US-Gewinne Das beste Quartal seit zehn Jahren

Die Gewinne der US-Unternehmen dürften im abgelaufenen Quartal so stark gestiegen sein wie seit zehn Jahren nicht mehr. Besonders Technologie- und Finanztitel sollten zu den Stars der Saison zählen: Fünf Gründe, warum die Zahlen nicht enttäuschen werden.

Hamburg / New York - Manchen Investoren wird nach neun Monaten Kursrallye langsam mulmig. Der Dax  hat seit März mehr als 80 Prozent zugelegt, und der Nasdaq Composite  notiert inzwischen auf dem höchsten Stand seit August 2001. Doch sollte die Berichtssaison für das abgelaufene Quartal so stark ausfallen wie vom Finanzdienstleister Thomson / First Call erwartet, dann könnte die Kursrallye an den Märkten zumindest noch bis Mai weitergehen.

Um durchschnittlich 26 Prozent dürften die im S&P 500 gelisteten Unternehmen ihre Gewinne im Vergleich zum vierten Quartal 2002 gesteigert haben, so die Schätzung bei First Call. Das wäre fünf Prozent mehr als im bereits starken dritten Quartal 2003 und der stärkste Anstieg seit dem Jahr 1993.

Mit seiner Prognose liegt First Call zwar leicht über der durchschnittlichen Analystenprognose, die einen Gewinnsprung von 22 Prozent erwarten. Doch dass die US-Unternehmen in den kommenden Tagen stolze Zahlen melden werden, hat viele Gründe.

Niedrige Hürde ist leicht zu nehmen

Den Boden für eine Rekord-Berichtssaison bereitet schlicht und einfach das schwache Vergleichsquartal: Im vierten Quartal 2002 beherrschte die Irak-Krise die Märkte, und die Gewinne der Unternehmen erholten sich nur zaghaft. "Im Vergleich zu 2002 werden wir ein starkes Schlussquartal 2003 erleben", sagt ein Händler und lehnt sich dabei nicht einmal weit aus dem Fenster: Ist die Hürde niedrig, kann man mit viel Luft dazwischen drüberspringen.

Tech- und Finanzsektor: Die Überflieger

Allerdings gibt es auch fundamentale Gründe, die Hoffnung für das Jahr 2004 machen. Der wichtigste ist zweifellos die wieder anziehende Konjunktur, die auf eine steigende Nachfrage hoffen lässt. Besonders auf Unternehmensseite sind in diesem Jahr wieder Investitionen fällig, um einem wachsenden Kaufinteresse gerecht zu werden.

Tech- und Finanzsektor: Erst feuern, dann feiern

Der dritte Grund für den Optimismus: Die meisten Unternehmen sind in der Krise schlanker geworden, haben Mitarbeiter entlassen und ihre Kosten rigoros eingedampft. Zieht jetzt die Konjunktur und damit die Nachfrage wieder an, wird sich dies bei niedrigeren Kosten in höheren Gewinnen auszahlen.

Zu den Spar-Weltmeistern gehörten in der Vergangenheit Finanz- und Technologieunternehmen, die in der Not tausende Mitarbeiter entlassen haben und jetzt von einer steigenden Nachfrage profitieren dürften. Im Bank- und Versicherungssektor ist ein Gewinnsprung von rund 40 Prozent möglich, und auch bei den Technologiewerten liegen die Schätzungen zwischen 25 und 35 Prozent.

Produktivität lässt sich nicht unendlich steigern

Zwar stellen Unternehmen weiterhin nur zögerlich neue Mitarbeiter ein, wie der enttäuschende US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Dezember zeigt. Doch langfristig werde sich dieser Kurs nicht durchhalten lassen, meint Rudolf Besch von der Dekabank: "Das starke Produktivitätswachstum der vergangenen zwei Jahre werde in dieser Form im Jahr 2004 nicht aufrecht zu erhalten sein da die Umstrukturierung schon weit gediehen sein. Daher werde sich eine weiterhin starke Nachfrage der privaten Haushalte, die von Steuererstattungen profitieren, bald auch am Arbeitsmarkt bemerkbar machen.

Wer vom Dollar-Crash besonders profitiert

Dollar-Crash bringt Unternehmen fünf Prozent Gewinn

Viertens: Der Dollar-Crash dürfte die Bilanzen der US-Unternehmen weiter aufpolieren. Mit einem fallenden Dollar steigen nicht nur ihre Verkaufschancen, da ihre Produkte im Vergleich zur Konkurrenz billiger werden: Ihre in Europa erzielten Umsätze werden - in Dollar bilanziert - bei der Quartalsabrechnung automatisch mehr wert.

