Goldfonds Glänzende Überflieger

Der schwindsüchtige Dollar und die angespannte weltpolitische Lage verhelfen Gold zu einem spektakulären Comeback. Die auf das Edelmetall spezialisierten Fonds profitieren doppelt und übertrumpfen mit ihrer Wertentwicklung Aktien- oder Rentenfonds deutlich. Noch ist der Einstieg für Anleger nicht zu spät.
Von Harald Grimm

Hamburg/Frankfurt am Main - Gold macht seinem Ruf als Krisenwährung wieder Ehre. Einem Fieberthermometer gleich reagiert das Edelmetall auf Stress und Verzerrungen im Kapitalmarkt mit Kursschwankungen. Seit Anfang Dezember notiert die Feinunze sogar schon über der psychologisch wichtigen Marke von 400 Dollar.

Vor allem der jüngste Kurseinbruch des Dollar (Chart ) hat dem Goldpreis einen neuen Schub verliehen. Als am vergangenen Montag der Greenback zum Euro auf ein Rekordtief gefallen war, stieg im Gegenzug der Kurs des Edelmetalls auf ein Siebeneinhalb-Jahreshoch. "Gold tanzt nach der Pfeife des Dollar", erklärt Peter Hillyard von der ANZ Investment Bank.

Neben den kurzfristigen Marktreaktionen haben Anleger Gold aber auch als langfristig stabiles Investment wieder entdeckt. Branchenexperten machen etliche Gründe für die Renaissance des Edelmetalls aus:

  • Die zunehmende Staatsverschuldung senkt das Vertrauen in den Dollar und andere Staatswährungen
  • Mit dem Platzen der Technologieblase haben Aktien als Geldanlage an Renommee eingebüßt
  • Die weltpolitischen Spannungen veranlassen Anleger zur Risikodiversifizierung
  • Mit dem 1999 unterzeichneten "Washingtoner Agreement" ist der Goldverkauf von 15 der wichtigsten Notenbanken weltweit reglementiert
  • Angesichts des stark gestiegenen Geldmengenwachstums - vor allem in Japan und den USA - gewinnt Gold als inflationsresistentes Investment an Bedeutung
Die Chancen stehen zumindest gut, dass der Goldpreis auch in den kommenden Monaten weiter nach oben klettert. Besonders optimistische Marktteilnehmer prognostizieren sogar schon die alten Rekordstände von Anfang der 1980er Jahre, als die Feinunze bei 850 Dollar notierte. "Der Trend ist intakt, und Gold ist immer noch unterbewertet", heißt es am Londoner Markt, dem weltweit wichtigsten Handelsplatz für das gelbe Metall.

Goldfonds - mit Hebelwirkung zum Erfolg

Wer von der laufenden Gold-Rallye profitieren möchte, sollte jedoch besser in Fonds statt in Barren investieren. Anlegern kommt die Hebelwirkung zugute, da die Minenaktien überproportional zum Goldpreisanstieg zulegen. Der Grund liegt in den festen Abbaukosten, die vom Verkaufspreis nicht beeinflusst werden. Nach Ansicht von Branchenexperten verzeichnen Minenunternehmen ein Gewinnwachstum von 30 bis 50 Prozent, wenn der Goldpreis nur um zehn Prozent zulegt.

Gegenüber einer Aktie ist der Fonds wiederum im Vorteil, da trotz der jüngst guten Goldpreis-Entwicklung die Branche großen Schwankungen unterlegen ist und ein Einzelengagement sehr risikoreich ist. Lohnenswert können auch Zertifikate auf den Goldpreis sein, die günstige Konditionen und hohe Handelsvolumina aufweisen. Vorteilhaft sind für deutsche Anleger auch abgesicherte Zertifikate, die das Währungsrisiko ausschalten.

Goldfonds führen das Performance-Ranking an

Barren setzen Staub an

Wer hingegen in Gold in seiner puren Form - sei es als Münze oder als Barren - investiert, muss erhebliche Nachteile in Kauf nehmen: Der Anleger erhält keine Dividende und kann nicht von technologischen Fortschritten, also günstigeren Abbauverfahren der Minengesellschaften profitieren. Als weitere Nachteile haben sich die geringen Handelsumsätze erwiesen, die zu hohen Kauf- und Verkaufsgebühren führen. Banken kassieren zudem noch für die sichere Lagerhaltung.

Auch die früher beliebten Münzen sind nur eingeschränkt zu empfehlen. Meist rechtfertigt der Materialwert nur einen Teil des Preises. Da nur die wenigsten Münzen einen echten Sammlerwert aufweisen, streicht der Herausgeber der Münzen einen großen Teil des Prägewertes ein. Der Anleger muss dann mehr Geld ausgeben, als es dem inneren Wert der Münze entspricht. Für den Emittenten der Münzen ein gutes Geschäft, nicht aber für den Käufer.

Ein kaum zu kalkulierendes Risiko stellt zudem der Dollar dar, denn der Goldpreis wird traditionell in der US-Währung festgestellt. Wenn der Goldpreis also um zehn Prozent steigt, gleichzeitig aber der Dollar zum Euro um fünfzehn Prozent verliert, hätte ein Anleger unterm Strich ein Minusgeschäft gemacht.

