Aktien-Check Mit Vollgas auf deutschem Sonderweg

Trotz Konjunkturflaute sind Hiobsbotschaften der konjunktursensiblen deutschen Autohersteller bislang ausgeblieben. Analysten nennen den Grund für die robuste Performance und benennen ihre Favoriten.

DaimlerChrysler, BMW, Volkswagen und Porsche haben Anlegern in diesem Jahr mit robusten Absatzzahlen, vor allem in den USA, viel Freude bereitet. Die Autotitel haben dabei andere Branchen wie Technologie- oder Finanzwerte deutlich überflügelt. Seit Anfang August haben sie zweistellig zugelegt. Experten trauen der deutschen Autoindustrie wieder einiges zu, auch wenn sich die Konjunktur nur langsam erholen sollte.

Erfolgreiche Nischenstrategie

"Die deutschen Hersteller haben in den USA sehr erfolgreich Nischen besetzt", sagt Hans Joachim König, Fondsmanager bei Union Investment. Porsche, BMW und DaimlerChrysler mit Mercedes bedienen mit ihren Modellen das Premiumsegment und sind dadurch durch eine schwache Konjunktur weniger verwundbar: Ihre Kunden bleiben auch in flauen Zeiten zahlungskräftig.

Selbst der Massehersteller Volkswagen hatte mit der Einführung des "New Beetle" in den USA erfolgreich Akzente gesetzt. Die Nachfrage nach Autos "made in Germany" sei Konsequenz einer intelligenten Modellpolitik.

Etwas nüchterner erklärt Jens Troll, Fondsmanager beim Bankhaus Julius Bär, die robuste Performance der deutschen Autowerte. "In diesem Jahr erwarten wir für Europa einen Absatzrückgang von vier bis fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr", sagt Troll. Die Automobilaktien hätten diesen Rückgang aber überwiegend schon im Jahr 2001 vorweggenommen. Da die Autotitel nicht so stark überbewertet waren wie andere Branchen, konnten sie sich in diesem Jahr bislang auch besser entwickeln als der Gesamtmarkt.

Währungsrisiken im Griff

Währungsrisiken im Griff

Der Aufschwung des Euro war an den Märkten ein gern genanntes Argument, um von einem Engagement in den exportorientierten deutschen Autotiteln abzuraten. Nach Ansicht der beiden Experten haben die Hersteller dieses Währungsrisiko aber im Griff.

BMW und DaimlerChrysler haben eigene Produktionsstätten in den USA und sind dadurch von Währungsschwankungen weniger betroffen. Volkswagen produziert in Mexiko.

Exporteur Porsche trägt das höchste Dollar-Risiko, doch haben die Zuffenhausener sich durch Termingeschäfte am Devisenmarkt abgesichert. "Teilweise sichert Porsche Währungsschwankungen bis zu zwei Jahren im voraus ab", erklärt Troll. "Diese Hedging-Strategie hat bei Porsche bislang gut funktioniert", ergänzt König.

Verkaufsförderung – still und leise

Noch haben es die deutschen Hersteller nicht nötig, dem Beispiel von General Motors zu folgen und den Absatz durch aggressive Rabatt- und Nullzinsangebote zu erhöhen. Sie setzen auf das gute Image ihrer Marken und darauf, dass sich ihre Kunden die neuen Modelle etwas kosten lassen.

Dennoch betreiben auch sie Verkaufsförderung auf dezente Art: "Auch in Deutschland gibt es höhere, zum Teil versteckte Rabatte durch Modellverbesserungen, die den Endpreis des Autos nicht erhöhen", sagt Troll. "Hier zu Lande wird viel über die Ausstattung eines Autos gesteuert", erklärt König. Rabatt wird jedoch nur auf auslaufende Modellreihen gewährt: Bei Neuwagen sei eine Discountstrategie nicht sinnvoll.

Die Favoriten der Fondsmanager

Porsche mit neuem Modell, Volkswagen mit günstiger Bewertung

Union-Fondsmanager König sieht weiterhin gute Chancen vor allem für die Porsche-Aktie: "Das Unternehmen ist sehr ertragsstark, und das neue Modell Cayenne weckt Kursphantasie." Dass Porsche nun mit dem Geländewagen Cayenne eine dritte Baureihe auf den Markt bringt und etwas mehr in die Breite geht, statt sich weiterhin auf die exklusiven zwei Baureihen zu beschränken, hat bei einigen Beobachtern Kritik ausgelöst. König dagegen sieht weitere Chancen bei Umsatz und Ertrag.

JB-Fondsmanager Troll würde eher der Aktie von Volkswagen den Vorzug geben: Die VW-Aktie sei derzeit auch im historischen Vergleich günstig bewertet. Probleme sieht er dagegen bei DaimlerChrysler: "Kurzfristig scheinen die Probleme bei Chrysler gelöst, mittelfristig dürfte das Chrysler-Engagement aber weiter belasten", sagt Troll. Die Überkapazitäten auf dem US-Markt seien noch immer zu hoch und die Wettbewerbsfähigkeit von Chrysler sei eher als unterdurchschnittlich einzustufen.

Die weltweite Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autohersteller habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, lobt König. Die Unternehmen profitierten von einer guten Marktstellung und einer gelungenen Produktstrategie.

Nach Ansicht von Troll hat sich Porsche dabei die beste Position im Markt erarbeitet: Das Unternehmen sei im Sportwagensegment fast konkurrenzlos und werde auch mittelfristig von seinem starken Markennamen profitieren. Rauer ginge es hingegen im Massegeschäft, dem so genannten Commodity-Segment, zu. Dort sei Volkswagen besser aufgestellt als zum Beispiel Chrysler und habe gute Chancen, sich im starken Wettbewerb zu behaupten.

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