Renditevergleich "Versicherer deklassieren Fonds"

Kapitallebensversicherungen schneiden bei der Rendite gegenüber Fondssparplänen im Schnitt besser ab. Das behauptet die jüngste Studie von "Map-Report" und handelt sich damit prompt schärfste Kritik ein.

Hamburg - Garantiezins und Überschussbeteiligung im Keller und auch der Steuervorteil soll fallen. Warum also noch eine Kapitallebensversicherung kaufen? Kritikern stellt sich diese Frage schon lange nicht mehr. "Zu langfristig, zu unflexibel, zu unrentabel", wenden sie häufig ein und raten zu anderen Produkten für die Altersvorsorge. Gerade bei der Rentabilität aber schneidet des Deutschen liebstes Vorsorgeprodukt im Vergleich zu Fondssparplänen besser ab als erwartet. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Studie von "Map-Report".

"Versicherer deklassieren Fonds", titelt Manfred Poweleit, Chefredakteur des Finanz-Informationsdienstes "Map-Report" - Klappern gehört zum Handwerk. Lassen sich schon Fonds mitunter schwer vergleichen, gilt dies erst recht für Kapitallebensversicherungen und Fondssparprodukte. Es darf daher nicht verwundern, dass sich an der Studie heftige Kritik entzündet hat.

Zunächst zur Studie: "Map-Report" hat die Ablaufleistungen hunderter Policen von 60 Lebensversicherern mit jenen aller vom Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) registrierten Fondssparpläne für den Zeitraum 1993 bis 2003 verglichen. Die ältesten Verträge liefen dabei von 1983 bis 1993, die jüngsten von 1993 bis 2003. Zugleich unterstellte das Magazin eine monatliche Sparrate von 50 Euro.

Um die grundsätzlich verschiedenen Produkte überhaupt vergleichbar zu machen, hat Poweleit die Laufzeit für zwölf Jahre laufende Lebensversicherungen auf zehn Jahre heruntergerechnet. Zugleich zog er einen Betrag von der Ablaufleistung der Fonds ab, da sie im Gegensatz zu Lebensversicherungen keinen Todesfallschutz bieten.

Pauschalaussagen über Fonds nicht zu halten

Das Ergebnis überrascht: Lediglich sieben Fondssparpläne haben die beste Lebensversicherung geschlagen. Weitere 133 schafften es im Schnitt des zu Grunde gelegten Zeitraumes aber nicht, die risikobereinigte Rendite der schlechtesten Police zu erreichen. Die restlichen der insgesamt 284 untersuchten Fondssparpläne bewegen sich in einem Renditespektrum, das auch mit der Assekuranz erreichbar sei. "Die pauschale Aussage, Fonds seien besser als Lebensversicherungen, ist danach absolut nicht haltbar", sagt Poweleit.

Mit einem Einzahlbetrag von insgesamt 6000 Euro erreichten die Kapitallebensversicherungen im Schnitt eine Ablaufleistung von 8308 Euro. Die der Aktienfondssparpläne lag bei 8616 Euro und jene der gemischten Fonds bei 8711 Euro. Dieses kleine Plus haben die Fondsparer allerdings mit einem deutlich höheren Risiko bezahlt. Letzteres könne dazu führen, dass sie noch nicht einmal ihr eingezahltes Geld zurückbekommen.

Die Rechnung mit dem Risiko

Die Rechnung mit dem Risiko

Sehr gut ablesbar sei die Risikoproblematik beim insgesamt erfolgreichsten Aktienfonds, dem Dit-Technologiefonds (ISIN: DE0008488834). Zehnjährige Sparpläne des Fonds wiesen innerhalb des untersuchten Zeitraumes im Mittel eine Ablaufleistung von 14.860 Euro aus. Das ist eine stolze Rendite von 17,23 Prozent im Schnitt der zehn Jahre. Wer allerdings 1993 anfing zu sparen und nach zehn Jahren am Stichtag 31.12.2003 ausstieg, bekam mit 5806 Euro Ablaufleistung die dreijährige Börsenbaisse voll zu spüren und damit weniger heraus als die eingezahlten 6000 Euro. Je nach Stichtag konnte die Ablaufleistung also deutlich vom Mittelwert abweichen.