Im vierten Quartal 2003 hat der Dollar rund 10 Prozent gegenüber dem Euro eingebüßt. Nach Schätzungen des Schweizer Bankhauses Julius Bär könnte dieser Faktor allein die Gewinne der US-Unternehmen um weitere fünf Prozent in die Höhe schrauben. Doch auch deutsche Unternehmen wie Adidas-Salomon  und Puma , die ihre Rohstoffe überwiegend im Dollar-Raum einkaufen bzw. in Asien produzieren lassen, dürften von einem schwachen Dollar profitieren: Analysten erwarten von Puma Ende Januar einen erneuten Gewinnsprung.

Kaum Gewinnwarnungen - Nokia steigert Optimismus

Die US-Unternehmenschefs haben also beste Voraussetzungen für positive Überraschungen. Und dass kaum einer der Firmenlenker den Optimismus im Vorfeld gebremst hat, werten Beobachter als fünftes Indiz für eine durch und durch erfolgreiche Quartalssaison. Lediglich der Computerhersteller Gateway und der Mischkonzern Honeywell  haben ein wenig Wasser in den Wein geschüttet - demgegenüber stehen mit Oracle , Ford , Siebel Systems  und dem Brokerhaus Bear Stearns eine ganze Reihe Unternehmen, die ihre Prognosen sogar erhöht haben.

Geradezu euphorisch reagieren die Märkte, wenn ein Branchenführer wie jüngst Nokia  seine Prognosen deutlich anhebt. Bei den meisten Unternehmen ist im Vergleich zu den Konsensschätzungen noch eine "stille Reserve" eingerechnet, denn kaum ein Unternehmens- oder Finanzchef lässt es sich nehmen, die Konsensprognosen bei guten Marktbedingungen zu übertreffen und am Bilanztag als Gewinner dazustehen.

Intel, Yahoo und GE gehen voran

Intel, Yahoo und GE melden Zahlen

In dieser Woche warten gleich ein paar Schwergewichte aus den Hoffnungssektoren Technologie und Finanzen mit Zahlen auf. Beim Chiphersteller Intel  erwarten Analysten einen Gewinn von 25 Cent je Aktie, bei Yahoo  und Apple  sind es elf bzw. 14 Cent. Alle drei Unternehmen melden am Mittwoch ihre Zahlen, bevor am Donnerstag mit der Banc of America das erste Finanzschwergewicht seine Karten offen legt. Am Freitag folgen Ebay  und der Mischkonzern General Electric .

Intel hatte im Dezember seine Umsatz-Prognose auf 8,5 bis 8,7 Milliarden Dollar erhöht. Auch die Investitionen für Forschung und Entwicklung will der weltgrößte Chiphersteller im Jahr 2004 erhöhen. Investoren haben diese Zuversicht bereits belohnt: Die Aktie hat sich seit März mehr als verdoppelt und ist weiterhin im steilen Aufwärtstrend.

Nach Einschätzung der Investmentbank Merrill Lynch  dürfte das abgelaufene Quartal einen "Höhepunkt des Gewinnwachstums" darstellen. Seit dem zweiten Quartal 2002 sind die Gewinne der Unternehmen erst zaghaft und seit dem zweiten Quartal 2003 umso kräftiger gestiegen.

Im zweiten Halbjahr wird die Luft dünn

Damit dürfte es den Unternehmen spätestens ab dem zweiten Halbjahr 2004 aber wieder deutlich schwerer fallen, mit zweistelligen Gewinnsteigerungen aufzuwarten. Bereits im dritten Quartal 2003 waren die Gewinne der Unternehmen - die Erleichterung nach dem Ende des Irak-Krieges war groß, und die umfangreichen Steuersenkungen zeigten erste Effekte - um mehr als 20 Prozent gestiegen. Unwahrscheinlich, dass sich auf diesem erhöhten Niveau weitere Überflieger zeigen werden.

Teures Öl und starker Euro bremsen

Die europäischen Unternehmen haben es auf Grund des starken Euro bereits in diesem Frühjahr deutlich schwerer, ähnlich imposante Zahlen aufzufahren wie die US-Konkurrenten. Investoren bleibt nur zu hoffen, dass ein weiterer Anstieg der US-Börsen die europäischen Indizes mit sich zieht.

Enttäuschungen sind in Europa nur eine Frage der Zeit - das Wirtschaftswachstum ist deutlich geringer als in den USA, die Nachfrage bleibt bescheiden, und der starke Euro knabbert an Umsatz und Gewinnen. Die deutlich gestiegenen Energiepreise - Öl notiert weiterhin deutlich über 30 Dollar pro Barrel - trifft Europa und USA gleichermaßen: Hier sind vor allem Chemieunternehmen anfällig, die als Frühzykliker aber auch von einer Konjunkturerholung profitieren sollten.

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