Freitag, 23. August 2019

Lebensversicherer Verschleiern mit System

Kaum eine Sparte beherrscht die Verschleierungstaktik so gut wie die Lebensversicherer, behauptet "Stiftung Warentest". Die Unternehmen informierten ihre Kunden völlig unzureichend. Das hat Methode, sagt Peter Hüttner im Gespräch mit manager-magazin.de.

mm.de:

Herr Hüttner, eine Studie hat erst kürzlich offenbart, jeder zweite Lebensversicherte wisse nicht, wie viel Geld ihm nach Ablauf seines Vertrages zustehe. Überrascht Sie das?

Kunden stochern im Nebel: Peter Hüttner, Projektleiter Lebensversicherung von der "Stiftung Warentest"
Hüttner: Nein. Was der Kunde am Ende seines Vertrages unter dem Strich tatsächlich erhält, kann keiner vorhersagen. Denn die Leistungen setzen sich aus einem garantierten Teil und einer Überschussbeteiligung zusammen. Der erste Teil ist sicherlich absehbar und steht auch in der Versicherungspolice. Die Überschussbeteiligung allerdings hängt wesentlich von der Entwicklung der Kapitalmärkte ab. Und diese lässt sich nicht seriös auf bis zu 30 Jahre im Voraus prognostizieren. So lange laufen Verträge aber mitunter.

mm.de: Nun wirft die Stiftung Warentest den deutschen Anbietern Verschleierungstaktik vor, was ja auch die Wissenslücken der Versicherten mit begründen könnte. Welches sind die Kernpunkte Ihrer Kritik?

Hüttner: Die Unternehmen sind dazu verpflichtet, ihre Kunden laufend über den Stand der Versicherung zu unterrichten. Wir kritisieren, dass viele Anbieter von Kapitallebensversicherungen in ihren Mitteilungen mögliche Leistungsfälle nicht deutlich unterscheiden und damit den Kunden im Unklaren lassen.

mm.de: Können Sie dafür ein Beispiel geben?

Hüttner: Leistungsfälle sind die vorzeitige Kündigung des Vertrages, der Ablauf der Police oder auch der Tod des Versicherungsnehmers. Nach den Unterlagen der von uns befragten 700 Versicherten haben wir festgestellt: Die Mehrzahl der betrachteten Unternehmen differenziert nicht zwischen den einzelnen Leistungsfällen. Das heißt, die dargestellten Beträge werden dem jeweiligen Leistungsfall nicht zugeordnet und sind deshalb kaum nachvollziehbar.

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung