Robuste Werte Gelassen auf die Ernte warten

Die Strategien der konservativen Fondsmanager-Legenden wie Warren Buffet oder Peter Lynch greifen wieder. Unternehmen, die handfeste Produkte und solide Bilanzen präsentieren, ziehen die Anleger an.
Von Christian Buchholz

Alles, was die Börsenhausse in den Jahren 1999 und 2000 beflügelte, hat sich ins Gegenteil verkehrt: Während beispielsweise die Vorstandschefs von Worldcom, Tyco, Yahoo, EM.TV, MLP oder Telekom noch alles zugetraut wurde, traut den Unternehmenschefs heute kaum jemand. Bilanztricks und persönliche Bereicherung sind die neuen Fakten, die mitten in ein widriges Konjunkturumfeld fielen und wie Blei auf den Börsen lasten. Verzweifeln die Fondsmanager jetzt?

Nicht alle. Einige weltweit anlegende Investmentfonds schafften es auch unter widrigsten Umständen, ihre Performance zu steigern. Das Rezept – Rückbesinnung auf alte Tugenden. Ein Teil der Anleger, die reihenweise aus Hightech-, Telekom- und Internetaktien flohen, kehrte nicht zurück zum Sparbuch, sondern investierte in die sogenannten "Sicheren Häfen" unter den Aktientiteln – BMW, Porsche, Puma oder Roche konnten seit Jahresbeginn teilweise zweistellig zulegen.

Fonds der alten Schule

Profitiert haben die konservativen Fondsmanager, die die Lehren eines André Kostolany, Warren Buffet oder Peter Lynch beherzigen: Investiere nur in Unternehmen, deren Produkte und Arbeitsweise du durchschaust und investiere langfristig. Die Werthaltigkeit eines Unternehmens ist entscheidend – Value-Aktien die richtige Wahl. Wobei die Abgrenzung dieses Begriffs im Gegensatz zu Growth-Aktien (Wachstumstiteln) schwer fällt. Warren Buffet nennt sie sogar "Blödsinn", weil werthaltige Unternehmen eben immer auch über ein besonderes Wachstumspotenzial verfügen.

Welche Aktien präsentieren also noch einen Wert, der auf künftig steigende Erträge und Kurse schließen lässt? Fondsmanagerin Frances Campion, die Morgan Stanley-Global Value Equity Fund verwaltet, hat den Pharmakonzern Aventis am stärksten gewichtet. Dieser und andere Pharmawerte, so Campion, böten Investment-Möglichkeiten, weil der Sektor gerade eine schwere Kurs-Krise überstanden habe und fundamentale Faktoren wie etwa die Produktpipeline robust erschienen.

Auch den Luft- und Raumfahrtkonzern BAe Systems sowie den Getränkekonzern Cadbury Schweppes hält sie als Top-Titel im Portfolio. Bei der Titelauswahl legt sie im Konsumbereich "Wert auf Premiummarken", weil diese insbesondere in Krisenzeiten resistenter gegen Kursverluste seien als Mitbewerber mit schwächerem Branding.

Die Suche nach "Hidden Champions"

Wall Street verliert

Klaus Kaldemorgen, Fondsmanager des DWS Akkumula und des DWS Vermögensbildungsfonds I, sieht im Gegensatz zu Campion "momentan keine Branchentrends". Ausgenommen Öl-Titel – die Big Player auf diesem Sektor sieht er als "bestens mit Cash ausgestattet" an und dadurch auch als wesentlich handlungsfähiger als Konzerne in den meisten anderen Sektoren. Ansonsten setzt Kaldemorgen auf "eine aktive Einzelwertauswahl und eine langfristige Portfolioausrichtung".

Total Fina Elf und BP Amoco sind die größten Positionen in Kaldemorgens Fonds: "Ölwerte sind eine profitable Anlage sowohl in guten als auch in schwachen Marktphasen, weil sie eine hohe Dividendenrendite bieten und durch den hohen Cashflow unternehmenseigene Aktien in einem schlechten Marktumfeld zurückkaufen können, was die Kurse stabilisiert". In der Ländergewichtung gibt er Europa vor den USA aktuell den Vorzug. Die Unternehmen seien hier solider finanziert, die Überkapazitäten sind nicht so extrem hoch.

Auf der Suche nach den "Hidden Champions"

Hendrik Leber, Anlageberater für den Acatis-Fonds Aktien Global bevorzugt Werte der zweiten Reihe, die überdurchschnittliche Wachstumsaussichten versprechen oder auf Grund von Unterbewertung hohe Kurszuwächse versprechen. Beispiele für solche "Hidden Champions" sind das amerikanische Medizintechnik-Unternehmen Medtronic, der schweizerische Luxusgüter-Hersteller Richemont oder die deutsche Industrie-Beteiligungsgesellschaft Indus.

Mit vergleichsweise kleinen Verlusten, beziehungsweise leichten Zuwächsen in einem schwierigen Umfeld überstanden die genannten Fonds in der Vergangenheit Krisenzeiten. Und haben daher einen guten Ruf zu verteidigen.

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