G-7-Treffen Europäische Erklärungsnot

Die Finanzminister der sieben wichtigsten Industriestaaten haben sich für einen stabilen Devisenmarkt ausgesprochen. "Ungeordnete Bewegungen" seien unerwünscht. Dies klingt eher nach Erklärungsnot denn nach einer gemeinsamen Willensbildung. Der Dollar rutscht weiter ab.

Boca Raton - Die sieben wichtigsten Industriestaaten (G7) haben sich für stabile Devisenmärkte ausgesprochen. Bei ihrem Treffen in Boca Raton (US-Staat Florida) äußerten sie sich am Samstag auch optimistisch über den weltweiten Wirtschaftsaufschwung. Statt einer gemeinsamen Erklärung zur Dollar-Schwäche kam es aber lediglich zu einer eher unverbindlichen Stellungnahme zur Situation an den Devisenmärkten.

Europäische Politiker hatten zuvor auf eine Formulierung gedrängt, mit der der Höhenflug des Euro gestoppt werden könne. Doch daraus wurde nichts. Ohne die US-Währung zu erwähnen, bezeichneten die Finanzminister und Notenbankchefs der G7 zu starke Wechselkursschwankungen als unerwünscht.

Snow spielt Wechselkurs-Thema herunter

"Außerordentliche Schwankungen und ungeordnete Bewegungen in den Wechselkursen sind in Hinblick auf das Wirtschaftswachstum unerwünscht", hieß es in der Abschlusserklärung. "Wir beobachten die Devisenmärkte genau und kooperieren angemessen."

Der Devisenmarkt blieb von derlei Ankündigungen unbeeindruckt. Am Montag gab der Dollar sowohl zum Yen als auch zum Euro deutlich ab. "Offenbar testet der Markt, was die G7 wohl unter "außerordentliche Schwankungen" verstehen", sagte ein Händler. Es sei möglich, dass der Euro noch in dieser Woche sein Allzeithoch von 1,29 US-Dollar teste.

US-Finanzminister John Snow spielte das Thema Wechselkurse dagegen herunter. US-Unternehmen profitieren vom starken Dollar, was Arbeitsplätze schafft und der Regierung vor allem im Wahljahr willkommen ist.

Snow stellte das Thema Konjunkturanreize für die Weltwirtschaft in den Mittelpunkt. "Wir haben ein Wachstumsdefizit", sagte Snow. Die Minister und Notenbankchefs aus den USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan betonten zwar, dass die Konjunkturaussichten weltweit immer besser werden. Es bleibe allerdings noch viel zu tun.

US-Defizit soll bis 2009 halbiert werden

Nach den Worten von Finanzminister Hans Eichel sind dies in Europa weitere Strukturreformen. "Die Agenda 2010 hat eine große und positive Rolle gespielt", betonte er. In den USA gehe es vor allem um die Konsolidierung des Haushalts. Snow erläuterte den Plan seiner Regierung zur Halbierung des Haushaltsdefizits von heute 4,5 auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in fünf Jahren.

Die Minister forderten außerdem Argentinien auf, die mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarten Reformen für die Freigabe weiterer Kredite umzusetzen. "Wir werden es nicht hinnehmen, dass die Vereinbarungen mit dem IWF unterminiert werden", sagte Eichel.

Snow sei beauftragt worden, den Argentiniern dies unmissverständlich deutlich zu machen. Der IWF, dessen Direktor Horst Köhler an den Beratungen in Boca Raton teilnahm, entscheidet am 9. März über die Freigabe einer weiteren Kredittranche.

Zu dem Treffen in Boca Raton waren auch die Finanzminister Afghanistans und des Irak eingeladen. Snow würdigte ihre Pläne zur Stimulierung einer dynamischen Wirtschaft als beispielhaft. Afghanistan versprachen die Minister bis Juni weitere Finanzhilfen.

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