Goldman Sachs "Ein großes Jahr für Asien"

Das Jahr 2004 könnte das Jahr des asiatischen Selbstvertrauens werden, meint Jim O´Neill, Chefvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs. Vor allem China dürfte dafür sorgen, dass die Weltwirtschaft im kommenden Jahr stärker als erwartet wächst.

New York - Um stolze 4,2 Prozent dürfte die globale Wirtschaftsleistung im Jahr 2004 zulegen, schätzt O'Neill. Damit ist der Goldman-Experte optimistischer als die meisten seiner Kollegen, die im Durchschnitt von einem globalen Wachstum von 3,9 Prozent ausgehen. Die Stärke der asiatischen Länder, allen voran China, dürfte bei dieser Entwicklung den Ausschlag geben und selbst dann für Impulse sorgen, wenn das Wachstum in den USA leicht hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Überraschungpotenzial in Japan

Das Bruttoinlandsprodukt in China könnte im Jahr 2004 um 9,5 Prozent steigen, schätzt O'Neill. Damit traut er den Chinesen knapp zwei Prozent mehr Wachstum als der Durchschnitt zu. In Japan stehe die Erholung noch auf wackeligen Beinen, doch könne das Land sich schneller als erwartet aufrappeln und den Effekt verstärken, dass Asien den USA und Europa im kommenden Jahr die Show stiehlt.

Sollte Japan das Deflationsproblem in den Griff bekommen, könnte Japan außerdem "eine der größten positiven Überraschungen 2004" werden und seine Wirtschaftsleistung um knapp zwei Prozent steigern. Für Überraschungen habe die boomende Volkswirtschaft in China dagegen kaum noch Raum, denn die höchsten Erwartungen werden ohnehin weiterhin an China gestellt.

"Wir glauben nicht, dass sich die Wachstumsdynamik in China abschwächen wird", schreibt O'Neill in seinem Jahresausblick für das Jahr 2004. Davon dürften auch die anderen asiatischen Staaten profitieren, die zunehmend mehr Waren und Dienstleistungen nach China exportieren. Das Jahr 2004 dürfte daher für Investoren in Asien erneut ein großes Jahr werden, meint O'Neill.

USA: Der Dollar bleibt schwach

Für die USA ist der Chefvolkswirt etwas skeptischer als viele seiner Kollegen. Er geht von einem Wachstum von 3,7 Prozent und einer anhaltenden Dollarschwäche aus. Die Durchschnittserwartungen für das US-Wachstum liegen laut der November-Ausgabe von "Consensus Economics" bei 4,2 Prozent. Die Dollarschwäche dürfte auch im kommenden Jahr ein Thema an den Finanzmärkten bleiben. O'Neill rechnet nicht damit, dass die US-Notenbank Fed bereits im kommenden Jahr ihre Politik der niedrigen Zinsen verändern wird.

Euroland: Der unterschätzte alte Kontinent

Auch mit Blick auf Euroland stemmt sich O'Neill gegen den Trend: Er traut den Europäern sehr viel mehr zu als die meisten Konkurrenten. Die Experten von Goldman Sachs seien höchst verwundert, dass die meisten Analysten von Euroland ein Wachstum von gerade einmal 1,7 Prozent erwarten: Das Investmenthaus erwartet eine Steigerung um mindestens 2,6 Prozent. Die Industrieproduktion in Euroland dürfte stark anziehen, und auch vom privaten Konsum erwarten die Experten eine deutliche Belebung. Euroland habe einiges aufzuholen, und die Chancen für einen "Catch up" stünden gut.

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