Goldfonds laufen Aktien- und Rentenfonds den Rang ab

Phänomenale Gewinne konnten Investoren hingegen mit den renommierten Goldfonds einstreichen. Im Drei-Jahresranking der Anlageexperten von Morningstar werden die ersten sechs Plätze geschlossen von Goldfonds angeführt. Für diesen Performance-Test werden über 300 in Deutschland zugelassene Investmentfonds verglichen, die weltweit in die verschiedensten Anlagemöglichkeiten investieren.

Mit einem Wertzuwachs von über 250 Prozent von Dezember 2000 bis Dezember 2003 führt der PEH Q-Goldmines  die Gewinnerliste an. Fondsmanager Martin Siegel investiert bis zu 100 Prozent des Fondsvermögens in Goldminenaktien, wobei die Anlagen aus Gründen der Risikoreduzierung geographisch breit gestreut werden. Australien, Kanada und Südafrika sind von der Ländergewichtung her überproportional vertreten.

Der Merrill Lynch IIF World Gold Fund A2  nimmt mit einem Wertzuwachs von 230 Prozent den zweiten Platz ein. Der von Graham Birch betreute Fonds streut das Anlagekapital breiter und investiert auch in Industrie-Mineralaktien und Bergbau-Titel. Anders als der PEH-Fonds ist der Merrill Lynch World Gold Fund nicht in Euro sondern in Dollar aufgelegt. Deutsche Anleger gehen hier ein Währungsrisiko ein, das nicht abgesichert ist.

Der dritte Goldfonds mit einer Steigerungsrate von über 200 Prozent ist der ebenfalls in Dollar aufgelegte AIG Equity Fund Gold . Die Anlagestrategie unterscheidet sich deutlich von den oberen zwei. Der Fonds investiert weltweit nicht nur in Aktien, sondern auch in Wandel- und Optionsanleihen von Unternehmen, die vorwiegend in der Gewinnung, Verarbeitung und Vermarktung von Gold tätig sind.

Deutlich überdurchschnittliche Wertzuwächse mit mehr als 100 Prozent haben in den vergangenen drei Jahren auch die folgenden Goldfonds verzeichnet: DWS Goldminenaktien Typ , Sogelux Fund Equities Gold Mines , Capital Invest Gold Stock  und Swissca Gold .

Starke Kursschwankungen trüben den Glanz

Starke Kursschwankungen trüben den Glanz

Trotz der beeindruckenden Performance empfehlen Investmentprofis die Goldfonds jedoch nicht uneingeschränkt. Denn auf Grund des zuvor schon angesprochenen Hebeleffektes können Goldaktien zwar innerhalb kürzester Zeit deutliche Steigerungsraten verzeichnen, sollte der Goldpreis jedoch wieder fallen, ist auch mit schnellen Kursrückgängen bei den Aktien der Minenbetreiber zu rechnen.

Dementsprechend hoch ist auch die Schwankungsanfälligkeit der Goldfonds. Morningstar hat eine Standardabweichung oder Volatilität von über 30 Prozent auf einen Zeitraum von drei Jahren berechnet. Geradezu bescheiden wirkt dagegen die Schwankungsanfälligkeit von weltweit anlegenden Aktienfonds, die mit knapp 17 Prozent beziffert wird.

Hier zahlt sich die Anlagestrategie des DWS Gold Plus  aus, der nach Morningstar-Berechnungen lediglich eine Standardabweichung von elf Prozent aufweist. Der Fonds investiert in kurzlaufende festverzinsliche Anlagen und legt zudem Teile des Fondsvermögens sowohl in Edelmetallkonten als auch in Termin- und Optionsgeschäften auf Edelmetalle an. Auf drei Jahre gerechnet haben Anleger damit immerhin 27,5 Prozent verdient.

Farbe im Depot

Aber egal, wie ausgeklügelt die Anlagestrategie eines Goldfonds auch ist, einen dauerhaften Preisverfall des Edelmetalls wird der Fondsmanager nicht abfedern können. Und die nunmehr jahrtausendealte Geschichte, in der sich Gold als Standardwährung oder als Krisenwährung bewährt hat, zeigt deutlich, dass Investoren große Preisschwankungen in Kauf nehmen müssen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Depot eignet sich ein Goldfonds aber vor allem in unsicheren Zeiten gut.

Dank des "Washingtoner Agreements", welches im kommenden Jahr neu verhandelt wird, ist zumindest kurzfristig auch nicht mit einer Goldschwemme aus den Beständen der Zentralbanken zu rechnen. Im Gegenteil: Vor allem in Asien sollen die Notenbanken derzeit auf Einkaufstour sein, da das Vertrauen in den Dollar bröckelt.

Goldbestand der Notenbanken

Land Tonnen *Anteil in %
1. USA 8135,4 56,9
2. Deutschland 3439,5 43,4
3. IWF 3217 -
4. Frankreich 3024,8 54,1
5. Italien 2451,8 45,9
6. Schweiz 1722,8 31,1
7. Niederlande 842,5 48,6
8. EZB 766,9 -
9. Japan 765,2 1,6
10. China 600,3 1,9
*Anteil am Gesamtbestand ausländischer Reserven. Quelle: World Gold Council, Sep. 2003
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