Konsumwerte Spielraum für Kurse

Für das Freizeitvergnügen der Kleinen und Junggebliebenen werden hohe Summen aufgebracht. 31 Milliarden Dollar sind es weltweit voraussichtlich in diesem Jahr allein für Spielekonsolen und die passende Software. Doch der Kampf um Marktanteile ist hart.
Von Christian Buchholz

Bob, der Baumeister, sieht gar nicht so viel anders aus als ein Playmobil-Männchen. Ein simpler Charakter. Aber die Figur mit Latzhose und Bauhelm gehört zu den Kassenschlagern in diesem Jahr – als Stoffpuppe, auf CD-Rom oder Video verkauft sich Bob, der auch eine eigene TV-Sendung bekommen hat, ausgezeichnet. Bob's Lieblingssatz hat sich damit auch für seine Mutter Hasbro, den zweitgrößten Spielzeughersteller der Welt, bewahrheitet: "Schaffen wir das? Jo, wir schaffen das!", motiviert sich Bob.

An der Börse muss es Hasbro (Parker, MB, Playskool) mit Produkten wie Monopoly, Scrabble, Teletubbies und Pokémons allerdings erst noch schaffen, den Kurs zu steigern: Seit 1997 hat sich die Notierung halbiert. Für das dritte Quartal 2002 allerdings hat Hasbro einen Gewinnsprung von 10 Prozent auf 56 Millionen Dollar vorzuweisen.

Was Baumeister Bob für Hasbro schaffen soll, verspricht sich Weltmarktführer Mattel von Kasey, einem kleinen Roboter. In den USA ist das 65 Dollar teure Spielzeug in vielen Städten bereits ausverkauft. In Fachzeitschriften werden die "niedlichen Animationen" des Elektrospielzeugs gelobt. Kasey bietet 40 interaktive Funktionen und will den Kindern, die mit ihm spielen, Freundschaftlichkeit, Humor, Lesen und Rechnen beibringen.

Wachstum und höhere Margen

Mattel (Barbie, Fisher Price, HotWheels, Matchbox) konnte im dritten Quartal seinen Gewinn um 40 Prozent auf 280 Millionen Dollar steigern. Der Aktienkurs bildet dieses Plus allerdings noch nicht ab.

Ebensowenig gelingt es dem - vor Wal-Mart - größten Spielwarenhändler der Welt Toys "R" Us den Negativtrend an der Börse zu brechen. Obwohl die Konzern-Bilanzen weitaus weniger rote Felder aufweisen als bei den meisten anderen Konsumtiteln, ist die Aktie heute rund 70 Prozent von ihren Höchstständen entfernt.

Analyst Aram Rubinson von der Banc of America nimmt dennoch an, dass die Erwartungen von Toys "R" Us an das Weihnachtsgeschäft "übertrieben hoch" seien, und vergibt trotz des für einen ehemaligen Bluechip dramatischen Kursverfalls nur ein "Halten"-Urteil. Die entscheidende Frage bei dem US-Kinderparadies dürfte auch künftig lauten, ob die Anforderungen Wachstum und höhere Margen umsetzbar sind.

Das will der kleine oberfränkische Puppenhersteller und einzige börsennotierte deutsche Spielwarenhersteller Zapf Creation ebenfalls erreichen. Ein Vorsteuer-Gewinnplus von zuletzt 18 und ein Umsatzsprung um 13 Prozent auf 215 Millionen Euro gereichten dem MDax-Wert zuletzt zur Ehre. Doch der Kurs bleibt weiterhin deutlich unter dem Jahreshoch von 30 Euro.

Die Perspektiven der Spielzeughersteller

"Baby Born" around the world

Mögliche Begründung: Auf dem deutschen Markt für hochwertige Puppen hat Zapf bereits einen Anteil von etwa 70 Prozent erreicht. Weniger gesättigt ist dagegen der US-Markt, auf dem Zapf bereits über die Aufnahme ins Wal-Mart-Sortiment Fuß gefasst hatte. Anschließend wurde Zapf von der größten Warenhauskette der Welt ausgelistet, jetzt stehen die Puppen wieder in den Regalen.

Hintergrund des Wechselspiels: Während Mütter in Deutschland den Töchtern noch gerne Puppen in dem Stil schenken, den sie aus ihrer Kindheit kennen, wollen die Amerikaner möglichst jährlich Neuheiten.

Darauf muss sich die im Rödental beheimatete Zapf AG noch einstellen. Mit dem Erfolgsschlager "Baby Born", der Puppe, die Wasser lassen kann, lässt sich zumindest in den USA nicht über Jahrzehnte Geld verdienen. Das wissen auch die Investoren.

Antiquität als Alternative

Anleger in Steiff, Käthe Kruse, Märklin, Bing oder Hornby sind dagegen weitgehend vor Wertverlusten gefeit – allerdings nur, wenn es sich um rare Antiquitäten handelt. Vor zwei Jahren fand ein Steiff-Teddy (Modell: Trauerbär) für 153.000 Euro einen neuen Besitzer. Eine 600-Stück-Sonderauflage, die Steiff 1912 an Hinterbliebene der Titanic-Katastrophe verschenkte. Eine Märklin-Eisenbahn von 1906 kommt auf etwa denselben Preis, eine gut erhaltene Puppe von Kämmerer & Reinhardt kostet heute 100.000 Euro.

Obschon eine Alternative zur Geldanlage, macht das Geschäft mit antikem Spielzeug natürlich nur einen verschwindend kleinen Bruchteil des Umsatzes in der Branche aus. Die größten Summen werden von den Anbietern der Spielekonsolen gemacht: Auf 31 Milliarden Dollar schätzt Credit Suisse den Umsatz allein in diesem Jahr – ein Fünftel mehr als 2001.

Die Zukunft ist das Online-Gaming

Zu Preisen ab 50 Euro pro Spiele-CD lassen sich die Konsolen von Sony (Playstation 2), Microsoft (XBox) und Nintendo (GameCube) bestücken. Und nur mit den Spielen verdienen die Anbieter gutes Geld. So schätzte Merrill Lynchs Internet-Spezialist Henry Blodget, dass Microsofts erste Generation der XBox ein Zusatzgeschäft von 100 Dollar pro Stück war. Die neue Version "Live" soll den Hersteller nach Branchenschätzungen sogar 150 Dollar mehr kosten, als sie im Verkauf erzielt.

Derzeit ist Sony mit der Playstation 2 noch unangefochtener Marktführer. Doch in Zukunft könnten sich die Marktanteile stark verändern. Zu gewinnen ist jetzt der Kampf im Online-Gaming. Das Spielen über das Internet, mit dem heute 670 Millionen Dollar umgesetzt werden, wird sich nach einer Studie des Marktforschers Datamonitor rasch verbreiten. Geschätzter Umsatz 2004: zwei Milliarden Dollar.

Interview: Fondsmanager Jökel zur Spielwarenbranche

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