Wandelanleihen Die sanfte Alternative

Die zermürbende Aktienbaisse hat für einen Boom bei Wandelanleihen gesorgt. Für entnervte Anleger hat das Papier Charme: Es bringt mehr Sicherheit ins Depot, doch trotzdem müssen Anleger nicht fürchten, den nächsten Aufschwung zu verpassen.

Das Zwitterpapier Wandelanleihe ist für Anleger interessant, die langfristig mit einer Erholung am Markt rechnen, nach den Rückschlägen der vergangenen Jahre aber auch ihr Risiko stärker begrenzen wollen. Sollte die ersehnte Erholung an der Börse doch noch kommen, bleibt man dabei – geht es stattdessen erneut abwärts, fällt man nicht mehr ganz so heftig auf die Nase.

Rückfahrticket vom Renten- in den Aktienmarkt

Eine Wandelanleihe ist deutlich niedriger verzinst als klassische Unternehmens- oder Aktienanleihen. Meist liegt der Zinssatz zwischen 1,5 und 2,5 Prozent. Dafür gibt sie dem Investor das Recht, die Anleihe zu einem bestimmten Zeitpunkt in Aktien umzuwandeln. Dieser in die Anleihe eingebaute Optionsschein ist sozusagen das Umsteigerticket vom Renten- in den Aktienmarkt für den Fall, dass die Kurse wieder steigen.

Dieses Recht bezahlt der Anleger jedoch nicht nur mit niedrigen Zinsen der Anleihe, sondern auch mit einer Wandlungsprämie. Bei Emission einer Wandelanleihe ist der festgelegte Wandlungspreis, zu dem während oder nach Ablauf der Laufzeit getauscht werden kann, deutlich höher als die aktuelle Notiz an der Börse. Die Lufthansa zum Beispiel, die derzeit um 13 Euro notiert, hat für ihren bis 2012 laufenden Wandler einen Wandlungskurs von 20,16 Euro angegeben. Die Aktie muss also schon kräftig zulegen, damit ein Tausch in Anteile des Unternehmens lohnt.

Fallschirm bei Verlusten

Mitklettern im Aufwärtstrend, Fallschirm bei Verlusten

Jedoch trottet die Wandelanleihe dem Aktienkurs auch auf dem Weg in höhere Kurssphären mit gebremster Kraft hinterher: Als Faustregel gelte, dass Wandelanleihen eine Aufwärtsbewegung der Aktie zu etwa 60 Prozent nachvollziehen, eine Abwärtsbewegung aber nur zu einem Drittel, sagt Marc Knieß, Fondsmanager der DWS. Geht die Wette auf langfristig steigende Kurse auf, kann die Rendite der Wandler schnell auf einen zweistelligen Prozentsatz wachsen.

Fällt die der Anleihe zu Grunde liegende Aktie, übt der Anleger seine Wandlungsoption nicht aus und lässt sich bei Laufzeitende die Anleihe zum festen, bescheidenen Zins zurückzahlen. Zwar können auch die Kurse der Wandelanleihen fallen, jedoch ist das Risiko in der Baisse geringer als bei einem direkten Aktienengagement. Bei fallenden Kursen wirkt auch die feste Verzinsung (Bond-Floor) der Anleihe wie ein Fallschirm und federt Verluste ab.

Insolvenzrisiko bleibt – auf Bonität achten

Wichtig ist jedoch, dass der Emittent der Anleihe eine gute Bonität und ein entsprechend gutes Kreditranking aufweisen kann. Wer die Wandelanleihe eines Pleitekandidaten erworben hat, dem drohen im Falle einer Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens deutliche Verluste. Dieses Risiko und die vergleichsweise bescheidenen Zinsen schmälern im aktuellen Bärenmarkt jedoch nicht das Interesse der Anleger: "Ich rechne mit einer steigenden Nachfrage", sagt Armin Weißenegger, Wandelanleihen-Experte der Landesbank Baden-Württemberg, gegenüber manager magazin.de. Durch große Emissionen der France Telecom und Olivetti sei im Jahr 2002 mit 50 Milliarden Euro ein Rekord erreicht worden, der zwar nicht so schnell getoppt werde. Für die Anleihen herausgebenden Unternehmen wie für Anleger sei der so genannte "Convertible" aber in der aktuellen Börsensituation gleichermaßen interessant, sagt Weißenegger.

Ansturm auf Wandler-Fonds

Die Rendite der Wandelanleihen kann sich auf Sicht der vergangenen sechs Jahre sehen lassen: Nach Berechnungen der LBBW brachten die Zwitterpapiere in der Zeit von 1996 bis 2002 durchschnittlich knapp 15 Prozent Rendite pro Jahr. Damit haben sie im genannten Zeitraum sowohl Aktien als auch Unternehmensanleihen abgehängt. Auch die Banken werben verstärkt, und das Mischprodukt für Unentschlossene verkauft sich derzeit blendend: Das verwaltete Vermögen des Wandelanleihen-Fonds DWS Convertibles, der unter anderem Namen immerhin schon mehr als zehn Jahre am Markt ist, hat seit September 2001 um mehr als das Doppelte zugelegt.

