Interview "Der Platz unter dem Weihnachtsbaum wird nicht leer bleiben"

Als Fondsmanager bei Union Investment beschäftigt sich Thomas Jökel auch mit "Spielkram": Eine wenig konjunkturanfällige Branche mit stetigem Wachstum. Einigen Unternehmen traut Jökel künftig besonders aussichtsreiche Geschäfte zu.
Von Christian Buchholz

mm.de:

Traditionell ist das vierte Quartal für die Spielzeug-Branche das stärkste – wie viel Prozent des Jahresumsatzes fallen hier an?

Jökel: Rund 40 Prozent.

mm.de: Kann man schon sagen, welches in diesem Jahr die Renner im Weihnachtsgeschäft waren?

Jökel: Spielkonsolen wie Sonys Playstation, Microsofts Xbox und Nintendos GameCube sind die Renner. Entsprechend hoch sind die Umsätze mit Spiele-Software – ein Trend, der seit mehreren Jahren ungebrochen ist.

mm.de: Einige Software-Hersteller bieten ihre Spiele in mehreren Versionen für unterschiedliche Konsolen und den PC an. Haben diese ähnliche Entwicklungschancen wie die Hardware-Anbieter?

Jökel: Es kommt darauf an, wer die besseren Spiele hat – die Konsolenhersteller selbst – oder ihre Mitbewerber. Grundsätzlich bleibt aber zu sagen, dass die Software die entscheidenden Margen mitbringt. Die Hardware bleibt dagegen teilweise sogar ein Zuschussgeschäft.

mm.de: Wäre also momentan die Aktie eines reinen Software-Anbieters die bessere Wahl?

Jökel: Nicht unbedingt. Wir haben Nintendo im Portfolio, einen "Pure-Play"-Titel. Dabei bietet der Konzern zwar Spiele und Hardware an – aber damit ist das Kerngeschäft auch schon umfassend beschrieben. Bei Sony und Microsoft dagegen ist die Spielesparte nur eine von vielen. Die Titel reagieren dadurch nicht so stark auf Spieletrends.

mm.de: Lassen sich spekulative und konservative Titel in dem Segment auseinanderhalten?

Jökel: Grundsätzlich sind Retailer wie Toys R Us die konservativeren Aktien – in Abgrenzung gegen Spiele- und Spielzeughersteller, wie beispielsweise die deutsche Zapf Creation AG. Der Puppenhersteller glänzt übrigens aktuell mit guten Geschäftszahlen bei ansehnlichem Wachstum.

mm.de: In welchen Ländern sehen sie die höchsten Wachstumschancen für den Gamesoftware- und Spielzeugmarkt in den kommenden Jahren?

Jökel: Das Wachstum dürfte sich analog zum allgemeinen Wachstum des Bruttosozialprodukts steigern. Überdurchschnittliche Nachfragesteigerungen sind daher insbesondere in Asien, in zweiter Linie dürften die Anbieter auch in Osteuropa profitieren.

mm.de: Wenn die Konjunktur durchhängt - sparen die Konsumenten dann das Geld für Spiele? Oder ist das ein Bereich, in dem stattdessen die Einnahmen der Anbieter stabil bleiben?

Jökel: Das Spielegeschäft ist etwas konjunkturresistenter als andere Bereiche. Keine Eltern werden den Platz unter dem Weihnachtsbaum leer lassen wollen. Die Branche kann sich zwar nicht komplett von der Konjunkturentwicklung lösen. Aber im Zweifel gibt es unter vielen Weihnachtsbäumen eben erstmal nur ein Spiel statt der gewünschten zwei. Wenn der Wunsch bleibt, wird er vielleicht etwas später erfüllt.

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