Im Schnitt betrug diese Abweichung vom Mittelwert (14.860 Euro) laut "Map-Report" 9267 Euro. Um jetzt innerhalb des untersuchten Zeitraumes eine vom Risiko des unterschiedlichen Ausstiegs bereinigte Rendite zu errechnen, wurde die Standardabweichung (9267 Euro) von dem Mittelwert abgezogen. Die risikobereinigte durchschnittliche Ablaufleistung betrug demnach 5593 Euro und die risikobereinigte Rendite eben nicht 17,23 Prozent, sondern minus 1,43 Prozent.

Folglich unterschiedlich fiel die Bilanz von "Map-Report" aus: Beim Ranking der Ablaufergebnisse der BVI-Fondssparpläne im Zehn-Jahres-Mittel belegte der Dit-Technologiefonds Platz eins von 283. Risikobereinigt allerdings sprang für den gleichen Fondssparplan Platz 234 heraus.

Das Vorgehen wirkt auf den ersten Blick kompliziert, die Systematik ist aber plausibel. Der Ansatz - und das ist wohl der entscheidende Punkt - folgt der Überzeugung, dass Altersvorsorge grundsätzlich mit einer risikoaversen Einstellung angegangen werden sollte.

Unter dem Strich hat die Studie für die rund 60 kapitalbildenden Lebensversicherungen im Untersuchungszeitraum eine durchschnittliche, risikobereinigte Rendite von 6,04 Prozent errechnet. Sie ließen damit die Sparpläne von Rentenfonds (4,99 Prozent), gemischten Fonds (3,87 Prozent), Immobilienfonds (3,83 Prozent) und Geldmarktfonds (2,67 Prozent) hinter sich. Am Ende rangierten Sparpläne von Aktienfonds, die eine negative Rendite von 0,36 Prozent aufwiesen.

Kritiker sprechen von "Volksverdummung"

Die Studie hat indes scharfe Kritik hervorgerufen. Frank Braun, Geschäftsführer vom Verbraucherschutzverband Bund der Versicherten (BDV), sprach in diesem Zusammenhang von "Volksverdummung". Eine Zehn-Jahres-Betrachtung der Lebensversicherung sei "völlig unrealistisch", weil kein Verbraucher bei der Kapitallebensversicherung nach zehn Jahren an sein Geld käme, ohne hohe Verluste zu erleiden. Der Rückkaufswert sei zudem individuell sehr verschieden, gab BVI-Sprecher Andreas Fink zu bedenken.

Untersuchungszeitraum ist viel zu kurz

"Map-Report" bewege sich mit der Studie auch deshalb auf dünnem Eis, weil die Versicherer das Todesfallrisiko jeweils unterschiedlich berechneten: "Es gibt keine Gewissheit darüber, was zum Beispiel von 100 Euro Beitrag jeweils beim einzelnen Versicherer nach Abzug von Kosten und Todesfallschutz übrig bleibt", erklärte Fink.

BVI als auch BDV monierten darüber hinaus, dass ein Untersuchungszeitraum von zehn Jahren viel zu kurz sei. Für die Altersvorsorge müssten realistischerweise Perioden von 20 bis 30 Jahren verglichen werden. Ein längerer Vergleichszeitraum werde "zu völlig anderen Ergebnissen eindeutig zu Gunsten der Fondsanlage" führen, sagte Braun.

Die Volatilität der Ablaufleistungen von Fondssparplänen sei bei einem längeren Betrachtungszeitraum deutlich geringer, erläuterte Fink dazu. Im Gegensatz zu den Lebensversicherungen berechneten Fondsgesellschaften die Ablaufleistungen nicht jährlich, sondern vierteljährlich. Folglich müssten die Ausschläge bei einem Zeitraum von zehn Jahren bei Fondssparprodukten auch höher sein. Dies gelte erst recht für die von "Map-Report" untersuchte Periode 1993 bis 2003, in die die "schlimmste Baisse der vergangenen Jahrzehnte" fiel.

Zugleich wandte Fink ein, dass wohl nur wenige Privatinvestoren ihren Fondssparplan auf einem Börsentiefpunkt wie zum Beispiel im März 2003 auflösen würden, selbst wenn er dann fällig geworden wäre. "Diese Flexibilität bietet die Kapitallebensversicherung aber nicht."