Günstige Geldbeschaffung für Unternehmen

Eine Wandelanleihe sei in schlechten Börsenzeiten für Unternehmen eine Alternative zur direkten Aktienemission, erläutert Weißenegger. Für hoch verschuldete Unternehmen, die hohe Zinsen für ihre Unternehmensanleihen bezahlen müssen, ist eine Wandelanleihe auf Grund deutlich niedrigerer Zinsen günstiger als ein klassischer Unternehmensbond. Außerdem besteht die Chance, dass die Rating-Agenturen unter bestimmten Umständen die Wandelanleihe dem Eigenkapital zurechnen. Drittens könnten Unternehmen mit Hilfe von Wandelanleihen auf elegante Art ihre Beteiligungen entflechten: Bei der Spezialvariante Umtauschanleihe erhält der Anleger nicht Aktien des Emittenten, sondern Anteile eines fremden Unternehmens. Die Allianz zum Beispiel hat jüngst eine Umtauschanleihe auf RWE im Wert von 1,2 Milliarden Euro begeben.

Wette für Anleger geht bei steigenden Märkten auf

Ein kleiner Rest Optimismus für den Markt sollte bei Anlegern, die eine Wandelanleihe oder einen Wandelanleihen-Fonds zeichnen, jedoch noch vorhanden sein. Wie der Kauf einer Aktie ist auch die Investition in eine Wandelanleihe eine Wette auf steigende Kurse. Sollte der Markt, wie von Skeptikern befürchtet, über Jahre hinweg auf diesem Niveau stagnieren, ist die Aktienanleihe auf Grund der höheren Zinsen interessanter. "Es ist wichtig, eine klare Meinung zur Situation des Emittenten und zur Aktie zu haben – die Bonität und die Kursfantasie müssen gegeben sein", sagt Weißenegger. Da eine Wandelanleihe auf den Aktienkurs und die Bonität des Unternehmens reagiert, sollte der Anleger, der zum Beispiel eine Wandelanleihe der Deutschen Lufthansa kauft, langfristig optimistisch für die Aktie eingestellt sein.

Nach den starken Kursverlusten an den Aktienmärkten sind viele Wandelanleihen aktuell weit von ihrem Wandlungspreis entfernt, viele Anleihen notieren unterhalb ihres Ausgabewertes. Mit dem fallenden Anleihekurs steigt jedoch der Zinssatz, der sich während der gesamten Laufzeit immer auf den vollen Ausgabewert bezieht. Der Effekt: Viele Wandelanleihen weisen derzeit eine ähnliche Rendite auf ihre Endfälligkeit auf wie Unternehmensanleihen und können bei einer längeren Laufzeit als Alternative zur Unternehmensanleihe ins Depot genommen werden. "Bei vergleichbarer Rendite zur Unternehmensanleihe bekommt man bei der Wandelanleihe praktisch die Aktienoption obendrauf", sagt der LBBW-Experte. Im Fall stark steigender Kurse könne der Anleger dann zusätzlich profitieren.

Die Kriterien: Fonds oder Einzeltitel?

Sorgfältige Analyse vor der Auswahl

Die Auswahl einzelner Wandelanleihen ist jedoch eine komplizierte Angelegenheit. Zins, Wandlungskurs, aktueller Kurs und Bonität des Emittenten sind zu beachten. "Man muss jede Einzelne genau anschauen, da die Bedingungen unterschiedlich ausgestaltet sind", sagt Weißenegger. Einige Wandler sehen zum Beispiel eine Zwangswandlung in Aktien bei Laufzeitende vor, andere geben ähnlich wie ein Garantiefonds Sicherheiten auf den Kapitalerhalt. Die Mehrzahl der rentenähnlichen Wandelanleihen sähen vor, dass die Anleihe zum Laufzeitende zum Nominalbetrag getilgt wird.

Nach Einschätzung von Weißenegger ist zum Beispiel die Wandelanleihe der Deutschen Lufthansa (795 560) interessant. Sie biete bei einer Laufzeit bis zum Jahr 2012 zwar nur eine Verzinsung unter zwei Prozent, jedoch hätten die Besitzer durch drei Sonderkündigungsklauseln das Recht, in den Jahren 2006, 2008 oder 2010 ihren Einsatz zu 100 Prozent zurückzuerhalten. Der Wandlungspreis der Anleihe beträgt 20,12 Euro: Steigt die Lufthansa, die aktuell um 13 Euro notiert, in den nächsten zehn Jahren über diese Marke, verbucht auch der Anleihenbesitzer deutliche Gewinne.

Auch Wandelanleihen einzelner Unternehmen stehen Privatanlegern prinzipiell offen. "Doch bei einer Wette auf Einzeltitel ist auch das Risiko größer", sagt Weißenegger. Als Alternative bieten sich Wandelanleihe-Fonds wie der UniRenta Convertibles (849 124), der DWS Convertibles (847 426) oder der Wandelanleihenfonds der Adig Fondsgesellschaft (637 252) an. Breite Streuung der Investments und die hohe Liquidität sorgten für zusätzliche Sicherheit, die Anleger jedoch mit Ausgabeaufschlägen von rund drei Prozent und zusätzlichen Verwaltungsgebühren bezahlen.

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