geworden, oft arbeiten die Menschen auch Teilzeit oder nehmen eine Auszeit vom Beruf. Zum anderen unterschreiten die Arbeitnehmer durch Mini- und Billig-Jobs häufig das Durchschnittseinkommen, das zur Bestimmung des Eckrentners herangezogen wird. Die Folge: Die tatsächlichen Rentenansprüche fallen geringer aus, als die errechneten Prognosen.

Als Ausweg für die Rentner von morgen bleibt die zusätzliche Absicherung in Eigenregie. Dafür bieten sich dem Arbeitnehmer zusätzlich zur gesetzlichen Rente zwei Alternativen: eine private Rente mittels Lebens- und Rentenversicherung sowie die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Dabei gilt: Je früher man mit einer privaten oder betrieblichen Altersvorsorge beginnt, desto höher sind die späteren Erträge aus den Renten- und Lebensversicherungen.

Wie man die Rentenlücke schließt

Gut für die Versicherten, denn hohe Erträge lassen die Versorgungslücke im Alter schrumpfen. Um als 65jähriger Mann tatsächlich eine Monatsrente von 1.000 Euro zu erhalten, müsste er allerdings einen Einmalbeitrag von rund 191.000 Euro einzahlen.

Die betriebliche Altersvorsorge wird jedoch nur zögerlich angenommen. Bislang haben 42 Prozent der Beschäftigten in Deutschland eine bAV abgeschlossen. Für 2004 plant nur jeder Zehnte auf diese Art vorzusorgen. Acht von zehn Beschäftigten werden hingegen nicht über ihren Arbeitgeber die Altersvorsorge betreiben.

Insgesamt nur fünf Prozent der Renteneinkünfte in Deutschland stammen aus der betrieblichen Altersvorsorge, so der aktuelle Kundenkompass von Delta Lloyd. Bei der Privatrente sieht es nicht anders aus: Viele Versicherte zahlen beispielsweise nicht mehr als 50 Euro monatlich für Kapitallebensversicherungen. Zu wenig, um die Versorgungslücke im Alter zu schließen.

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