Dividenden-Killer Deutsche Telekom, DaimlerChrysler und das Leid der Aktionäre

Deutsche Telekom und DaimlerChrysler waren die stärksten Dividendenbringer im Dax. Jetzt haben sie sich durch drastische Einschnitte den Ruf der Dividenden-Killer eingehandelt. Der raue Umgang mit den Aktionären könnte zum Bumerang werden.

Der Schreck war groß. Rund fünf Jahre nach dem Börsenstart der "Volksaktie" hat die Deutsche Telekom ihre Anleger nicht nur durch einen enormen Kursrutsch und eine tiefrote Bilanz enttäuscht. Nun wird auch die Dividende, für viele Anleger angesichts der trüben Kursentwicklung ein letztes Sicherheitsnetz, um 40 Prozent von 0,62 auf 0,37 Euro gekürzt. Damit folgt die Deutsche Telekom dem Beispiel des Autobauers DaimlerChrysler, der seine Vorjahresausschüttung von 2,35 Euro sogar um rund 55 Prozent auf ein Euro zurechtgestutzt hat. Hätten die beiden Konzerne ihre lange Zeit als unantastbar geltenden Dividenden beibehalten, sie wären wie im Vorjahr die stärksten Dividendenbringer im Dax gewesen.

Sparen in der Not: Zarter Applaus von Analysten

Hätte, wenn und aber. Der Ton ist rauer geworden an der Börse. Angesichts katastrophaler Zahlen im Jahr 2001 haben beide Konzerne die Notbremse gezogen. Nachdem das Kartellamt den Kabelnetzverkauf an Liberty verhindert hat, wird bei der hoch verschuldeten Deutschen Telekom mit spitzem Bleistift gerechnet. Durch die drastischen Kürzungen spart das Unternehmen immerhin mehr als eine Milliarde Euro, bei DaimlerChrysler sind es sogar knapp 1,4 Milliarden Euro. In Zeiten der Not fallen auch vermeintliche Tabus.

Einige Analysten haben bereits zum Applaus für Ron Sommer und Jürgen Schrempp angehoben. Die Kürzung sei ein zwar "schmerzhafter", aber notwendiger Schritt, da eine unveränderte Dividende angesichts der aktuellen Geschäftszahlen nicht zu vertreten sei. Sogar die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hatte bereits die Bundesregierung aufgefordert, auf Grund der Misere bei der Telekom zumindest auf ihren Dividendenanteil zu verzichten. Nun trifft es den Hauptaktionär und die Kleinaktionäre zu gleichen Teilen.

Risiko Börsengang: Wie leidensfähig ist der Anleger?

Ron Sommer betont, dass die T-Aktie auch nach der Kürzung mit einer Dividendenrendite von rund 2,2 Prozent aktuell immer noch einen Spitzenplatz in der Telekom-Branche einnimmt. Das ist richtig. Doch als Quotient zwischen Kurs und Renditenzahlung wird die Dividendenrendite auch durch einen aktuell niedrigen Aktienkurs begünstigt: Dieser Kurs könnte weiter fallen, wenn verprellte Aktionäre nun ihre Volksaktie verkaufen.

Angesichts des geplanten Börsengangs von T-Mobile sieht Werner Stäblein, Analyst bei der BHF-Bank, weitere Risiken. Die drastische Kürzung der Dividende bedeute einen schweren Imageschaden für das Unternehmen und steigere bei Anlegern nicht gerade den Appetit auf neue Aktien aus dem Hause Telekom. Das Geld, das das Unternehmen bei der Dividende spare, könnte sie am anderen Ende beim Börsengang von T-Mobile wieder verlieren, wenn das IPO mangels Anlegerinteresse nicht die gewünschten Einnahmen erzielt. Zwar hat Ron Sommer auch den Börsengang von T-Mobile inzwischen auf die lange Bank geschoben, doch ist die Wette auf die Leidensfähigkeit der Aktionäre ein riskantes Spiel: Die Bonner müssen möglicherweise lange warten, bis sich die Wogen glätten und die Tochter reif für die Börse ist. Und beliebig viel Zeit hat die Deutsche Telekom angesichts drückender Schulden und einer drohenden Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit nicht.

Gelassenheit bei DaimlerChrysler

DaimlerChrysler kann da schon etwas gelassener sein. Daimler-Benz hatte nach der Fusion mit Chrysler im November 1998 die Dividende annähernd verdreifacht – ein Geschenk an verwöhnte US-Aktionäre, für Branchenkenner im Rückblick aber auch ein Zeichen von Größenwahn. Der Traum der "Welt AG" ist inzwischen zerplatzt, und aus dem Konzernüberschuss 1998 in Höhe von knapp fünf Milliarden Euro ist im Jahr 2001 ein Verlust von 0,7 Milliarden Euro geworden. Während Volkswagen und BMW mit Rekordbilanzen glänzen, lastet der defizitäre US-Partner Chrysler bleischwer auf der DaimlerChrysler-Bilanz. Die Aktie hat seit der Fusion rund 40 Prozent an Wert verloren. Immerhin, trösten Analysten, habe die Aktie bei Kursen um 44 Euro inzwischen einen widerstandsfähigen Boden ausgebildet.

Bei DaimlerChrysler steht kein Börsengang einer Tochter an, und es gibt auch keinen großen Unsicherheitsfaktor wie das Thema UMTS bei der Deutschen Telekom. Stattdessen profitiert das Unternehmen stark von einer anziehenden Konjunktur in den USA: Gelingt die Sanierung bei Chrysler, dürfte die Aktie ihre Tiefs längst gesehen haben, meinen Analysten. Der Ärger der Aktionäre über die drastisch gekürzte Dividende währte angesichts der sich aufhellenden Konjunktur nicht lange: Unmittelbar nach der bitteren Pille für die Anleger hat die Aktie binnen weniger Wochen um knapp zwanzig Prozent zugelegt. Von diesem Zuwachs kann die Deutsche Telekom bislang nur träumen, doch auch für sie gilt: Wer die Dividende kappt, muss seine Anleger durch steigende Kurse bei Laune halten.

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