Schillerndes E-Auto-Start-up Rüge der Nasdaq lässt Aktie von Faraday Future einbrechen

Der frühere BMW-Manager Carsten Breitfeld führte das Start-up im Sommer an die Nasdaq und konnte gleich die ersten Quartalszahlen nicht vorlegen – weil die Firma Vorwürfe eines Shortsellers prüft.
Unter Druck: Faraday-Future-Chef Carsten Breitfeld

Unter Druck: Faraday-Future-Chef Carsten Breitfeld

Foto: Javier Rojas / ZUMA Press / imago images

Der Druck auf das vom langjährigen BMW-Manager Carsten Breitfeld (58) geführte Elektroauto-Start-up Faraday Future steigt. Nachdem sich das Unternehmen nicht in der Lage sah, seine Zahlen für das dritte Quartal – überhaupt die ersten als börsennotierte Firma – ordnungsgemäß einzureichen, erhielt es eine Rüge durch die Nasdaq. Die US-Technologiebörse monierte, Faraday würde sich wegen des Verzugs nicht an die Regeln der Börse halten. Das gab das Unternehmen auf seiner Internetseite bekannt. 

Unter den ohnehin alarmierten Anlegern schürte das weitere Unsicherheit. Der Kurs brach vorbörslich um knapp 10 Prozent ein, nachdem er im Laufe des Monats bereits um gut ein Viertel nachgegeben hatte.

Faraday Future, 2014 gegründet und in Kalifornien beheimatet, zählt zu den schillernden Elektroautofirmen. Mehrfach wurde dem Unternehmen der Kollaps prophezeit, unter anderem meldete der umstrittene chinesische Gründer Jia Yueting (47) Privatinsolvenz an, um milliardenschwere Schulden loszuwerden. Doch Breitfeld – seit 2019 als CEO an Bord – gelang es, Faraday in diesem Juli per Spac-Börsengang an der Nasdaq zu platzieren und dabei eine Milliarde Dollar frisches Kapital einzusammeln. Das erste Modell, der Elektro-SUV FF91 soll 2022 auf den Markt kommen.

Es folgten bewegte Monate. Anfang Oktober veröffentlichte der Shortseller J Capital Research einen Report, der Faraday Betrug vorwarf. "There's a new EV Scam in Town" , überschrieben die aggressiven Investoren ihren 27-Seiten-Report. "Wir glauben nicht, dass Faraday Future jemals ein Auto verkaufen wird", lautete der erste Satz. Bis jetzt sei das Unternehmen "nichts anderes als ein Eimer, um Geld von US-Investoren einzusammeln" und es in einem schwarzen Loch verschwinden zu lassen.

Anfang November verkündete Faraday, dass ab sofort der erfahrene Finanzer Walter J. McBride den erst Anfang 2021 berufenen Finanzchef Zvi Glasman ersetzen würde; Glasman werde aber als Berater an Bord bleiben. Mitte November unterrichtete das Unternehmen dann die US-Börsenaufsicht SEC, die Quartalszahlen nicht pünktlich einreichen zu können. Der Grund: Das Board habe ein Sonderkomitee gegründet, um mögliche Unregelmäßigkeiten und die Vorwürfe aus dem Shortsellerreport zu prüfen. Unterstützt würden die Prüfer von externen Anwälten. "Faraday Future ist bestrebt, seine Geschäfte auf die ethischste und transparenteste Weise zu führen", so die Firma.  Man wolle mit der Überprüfung "sicherstellen, dass das Unternehmen die höchsten Verhaltensstandards einhält".

Statt der ersten Quartalszahlen als börsennotierte Firma informierte Faraday die Investoren lediglich über ein kurzes "Business Update". Man sei in der Spur, hieß es darin. Der Bau der Fabrik im kalifornischen Hanford habe wichtige Fortschritte gemacht, das Elektroauto FF91 sei technisch verbessert worden, am Auslieferungsversprechen für 2022 hält man fest.

Die Nasdaq räumt Faraday nun 60 Tage Frist ein, um einen Plan aufzustellen, wie man die Regeln wieder einhalten könne. Das Unternehmen selbst erklärte, die Quartalszahlen vorzulegen, sobald die Untersuchung abgeschlossen sei. Ein konkretes Datum nannte es nicht. Aber immerhin: Solange werde man an der Nasdaq gelistet bleiben.

lhy