Prospekthaftung Anleger erhält Schadenersatz

Ein Anleger, der außerbörslich gehandelte Aktien kaufte, erhält 50.000 Euro Schadenersatz. Im Prospekt hätten wesentliche Angaben zur geplanten Kapitalerhöhung gefehlt, so das Oberlandesgericht Frankfurt.

Frankfurt am Main - Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt erhält nun erstmals ein Anleger, der in außerbörslich gehandelte Aktien investierte, Schadenersatz in Höhe von rund 50.000 Euro. Das Gericht sützte sich auf die Grundsätze der Prospekthaftung (AZ: 3 U 211/01).

Kapitalerhöhung verschwiegen

Das Urteil stellt maßgeblich darauf ab, dass im Prospekt mehrere geplante Kapitalerhöhungen und die daraus resultierende stark reduzierte Verkäuflichkeit der Wertpapiere verschwiegen wurden, so Rechtsanwalt Peter Gundermann von der Kanzlei Tilp & Kälberer. Aufgrund der bis zu drei Mal jährlich stattfindenden Kapitalerhöhungen konnten nahezu alle Interessenten ihre Aktien direkt von der Gesellschaft erhalten. Damit war für Aktionäre die Chance auf einen Verkauf fast unmöglich.

Im Prospekt fehlen somit wesentliche Angaben, weshalb das OLG einen Prospektnachtrag für erforderlich hielt, den es jedoch nicht gab. "Das Urteil hat Signalwirkung für viele Anleger, die in außerbörslich notierte Aktiengesellschaften investieren", so Gundermann.

Revision nicht zugelassen

Alle für den Aktienkauf möglicherweise bedeutsamen Tatsachen und eventuelle Risiken müssen laut Rechtssprechung für Anleger transparent sein. Dies gilt gerade auch für nicht am geregelten Markt notierte Wertpapiere.

Das OLG Frankfurt hat die Revision gegen das Urteil nicht zugelassen. Gunddermann vermutet, dass auch andere nicht börsennotierte Unternehmen Kapital durch Kapitalerhöhungen einsammeln und die Investoren über die damit verbundenen Risiken im Unklaren lassen.