Sonntag, 26. Mai 2019

Lebensversicherung Was Kunden wissen müssen

Die Steuerfreiheit fällt, die Deutschen werden älter und müssen mehr sparen, und die Finanzaufsicht zieht die Zügel an. Welche Versicherer schaffen den Spagat zwischen Risiko und Rendite? Eine Studie nennt die Großbaustellen einer Branche, die vor einer Auslese steht. Was Kunden und Aktionäre wissen müssen.

Hamburg / Köln - Das Schlimmste scheint vorbei. Nach zwei katastrophalen Jahren weisen die deutschen Lebensversicherer für das Jahr 2003 wieder steigende Gewinne und wachsende Kundenzahlen aus: Ein Trend, der in diesem Jahr anhalten dürfte. Viele Kunden dürften in diesem Jahr noch rasch eine Kapitallebensversicherung abschließen, um sich die Steuerfreiheit zu sichern. Ausländische Beobachter wie die Investmentbank Merrill Lynch sehen die deutschen Assekuranzen aus dem dunklen Tal herauskommen, und die Branche selbst sieht sich bereits wieder auf der Sonnenseite des Lebens.

 Rendite für den Ruhestand: Die Branche ist im Umbruch. Ein Versicherungs-Check lohnt
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Rendite für den Ruhestand: Die Branche ist im Umbruch. Ein Versicherungs-Check lohnt
Alles prima also? Nicht ganz. Die deutschen Lebensversicherer müssen jetzt eine Reihe von Herausforderungen meistern, um die Chancen der kommenden Jahre zu nutzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Ratingagentur Fitch: "Die Versicherer müssen zahlreiche Veränderungen in den Griff bekommen", meint Fitch-Analyst Marco Metzler, der gemeinsam mit den Analysten Christian Kühner und Tim Ockenga die Studie erstellt hat. Für den Kunden bedeutet das: Er muss die Risiken der Branche kennen, bevor er sich für einen Versicherer entscheidet.

Sterbetafeln, Steuer, stille Lasten - was sich ändert

Die Fitch-Studie benennt die größten Baustellen der deutschen Assekuranzen. Die Versicherer brauchen zum Beispiel weiteres Kapital, um den gesetzlich geforderten Sicherungsfonds zu finanzieren und strengeren Richtlinien der Finanzaufsicht zu genügen. Stille Lasten in Milliardenhöhe sind weiterhin ein Problem.

Zudem gelten ab 2005 neue Sterbetafeln in der Rentenversicherung - da die Rentner immer älter werden, müssen die Assekuranzen höhere Rückstellungen bilden. Außerdem zwingt der Wegfall der Steuerfreiheit die Anbieter zum Umsteuern: Nur wer dem Kunden ab 2005 renditestarke Alternativen bieten kann, setzt sich durch.

Herausforderungen, die allein durch Aufbruchstimmung und langsam wachsende Kundenzahlen nicht zu bewerkstelligen sind. Fitch hat daher den Ausblick für das Rating der deutschen Lebensversicherer auf "negativ" gesetzt. Die Branche ist im Umbruch - die Gewinner von morgen müssen sich jetzt beweisen.

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