Fußballaktien Raus aus dem Stadion

Zwei Jahre nach dem Börsengang von Borussia Dortmund spielt der Verein oben mit, doch die Aktie dümpelt im Kurskeller. Die Erfolgsgeschichte von Manchester United konnte keine der 37 übrigen börsennotierten Vereine wiederholen. Es gibt Wege, den Aktien einen Kick zu verleihen: Sie liegen jedoch außerhalb des Platzes.

Von diesem Erfolg träumen alle. Eine sagenhafte Kurssteigerung von mehr als 1000 Prozent hat die Aktie des Fußballclubs Manchester United hingelegt. Der Börsenwert des Vereins, der im Jahr 1991 den Tottenham Hotspurs auf das Parkett folgte, hat sich bis zu seinem Höchststand im März 2000 mehr als verzehnfacht. Der englische Renommierclub knackte in der Saison 2000/2001 die Umsatzgrenze von 200 Millionen Euro und gehört zu den reichsten und erfolgreichsten Fußballunternehmen der Welt: Der Marke "ManU" wird in zahllosen Fanshops in mehr als 60 Ländern von Großbritannien bis Japan gehuldigt.

Dem Märchen folgten viele Pleiten

Der Erfolg bleibt einzigartig. Die meisten Vereine, die dem Beispiel von Manchester United folgen wollten, sind an der Börse böse abgestürzt. Selbst das Papier von Krösus ManU hat sich im Laufe der vergangenen zwei Jahre mehr als halbiert: Die Zeiten, in denen horrende TV- und Sponsoreneinnahmen die Kassen klingeln ließen, sind vorbei. Von den 38 derzeit an der Börse gelisteten europäischen Fußballvereinen, darunter klangvolle Namen wie AS Rom, Juventus Turin und Borussia Dortmund, notieren derzeit nur drei Titel über Emissionskurs.

Beispiel Borussia: Absturz nach IPO

Eindrucksvolles Beispiel, wie hochfliegende Börsenhoffnungen platzen, ist die Aktie des bisher einzigen an der Börse notierten Bundesligavereins Borussia Dortmund. Genau zwei Jahre nach dem IPO dümpelt die Aktie des Deutschen Meisters und Champions-League Teilnehmers rund 60 Prozent unter ihrem Emissionspreis. Manager Michael Meier wird die Aktionäre, die in dieser Woche zur Hauptversammlung zusammenkommen, auf bessere Zeiten vertrösten müssen.

Kaum jemand interessiert sich für das Papier, obwohl der Club die Meisterschale gewonnen hat und das Westfalenstadion zu den Spielorten der kommenden Fußballweltmeisterschaft zählen wird. Rivale Bayern München hat seine Börsenpläne angesichts dieses Trauerspiels wieder in der Schublade verschwinden lassen. Dies liegt nicht nur an der berühmten Skepsis der Deutschen: Auch im Ausland fristen die Aktien von Ajax Amsterdam und Juventus Turin ein Schattendasein , obwohl die Teams jeweils die nationalen Meistertitel errungen haben. Erfolg auf dem Rasen bedeutet noch lange nicht Begeisterung auf dem Parkett.

Warum Vereine leiden

Warum Vereine leiden

Die Börsenflaute kann kaum als Grund für die Krise der Fußball-Aktien herhalten. In den Jahren des Booms war den Top-Vereinen kein Spieler zu teuer, die Spielergehälter sind mit 21 Prozent pro Jahr seit 1998 deutlich stärker gestiegen als der Gesamtumsatz (plus 16 Prozent). Nach dem Scheitern des britischen Pay-TV-Sender ITV und dem Zusammenbruch des Kirch-Imperiums treten die TV-Anstalten kräftig auf die Kostenbremse: Dies trifft die Vereine, die einen Großteil ihrer Erlöse mit Fernsehgeldern erwirtschaften, besonders hart.

Nach einer Studie der WGZ Bank bringt dies die italienischen Vereine am stärksten in Bedrängnis, denn sie erzielen rund 50 Prozent der Erlöse durch TV-Lizenzen. In der Bundesliga sind es rund 45, in der englischen Premier League knapp 40 Prozent. Hinzu kommt die hohe Verschuldung der italienischen Vereine: Der AC Florenz musste bereits Insolvenz anmelden. "Je größer die Abhängigkeit von den TV-Rechten, desto größer das Risiko für die Vereine", heißt es in der Studie.

