Freitag, 13. Dezember 2019

Grauer Markt "Wer einmal reinfällt, fällt noch mal rein"

Der Anrufer verspricht fantastische Gewinne, und nach kurzer Zeit ist das Geld weg. Viele Anleger, die auf derlei Angebote hereingefallen sind, scheuen den Gang zum Gericht. Zu Unrecht. Rechtsanwalt Jens Graf über die Chancen geprellter Anleger, Schadenersatz durchzusetzen.

mm.de:

Der Verlust, den Anleger durch windige Geschäfte auf dem so genannten Grauen Kapitalmarkt erleiden, wird auf rund 40 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Woran erkennt der Investor, dass er sich in ein Haifischbecken begibt?

 "Nur wenige wehren sich" Rechtsanwalt Jens Graf vertritt geprellte Anleger
Frank Rogner/NETZHAUT
"Nur wenige wehren sich"
Rechtsanwalt Jens Graf vertritt geprellte Anleger
Graf: Die Trennlinie zwischen dem weitgehend unkontrollierten Grauen Markt und dem "seriösen" Kapitalmarkt ist unscharf, denn auch der Graue Markt vermittelt Produkte, die jede Bank im Angebot hat.

Das reicht von Termingeschäften über Immobilienbeteiligungen bis zu geschlossenen Spezialfonds, die sich an einem noch kaum bekannten Unternehmen mit angeblich revolutionärem Geschäftsmodell beteiligen. Selbst die wettbewerbswidrige Praxis des "Cold Calling", das heißt jemand ruft Sie unaufgefordert an und bietet "interessante Anlagemöglichkeiten", soll es auch schon bei normalen Geschäftsbanken gegeben haben. Ein starkes Warnsignal sind jedoch die Argumente "enorme Gewinnchance" und "nur noch für kurze Zeit". Der Anleger wird gezielt unter Zeitdruck gesetzt: Er müsse sich schnell entscheiden, um einen angeblichen Informationsvorsprung zu nutzen.

mm.de: Die meisten erwachsenen Menschen meinen, gegen derlei Verführungen immun zu sein. Wer zählt zu den potenziellen Opfern?

Das schnelle Geld

Die berühmte "vertrauliche" Geld-Transaktion aus Nigeria, der vielversprechende Gewerbepark, die Vorab-Beteiligung an einem kommenden Börsenstar oder das todsichere Termingeschäft: Die sogenannten "Loader" des Grauen Marktes locken Anleger mit diversen Angeboten. Statt zur Verdoppelung des Kapitals kommt es meist zur finanziellen Bruchlandung - doch Anleger können sich wehren.
Graf: Jeder Mensch ist dafür empfänglich. Insbesondere Freiberufler, Akademiker und leitende Angestellte, die im eigenen Beruf erfolgreich sind und sich für den Kapitalmarkt interessieren. Der Wunsch nach finanziellem Erfolg, die Annahme, dass der Gesprächspartner am Telefon auch nach kaufmännischen Grundsätzen handelt und das Wissen, dass enorme Kurssteigerungen in kurzer Zeit an den Börsen dieser Welt durchaus möglich sind, sorgen für eine gefährliche Offenheit.

Man kann zwar jeden Tag in der Zeitung lesen, dass mit der Chance auch das Risiko steigt. Selbst wenn der Anrufer 40 Prozent Rendite verspricht, werden aber nur noch wenige misstrauisch - warum auch? 40 Prozent Kursplus hat schließlich auch die T-Aktie in nicht mal einem Jahr geschafft.

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