Die Liga der Fonds Von krisenfest bis hochriskant

Mit Fondsanteilen holen sich Anleger nicht automatisch Sicherheit ins Depot – entscheidend für die Performance ist, mit welcher Strategie und in welchem Anlagesegment das Fondsmanagement investiert. Ein Überblick

Am unteren Ende der Risikoskala finden sich beispielsweise Geldmarkt- und andere Rentenfonds. Die Renditechancen sind vergleichsweise gering, das Verlustrisiko ist aber ebenfalls stark begrenzt. Am anderen Ende liegen beispielsweise Internet- oder Emerging-Markets-Fonds: Das Fondsmanagement ist hier auf spekulative Aktien aus Ländern oder Branchen spezialisiert, deren Kurse von einem auf den anderen Tag drastisch schwanken können. Fonds für Nervenstarke.

Geldmarkt- und Rentenfonds Die Benchmark der Manager von Geldmarktfonds ist der aktuelle Sparbuchzins. Dadurch wird schon deutlich: Das Verlustrisiko eines solchen Fonds ist sehr gering. Während die Geldmarkt-Fondsmanager ihre Performance durch Geschäfte am Devisenmarkt erwirtschaften, haben Rentenfonds ein größeres Anlagespektrum. Es umfasst fest und variabel verzinsliche Papiere wie Wandelschuldverschreibungen, öffentliche und Firmen-Anleihen. Die spekulativsten Renten-Portfolios finden sich in High-Yield-Fonds. Hier wird mit hochverzinslichen Anleihen spekuliert. Das Ausfallrisiko ist durch wirtschaftliche Probleme der Firmen oder Länder, die diese Papiere ausgeben, vergleichsweise hoch.

Garantiefonds Am Ende einer vorgegebenen Laufzeit (meist drei bis fünf Jahre) wird dem Anleger ein garantierter Mindest-Auszahlungsbetrag zugesichert - meist liegt der Wert bei 90 bis 100 Prozent des eingesetzten Kapitals. Oft gehören Zins und Zinseszins nicht zur Garantie-Summe. Außerdem gilt die Garantie nicht für Anleger, die vor dem Laufzeitende des Fonds verkaufen. Um die Garantie einhalten zu können, investieren die Fondsgesellschaften zum Großteil in festverzinsliche Papiere und achten stark auf die Absicherung des Portfolios. Damit kommen große Kurssprünge in der Praxis nur selten vor. Die Rendite soll zumeist mit risikoreichen Optionen im Portfolio erwirtschaftet werden.

Mischfonds In diesem Portfolio sind Aktien und Renten gemischt. So kann der Fondsmanager in unruhigen Börsenzeiten auf die sicherere Anleihe-Seite wechseln und bei guten Aussichten am Aktienmarkt hier verstärkt investieren.

AS-Fonds Altersvorsorge-Fonds kamen vor drei Jahren auf den deutschen Markt. Ziel ist die Kapitalbildung für den Ruhestand. Dabei wird das Portfolio in bestimmten Zeitabständen dem Lebensalter des Anlegers angepasst: Während ein 30-Jähriger noch einen relativ hohen Bestand an Aktien in seinem AS-Portfolio hält, dominieren bei einem 50-Jährigen die festverzinslichen Papiere. Diese Umschichtungen sind für den Anleger kostenfrei. AS-Fonds können in Aktien, Immobilien, Renten und (zur Absicherung) in Optionen investieren. Welche AS-Fonds im Rahmen der "Riester-Reform" staatlich gefördert werden, wird bis Jahresende entschieden.

Immobilienfonds Immobilienfonds investieren zu mindestens 50 Prozent in Haus- und Grundbesitz oder Bau-Projekte. Der Anleger profitiert von steigenden Mieten oder gewinnbringenden Verkäufen. Unterschieden werden Offene und Geschlossene Immobilienfonds. Die geschlossene Variante lässt nur eine begrenzte Zahl von Investoren und Anlageobjekten zu. Bei diesem Modell spielen insbesondere für einkommensstarke Anleger Steuerspar-Möglichkeiten eine entscheidende Rolle. Bei den Offenen Immobilienfonds ist dieser Aspekt nicht im Vordergrund. Hier können auch Normalverdiener an Wertentwicklungen auf dem Immobilienmarkt profitieren.