Bund der Versicherten hegt bösen Verdacht

Die Kritik von BDV-Geschäftsführer Braun ging allerdings noch weiter. Sie gipfelte in der Unterstellung, "Map-Report" wolle die Versicherungswirtschaft mit der Studie unterstützen. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme: "Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es sich um ein Auftragsgutachten handelt."

"Map-Report" spricht von "Beleidigung"

"Map-Report macht keine Auftragsarbeiten"

Poweleit weist den Verdacht entschieden zurück. "Das ist eine schlimme Beleidigung", sagte Poweleit. "Map-Report macht keine Auftragsarbeiten", erklärte der Versicherungsexperte im Gespräch mit manager-magazin.de. Aus seiner Sicht mache sich sein Finanzinformationsdienst mit dieser Studie bei den großen Versicherungskonzernen "im Gegenteil sogar restlos unbeliebt".

Die Großen der Branche hätten bei den derzeit niedrigen Kapitalmarktzinsen nämlich kaum noch Interesse an dem Verkauf von Kapitallebensversicherungen, zumal sie gesetzlich verpflichtet sind, mindestens 90 Prozent der erwirtschafteten Kapitalerträge an den Versicherten auszuschütten. "Das bringt nicht genug Geld in die eigene Konzernkasse", so Poweleit.

Tatsächlich ist die hohe Ausschüttungsquote der Branche seit langem ein Dorn im Auge, und mittlerweile macht sich nach jüngsten Presseberichten auch die deutsche Finanzaufsicht darüber Gedanken, ob die Quote noch haltbar ist.

"Formal berechtigt", sagte Poweleit, sei die Kritik, dass eine Lebensversicherung mindestens zwölf Jahre laufe. Allerdings halte er es nach wie vor für legitim, zwölf Jahre laufende Versicherungspolicen mit Zehn-Jahres-Fondssparplänen zu vergleichen. Die "fehlenden zwei Jahre" würden "nicht sonderlich" ins Gewicht fallen. Dieser "leichte Versicherer-Vorteil" gegenüber den Fonds relativiere sich gerade mit Blick auf den gewählten Untersuchungszeitraum (1993 bis 2003) durch den Höhenflug an den Börsen zwischen 1996 und 2000.

Vergleich mit längeren Laufzeiten geplant

Poweleit räumte ein, dass die Performance von konkurrierenden Altersvorsorgeprodukten auch über einen längeren Zeitraum als zehn Jahre untersucht werden sollte. Er beabsichtige, eine entsprechende Vergleichsrechnung über 20 Jahre aufzustellen. Zur Behauptung, dass Fondssparpläne unter dem Gesichtspunkt der risikobereinigten, durchschnittlichen Rendite dann deutlich besser abschneiden würden, erklärte der Versicherungsexperte: "Da sollte sich die Fondsbranche nicht so sicher sein."

Ihm sei es nicht darum gegangen, Stimmung gegen Fonds oder Fondssparpläne zu machen. Zum einen hätten sieben Fondssparpläne besser als die beste Lebensversicherung abgeschnitten. Die Studie habe ebenso gezeigt, dass es zahlreiche Fondssparpläne gebe, die bei einem vergleichsweise geringen Risiko der Lebensversicherung ebenbürtige Renditen erwirtschaftet hätten.

Darüber hinaus dürfe das Ergebnis der Studie nicht auf die Zukunft übertragen werden. Die Verhältnisse könnten sich schnell verschieben, wie der Vergleich der aktuellen Studie mit der ersten aus dem Jahre 1999 zeige: Hier lagen immerhin 63 Fondssparpläne vor der besten Lebensversicherung.

Entweder - oder, das ist nicht die Frage

"Kein Produkt ist Selbstzweck. Jeder Verbraucher hat seine persönliche Lebensplanung und muss daran seine private Altersvorsorge ausrichten", sagte Poweleit. Unter dem Gesichtspunkt des Risikos sei seiner Meinung nach die Kapitallebensversicherung als Basis für eine private Altersvorsorge grundsätzlich aber das sicherste Produkt. Da eine Police für einen unbeschwerten Lebensabend nicht ausreiche, müsse der Verbraucher spätestens im Alter von 45/50 draufsatteln. Hier empfehle sich eine Rentenversicherung. Später käme nach Ansicht Poweleits ergänzend auch ein Fondssparplan in Betracht.

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