Pharma-Aktien Gesunde Rendite

Zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn: Für Pharma-Konzerne kein Problem. Wer auf den Megatrend Gesundheit setzt, kann auch Konjunkturdellen überstehen. Doch auch Pharmatitel sind nicht gegen Schwächeanfälle immun: Ein Vitalitäts-Check der Renditebringer ist dringend zu empfehlen.

Die Menschen werden älter, und sie lassen sich ihre Gesundheit im Alter etwas kosten. Lebenserwartung und Medikamentenkonsum in den Industrieländern steigen: Dank der Fortschritte in der Forschung werden neue Therapien möglich, die vielen Krankheiten ihren Schrecken nehmen. Und diese Therapien werden trotz rasant steigender Kosten im Gesundheitswesen weiterhin teuer bezahlt. So fiel es zum Beispiel dem weltgrößten Pharmakonzern Pfizer nicht schwer, für dieses Jahr eine Gewinnsteigerung von mindestens 20 Prozent anzukündigen. Mit der Potenzpille Viagra und dem Cholesterinmittel Lipitor erzielt das US-Unternehmen stolze Gewinnmargen, die durch Patente weiterhin gesichert sind.

Zeitbombe Patentschutz - aktuelle Umsatzzahlen zweitrangig

Läuft der Patentschutz jedoch aus, kann das Vorzeige-Präparat schnell in der Versenkung verschwinden. Aktuelle Umsatzzahlen eines Pharmariesen werden zweitrangig, wenn die Umsatzbringer in Kürze ihre Monopolstellung verlieren und durch günstigere Nachahmermedikamente (Generika) ersetzt werden. Auf Generika spezialisierte Hersteller warten nur auf den Ablauf der Frist: Das Gespenst eines drastischen Umsatzeinbruchs ist nur dann gebannt, wenn die Hersteller ihre wichtigsten Medikamente auf Jahre über Patente abgesichert haben oder bereits neue, marktreife Produkte in der Pipeline sind.

Gerichtsurteile können teuer werden

So hat zum Beispiel der Pharmakonzern Bristol Myers-Squibb (BMS) für dieses Jahr vor schwächeren Ergebnissen gewarnt, da das erfolgreiche Diabetes-Mittel Glucophage in diesem Jahr den Kampf gegen die Nachahmer aufnehmen muss. Besonders bitter für den Konzern ist dabei, dass er bei dem (in der Branche üblichen) Versuch, die Marktexklusivität zu verlängern, von einem Bundesgericht abgeschmettert worden ist. Beobachter gehen nun davon aus, dass die Marktführer es bei ähnlichen Patentprozessen künftig schwerer haben werden, ihre Umsatzlieblinge zu schützen. Auch der Pharmakonzern Eli Lilly musste seinerzeit mit einem zweistelligen Kurseinbruch bezahlen, als ein US-Gericht entschied, Nachahmer des Antidepressivums Prozac bereits in diesem Jahr zuzulassen. Die Gewinne in der Branche sind stolz – doch sie sind ein Geschenk auf Zeit.

Lipobay und die Folgen

Lipobay und die Folgen

Das Lipobay-Debakel von Bayer gehört zu den Alptraum-Szenarien eines jeden Pharmakonzerns. Wenn ein Hersteller ein Medikament auf Grund von Nebenwirkungen wieder vom Markt nehmen muss, sind nicht nur viele Millionen Entwicklungskosten verloren. Hinzu kommen ein beträchtlicher Imageverlust und Schadenersatzklagen: Von dem Kurseinbruch im Spätsommer hat sich Bayer noch nicht wieder erholt, obwohl der Pharmabereich nur eine von vier Säulen des Bayer-Konzerns ist. Zum Börsengang in New York rümpften außerdem viele US-Analysten die Nase darüber, dass Bayer sich nicht ausschließlich auf Pharma konzentriert.

Wichtig: Viele Produkte im Köcher

Gerichtsentscheidungen, Generika und die Launen der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA entscheiden mit über das Wohl und Wehe der weltweit agierenden Pharmakonzerne. Für die Hersteller ist es damit entscheidend, möglichst viele Erfolg versprechende neue Produkte in der Entwicklung zu haben. Wenn die Konzerne während ihrer jährlichen Forschungs- und Entwicklungstage ihre Produkte und Projekte präsentieren, schauen Analysten genau hin: Die Erkenntnisse dort dürften für den weiteren Kursverlauf der Aktie weitaus bedeutender sein als die aktuelle, bereits eingepreiste Bilanz. Der US-Konzern Merck & CO galt zeitweise als eher schwach bestückt und hat auf Jahressicht einen deutlichen Kursrutsch hinter sich.

Ein Beispiel für den immensen Druck auf die Konzerne, stets neue Produkte zu präsentieren, ist auch der Aufsehen erregende Streit zwischen Bristol Myers Squibb und dem Biotechunternehmen Imclone. Nach wochenlangem Tauziehen haben die Konzerne Anfang März eine neue Vereinbarung zur Entwicklung und Vermarktung des Krebsmedikamentes Erbitux erzielt. Es geht um Zahlungen in Höhe von rund 700 Millionen Dollar – noch bevor der neue Hoffnungsträger überhaupt zugelassen ist. Auch wegen dieses Innovationsdrucks ist der Konsolidierungsprozess in der Branche in vollem Gange: Große Konzerne übernehmen zunehmend kleine Biotechfirmen, da die Großen auf die Ideen der Kleinen und die Kleinen auf das Vertriebsnetz der Großen angewiesen sind.

Auf Kostensenker setzen

Alternative: Auf Kostensenker setzen

Anleger müssen aber nicht zwangsläufig auf die hoch bewerteten Konzerne mit den meisten Blockbustern setzen. In den Arzneimittel-Hochpreisländern USA und Deutschland laufen die Kosten im Gesundheitswesen immer mehr aus dem Ruder: Ein harter Sparkurs der Krankenkassen könnte zum Beispiel in Deutschland dazu führen, dass die Umsätze der Generika-Hersteller weiter steigen. So hat sich der Kurs des im MDax notierten Generika-Produzenten Stada zum Beispiel während des vergangenen Jahres beinahe verdoppelt: Analysten sehen bei steigendem Kostendruck weiteres Potenzial.

Das ebenfalls im MDax notierte Pharmaunternehmen Altana setzt dagegen auf eigene Produkte. Der Erfolg des Magen-Darm-Mittels Pantoprazol hat dazu geführt, dass Altana während der vergangenen 24 Monate "die beste Performance in unserem Universum" vollzogen habe, so die Investmentbank Merrill Lynch. Nun sollen zwei neue Asthmamittel mit hohem Umsatzpotenzial die Erfolgsgeschichte fortsetzen.

Merrill Lynch hat das Bad Homburger Unternehmen deshalb in den erlauchten Kreis der "Europe 1" Unternehmen aufgenommen und auf Jahressicht ein Kursziel von 70 Euro gesetzt. Doch für das aufstrebende Altana gilt das Gleiche wie für den Weltmarktführer Pfizer: Anleger sollten regelmäßig mögliche Schwächesymptome dieser hoch gehandelten Renditebringer überprüfen.

Kai Lange

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