Länder- und Regionenfonds Der Risikograd eines Länderfonds wird in erster Linie von der Wirtschaftsentwicklung in einem Land bestimmt. International anlegende Fonds kennen gar kein Länder-Risiko. Regionen-Fonds, die beispielsweise in Nordamerika oder Euroland investieren, sind ebenfalls auf der konservativen Seite der Länderfonds zu finden. Hohe Kursschwankungen erwarten dagegen Anleger, die in den Emerging Markets in Osteuropa und Asien anlegen. Wie spekulativ ein Länderfonds ist, lässt sich aber auch daran erkennen, wie groß die Unternehmen sind, in die er investiert. Small Caps oder Nebenwerte unterliegen den stärksten Kursschwankungen, Mid Caps (wie beispielsweise MDax-Werte) zeigen meist ruhigere Kursverläufe. Zumindest in der Theorie gehören Blue Chips wie die 30 Dax-Aktien zur risikoarmen Gruppe. Standardwertefonds stellen ihr Portfolio mit den Aktien des Dax, des EuroStoxx, des Dow Jones oder anderer Leit-Indizes zusammen. Die Kunst des Fondsmanagers besteht hier darin, durch eine leicht veränderte Gewichtung der Einzelwerte eine bessere Rendite zu erwirtschaften als der Index. Schließlich kann auch die Währungsentwicklung gegenüber dem Euro zum Gaspedal oder zur Performance-Bremse werden. Zur Auswahl stehen dem Anleger daher meist zwei Varianten eines Fonds: Eine notiert in der Landeswährung, eine zweite in Euro. Die Euro-Variante minimiert das Wechselkurs-Risiko.

Themenfonds Investiert wird in Aktien verschiedener Branchen, die von einem, meist globalen Trend beeinflusst werden. Beispiele sind Luxusgüter- oder Freizeitfonds. Letztere investieren in Reiseunternehmen, Freizeitparks und Sportartikel-Hersteller. Gemeinsam sollen sie von einer Grundthese profitieren. Hier heißt sie: Die Bevölkerung in den Industrienationen wird künftig über immer mehr Freizeit verfügen - und dafür auch mehr Geld ausgeben.

Branchenfonds Im Fonds-Portfolio werden Aktien bestimmter Branchen gebündelt. Die wichtigsten sind:

- Konsum/Food
- Rohstoffe
- Industrie
- Gold-/Edelmetalle
- Energie/Versorger
- Finanzwerte
- Pharma
- Healthcare/Biotechnologie
- Umwelt
- Transport/Logistik
- Technologie/Medien/Telekommunikation (TMT)
- Internet

Viele Branchenfonds legen international an, andere beschränken sich auf Regionen - beispielsweise europäische Umweltaktien. Die Beschränkung auf Regionen erhöht grundsätzlich das Risiko für den Anleger. Denn neben der Branchenentwicklung beeinflusst auch die Wirtschaftsdynamik einer Anlageregion die Performance - verschlechtert sich die Situation, kann der Fondsmanager mit seinem Portfolio nicht in andere Länder "flüchten". So schoss etwa der Fonds Nordasia.com, der ausschließlich in asiatische Internet-Werte investiert, zum Start im Vorjahr binnen weniger Wochen um 30 Prozent nach oben - anschließend knickte die Performance ebenso drastisch ein. Bis heute hat der Fonds ein Minus von fast 90 Prozent erwirtschaftet.

Dachfonds (fund of funds) Fonds, die nicht in Aktien, sondern in verschiedene andere Fonds investieren. Dadurch soll das Investment-Risiko nochmals verringert werden: Theoretisch erzielt ein Dachfonds stabilere Renditen, weil er statt in schwankungsanfälligere Einzelaktien in weniger volatile Fondsanteile investiert. Im Gegensatz zur Aktie birgt ein Fondsanteil aber grundsätzlich Verwaltungskosten. Dachfonds-Anleger bezahlen also zum einen Ausgabeaufschlag und Managementgebühr für das Dachfondsmanagement und zusätzlich einen Anteil der Gebühren in den so genannten Zielfonds, in den investiert wird. In der Praxis haben die seit 1998 in Deutschland zugelassenen Dachfonds keine stabilere oder bessere Wertentwicklung erreicht als der Durchschnitt der Branchen- oder Länderfonds, in die sie investieren.

Value versus Growth Aus den USA stammt eine Unterscheidung, die sich auch in Europa durchsetzt. Zwei grundsätzliche Anlagestile werden unterschieden: Der Growth-Investor setzt auf wachstumsstarke Unternehmen, die über einen langen Zeitraum eine stetige Aufwärtsentwicklung gezeigt haben - und deren unaufhaltsamer Erfolg sich nach Einschätzung des Fondsmanagers auch in der Zukunft fortsetzt. Meist prägen hier Blue Chips das Portfolio.

Value-Investoren dagegen sammeln Aktien, die sie aktuell für unterbewertet halten. Sie stammen im Idealfall von substanzstarken Unternehmen, die durch einen einmaligen Vorfall oder eine Abkehr von einem Börsentrend einen ungerechtfertigt starken Kurseinbruch hinnehmen mussten. Wenn die subjektive Einschätzung stimmt, besitzen die Aktien Erholungspotenzial. Steigt der Kurs dann wieder auf das so genannte "faire Bewertungsniveau", wird mit Gewinn verkauft - und der Fondsmanager sucht nach dem nächsten unterbewerteten Titel mit solider Substanz.

Christian Buchholz

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