Interview "Zickzackkurs mit Tendenz nach oben"

Die Hightechbranche hat die Talsohle durchschritten, aber Rückschläge sind nicht auszuschließen, sagt Fondsmanagerin Andrea Quapp. Nur finanzstarke und innovative Unternehmen werden die Krise meistern. Stockpicking ist wichtiger denn je.

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Die Hoffnung, dass sich die gebeutelten Hightechwerte im Laufe dieses Jahres erholen, hat Technologietiteln seit November deutliche Kursgewinne beschert. Hat der Sektor noch Luft nach oben?

Andrea Quapp: Der Sektor sucht momentan seinen Trend. Die Ergebnisse für das vierte Quartal 2001 zeichnen ein auf tiefem Niveau verbessertes Bild. Die Entwicklung über die kommenden Monate ist allerdings noch unsicher. Die Weltwirtschaft ist auf dem Weg der Besserung: Die Zinsen sind tief, und Überkapazitäten werden abgebaut. In unserem Fonds favorisieren wir die Subsektoren Mobilfunkinfrastruktur, IT-Consulting, Software, ausgewählte Halbleiterhersteller und dynamische Pharma- und Medizinalgesellschaften. Die Auswahl der Titel lässt sich vor dem Hintergrund des erwarteten Jahreswachstums rechtfertigen, nicht aufgrund eines einzigen Quartals. Innerhalb des Sektors ist Stockpicking - also die gezielte Auswahl einzelner Titel - für den längerfristig ausgerichteten Investor sehr wichtig. Ausschließlich die finanzstarken und innovativen Unternehmen werden aus dieser Rezession gestärkt hervorgehen.

mm.de: Rechnen Sie angesichts der zurückhaltenden Prognosen von Intel und Microsoft mit einer gradlinigen Erholung der Branche, oder sind neue Rückschläge nach dem Muster einer W-förmigen Konjunkturerholung wahrscheinlich?

Quapp: Rückschläge wird es sicherlich geben, da es momentan noch viele Fragezeichen über die Nachhaltigkeit der Konjunkturerholung gibt. Das kurzfristige Sentiment dominiert und verursacht starke Schwankungen. Weder die Unternehmen noch die Mehrheit der Investoren wagen eine Jahresprognose. Wir erwarten einen Zickzackkurs mit Tendenz nach oben. Gewinnwachstumsraten für 2002 bewegen sich für den gesamten Sektor TMT (Technologie, Medien, Telekommunikation) bei 65 Prozent. Grundsätzlich gilt: Software vor Hardware und Bilanzstärke vor Turn-around.

mm.de: Die Telekommunikations-Unternehmen leiden noch unter Überkapazitäten, während die Nachfrage im Chipsektor wieder anzuziehen scheint. Ist dies Grund genug, um Halbleiterwerte gegenüber Telekomtiteln überzugewichten?

Quapp: Auch der Chipsektor leidet noch unter Überkapazitäten, aber die Preissituation hat sich verbessert. Einige Abnehmerbranchen wie PC und Automobil verzeichnen wieder eine leichte Volumen- beziehungsweise Innovationsnachfrage. Im "Europe Megatrend Stock Fund" favorisieren wir Halbleiterunternehmen, die mit ihren Produkten verschiedene Branchen bedienen, also breit aufgestellt sind. Technologisch innovative Ausrüster der Industrie sind auch interessant. Weiterhin investieren wir in bilanzstarke Telcos, deren Bewertungskennzahlen (Kurs/Cash Flow, Nettoverschuldung/Eigenkapital) attraktiv sind.

mm.de: Kunden sind bei ihren Investitionen weiterhin zurückhaltend. Welche Faktoren könnten trotz lauer Konjunktur die Nachfrage im IT-Bereich beleben?

Quapp: Die Nachfrage kommt entweder über den Ersatzbedarf (Veralterung) oder wird durch neue Anwendungsmöglichkeiten geschaffen. Ein schnellerer Datentransfer im Mobilfunkbereich, höhere Speicherkapazitäten im PC oder mehr Elektronik im Automobilbau dürften zum Beispiel für steigende Nachfrage sorgen.

mm.de: Welchen Branchen räumen Sie bis Jahresende die größten Chancen ein?

Quapp: Grundsätzlich bevorzugen wir Megatrendsektoren wie Technologie (Software & Services, IT Hardware Mobile) und Demografie (Vermögensverwaltung, Pharma, Medizintechnik). Gesellschaften aus diesen Sektoren profitieren von überdurchschnittlichem Umsatz- und Gewinnwachstum und verzeichnen steigende Gewinnmargen.

*Das Interview führte mm.de-Redakteur Kai Lange

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