Jahrelange Vorbereitung EZB hat es mit dem Digital-Euro nicht eilig

In der hektischen Welt der Kryptowährungen wirkt das Vorgehen der Europäischen Zentralbank beinahe anachronistisch: Die Notenbanker erwägen, einen digitalen Euro in die Welt zu setzen - aber sie lassen sich viel Zeit damit.
Cyberdevise: Die EZB bastelt am digitalen Euro

Cyberdevise: Die EZB bastelt am digitalen Euro

Foto: Christian Ohde / imago images/Christian Ohde

Die Einführung eines digitalen Euro rückt zwar augenscheinlich näher - aber lediglich im Schneckentempo. Auch die heutigen Schritte der Europäischen Zentralbank deuten darauf hin, dass noch Jahre vergehen werden, bis es tatsächlich so weit seien könnte: Wie die EZB am Mittwoch mitteilte, beschloss der EZB-Rat den offiziellen Start eines Pilotprojekts, mit dem die mögliche Einführung eines digitalen Euro vorbereitet wird.

Europas Währungshüter heben ihre mehrjährigen Arbeiten an einem digitalen Euro damit auf die nächste Stufe: In einer 24 Monate dauernde Untersuchungsphase für eine solche Digitalwährung soll es nun um Aspekte wie Technologie und Datenschutz gehen. Ob eine digitale Version der europäischen Gemeinschaftswährung ergänzend zu Schein und Münze kommen wird, ist damit aber noch nicht entschieden. "Wir werden (...) erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob ein digitaler Euro eingeführt wird oder nicht", erklärte EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta. "In jedem Fall würde ein digitaler Euro das Bargeld nur ergänzen und nicht ersetzen."

Bis zur möglichen Einführung eines digitalen Euro wird es somit noch dauern, wie Panetta bekräftigte: Nach Ablauf der zweijährigen Untersuchungsphase wolle die EZB bereit sein, mit der Entwicklung eines digitalen Euro zu beginnen. "Dies könnte rund drei Jahre dauern." Panetta hatte bereits im Mai gesagt, frühestens im Jahr 2026 sei mit der Einführung eines digitalen Euro zu rechnen.

Ein digitaler Euro könnte es Privatleuten erlauben, Geld direkt bei der Zentralbank zu hinterlegen. Diese Möglichkeit steht normalerweise nur gewerblichen Kreditgebern wie Banken, Regierungen und anderen Zentralbanken offen. Theoretisch denkbar wäre, dass Bürger ein Konto bei der EZB eröffnen. Für wahrscheinlicher halten Experten jedoch, dass elektronische Geldbörsen, sogenannte Wallets, von Geschäftsbanken oder anderen Finanzdienstleistern in Verbindung mit einem herkömmlichen Konto angeboten würden. Die Notenbank selbst lässt sich einstweilen technisch und vom Konzept her weitgehend alle Möglichkeiten offen.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) nannte die Weichenstellung der EZB "wegweisend": "Wir müssen den Euro fit machen für das digitale Zeitalter, nur so können wir unsere währungspolitische Souveränität erhalten und stärken. Bei den weiteren Arbeiten müssten die Mitgliedstaaten eingebunden werden."

cr/dpa-afx
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