Altana Die Luft wird dünner

Der Aufstieg des Pharmakonzerns in den Dax wurde als logische Konsequenz einer Erfolgsstory gefeiert. Doch das Auftauchen aus der Versenkung geriet zur Bauchlandung.
Von Arne Stuhr

Die Zeiten sind endgültig vorbei, in denen der Bad Homburger Pharmakonzern Altana vor allem als scheinbar unerschöpfliche Geldquelle der Quandt-Erbin Susanne Klatten für Schlagzeilen sorgte. Spätestens seit dem Ritterschlag durch die Deutsche Börse sehen die Investoren beim Dax-Neuling nämlich ganz genau hin.

Hinzu kommt, dass die erlangte Prominenz und der damit verstärkte Handel die Altana-Aktien auch in das Visier von Spekulanten und Hedge-Fonds gerückt haben Angriff der Finanzhaie. Gleich am ersten Handelstag im Dax musste Konzernchef Nikolaus Schweickhart ein Minus von sechs Prozent hinnehmen.

Magen-Medikament dominiert das Geschäft

Noch stärker erwischte es Altana, damals schon designierter Dax-Aufsteiger, in den letzten Tagen als MDax-Wert. Mit einem Abschlag von 19 Prozent quittierte der Markt die Ankündigung, dass die Einführung des Atemwegemittels Roflumilast sich um ein Jahr verzögern werde.

Das Mittel zur Behandlung von Asthma und Raucherlunge wird dringend benötigt, um die Abhängigkeit vom Medikament Pantoprazol zu reduzieren. Im laufenden Jahr soll allein die Magen-Darm-Arznei unter Berücksichtigung aller Vertriebspartner einen Umsatz mit Endkunden von 1,9 Milliarden Euro erzielen. Zum Vergleich: In 2001 machte Altana im Konzern mit seinen weltweit 9100 Mitarbeitern rund 2,3 Milliarden Euro Umsatz.

Tierversuche kochen Emotionen hoch

Abseits der negativen Schlagzeilen

Neben den Pharmaprodukten - unter anderem auch Buerlecithin und Sanostol – stellt Altana chemische Zusatzstoffe (Additive), Speziallacke (zum Beispiel für Lebensmittelverpackungen) sowie Mess- und Prüfinstrumente her.

Von den negativen Schlagzeilen unbeirrt, hält die Investmentbank Merrill Lynch an Altana fest. Seit Jahren stehen die Bad Homburger bei ihnen auf der Empfehlungsliste. Daran ändere auch die Verzögerung des Roflumilast-Starts nichts, so Merrill-Lynch-Analyst Andreas Schmidt.

Tierversuche lassen Emotionen hoch schlagen

Jüngstes Beispiel für ganz neue Probleme, die das Rampenlicht der ersten Börsenreihe mit sich bringen könnte, ist eine geplante Erweiterung des Instituts für Pathologie und Toxikologie. So sollen in Barsbüttel bei Hamburg 20 bis 25 Millionen Euro in die Erweiterung der dortigen Labors investiert werden, um die Versuche mit Hunden, Ratten, Mäusen und Kaninchen auszuweiten.

"Im Bauausschuss gab es eine emotionale Debatte", zitierte das "Hamburger Abendblatt" einen Barsbütteler Lokalpolitiker. Jeder, der schon einmal eine Hauptversammlung eines Dax-Konzerns besucht hat, kann sich vorstellen, dass diese Emotionen beim nächsten Aktionärstreffen freudige Urstände feiern dürften.

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