Nach der Pleite von KirchMedia werden sich auch die deutschen Vereine verstärkt nach weiteren Erlösquellen umsehen müssen. Statt der zunächst vereinbarten 360 Millionen Euro für die Übertragungsrechte an der nächsten Spielzeit werden von der Kirch-Nachfolgegesellschaft nur noch 290 Millionen Euro gezahlt. Auch in England wird jetzt spitzer gerechnet: Dort wird das vom Sender BskyB angebotene Bezahlfernsehen zwar besser angenommen als in Deutschland, doch nach dem Aus für die Konkurrenz ITV kann BskyB den verwöhnten Vereinen nun die Daumenschrauben ansetzen.

No comment statt Investor Relations

Viele Anleger lassen die Finger von Fußballaktien, weil Transparenz und Investor-Relations-Arbeit zu wünschen übrig lassen. "Die Mehrzahl der börsennotierten Fußballunternehmen verfügt nach Jahren der Notierungsaufnahme über keine den Ansprüchen des Kapitalmarkts genügende Investor-Relations-, Rechnungswesen- oder Controlling-Abteilung und ist gänzlich von den Einnahmen aus dem Fußballbetrieb abhängig", schreiben die WGZ-Analysten Ingo Süßmilch und Paul Suciu-Sibianu in ihrer Studie "FC Euro AG". Berti Vogts und seine Trainerkollegen konnten Journalisten noch mit der Phase "Also ich habe ein anderes Spiel gesehen" abkanzeln. Bei Investoren stößt diese bei Vereinen beliebte "No comment"-Politik auf wenig Gegenliebe. Fußballaktien werden von den meisten Finanzhäusern dem Mediensektor zugeordnet: Das Schweigen im Walde wird hier kaum aus der Krise helfen.

Wege aus der Krise

Wege aus der Krise

Für die börsennotierten Vereine ist es entscheidend, dass sie auch außerhalb des Platzes Geld verdienen. TV-Gelder, Sponsoring und Ticketverkauf bleiben wichtige Säulen, doch ohne erfolgreiches Merchandising und eine Übertragung der eigenen Marke auf neue Geschäftsfelder bleibt die Zukunft unsicher. Manchester United hat den Weg gezeigt, indem das Unternehmen zum Beispiel ManU Kreditkarten herausgibt, neben zahllosen ManU Shops auch eine eigene Fernsehsendung etabliert hat und Räume in seinem berühmten Stadion Old Trafford vermietet.

Der Deutsche Meister Borussia Dortmund folgt zaghaft den Fußstapfen des großen Vorbilds: Der BVB vertreibt über sein Tochterunternehmen Gool Bekleidung und ist mit der Agentur Best in den Reisemarkt eingestiegen. Durch die Beteiligung am Westfalenstadion verdient der Verein auch dann mit, wenn statt Fußball auch mal ein Rockkonzert geboten wird. Der Trend geht zur "Multifunktionsarena", wie die neuen Stadien in Gelsenkirchen, Dortmund und München beweisen. Die Vereine müssen "nicht nur in Beine, sondern auch in Steine investieren", sagt WGZ-Analyst Süßmilch.

Warten auf die Fonds

Diesen Satz sollten sich auch die Lenker von Krösus Manchester United zu Herzen nehmen. Der Verein hat jüngst 46 Millionen Euro für den Verteidiger Rio Ferdinand auf den Tisch geblättert. Dem Verein könnten trotz stolzer Einnahmen die Kosten davonlaufen, zumal Stars wie David Beckham bei ManU rund 100.000 Euro verdienen sollen – pro Woche, versteht sich. Verletzen sich diese teuren Leistungs- und Werbeträger, hat der Verein ein Problem.

Auch Borussia Dortmund hat viele neue Spieler eingekauft – nach dem stolzen Emissionspreis von elf Euro war schließlich reichlich Geld da. Inzwischen sind beim BVB auch selbstkritische Töne zu hören: "Wir haben eine klare Marketing-Strategie bei der Einführung der Aktie vermissen lassen", stellte BVB-Manager Michael Meier jüngst fest. Dennoch sieht sich der Verein dank der Diversifikation seiner Geschäftsfelder auf einem guten Weg: Das Merchandising und die Geschäfte in sportnahen Geschäftsfeldern sollen ausgebaut werden.

Die Mauerblümchen-Aktien der Fußballvereine könnten aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen, wenn die Umsätze an den Börsen wieder steigen. Bislang weist nur die Aktie von Manchester United nennenswerte Tagesumsätze auf. Für die anderen Vereine finden sich kaum Interessenten unter den institutionellen Anlegern, da das Handelsvolumen für Fonds bislang zu niedrig ist. Bis die Fonds die Fußballaktien entdecken, stehen Borussia Dortmund noch viele Runden bevor – vielleicht reicht es bis dahin sogar bis zum Gewinn der Champions League.

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